Mahlzeit: Susanne Breit-Keßler über Integration und Lebensmittel

Mahlzeit: Susanne Breit-Keßler über Integration und Lebensmittel
Türkisch im Supermarkt

Ein türkischer Supermarkt am Montagmorgen. Die Lieferungen werden ausgepackt. Gefüllte Weinblätter in Dosen, schwarze und grüne Oliven, eingelegte Paprika, frische Auberginen und Okraschoten, geröstete Pistazienkerne, Chilischoten, Nusspralinen… eine Köstlichkeit nach der anderen wird in den Regalen verstaut. Die Leute rufen sich in ihrer Muttersprache schnelle, kurze Hinweise zu – wahrscheinlich so etwas wie: "Pass auf, das kippt gleich um" oder "Da fehlen noch ein paar Tüten!"

Zwischen ihnen Deutsche, die sich mit Delikatessen eindecken. Es macht Spaß, nachzukochen, was man im Urlaub oder in einem Restaurant zu Hause gegessen hat. An der Kasse sitzt eine junge Muslimin mit Kopftuch. Sie rechnet ab, was ich eingekauft habe. Ich fasse mir ein Herz und sage auf Türkisch: "Tesekkürler", Danke. Ich will zeigen, dass ich etwas gelernt habe. "Auch Ihnen Dankeschön" antwortet die türkischstämmige Verkäuferin und zeigt, dass sie zwei Heimatsprachen beherrscht.

"Iyi günler" und ein Strahlen

Schließlich verabschiede ich mich mit "Iyi günler" und die Muslimin strahlt: "Ich wünsche Ihnen auch einen recht guten Tag!" Da war ein Hauch Apostel Paulus im Raum. Wir zwei Frauen haben in Szene gesetzt, was er sagt: "Wenn ich die Bedeutung der Sprache kenne, werde ich den verstehen, der redet, und der redet, wird mich verstehen." Die einen können Deutsch und Türkisch. Andere, so wie ich, lernen neben ihrer deutschen Muttersprache wenigstens ein bisschen Türkisch. Das hilft nicht bloß im Supermarkt...

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Über diesen Blog

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt".

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