Kulturbeutel: Johann Hinrich Claussen und "BlessU2"

Kulturbeutel: Johann Hinrich Claussen und "BlessU2"
"BlessU2" weltweit

Screenshot

Dies sind meine ersten Schritte in der Welt der Blogs. Wohin werden sie mich führen? Werde ich mich in den unendlichen digitalen Weiten verirren, oder komme ich jetzt endlich groß raus? Werden weltweite Begeisterungswellen mich ganz nach oben spülen, oder werde ich in Fäkalunwettern ertrinken? Fragen über Fragen.

Während bei mir noch alles still ist, beobachte ich, wie es einigen Kollegen da draußen im Internet ergeht. Sie hatten einen Segensroboter bauen lassen und präsentieren ihn nun auf der "Weltausstellung Reformation" in Wittenberg, um eine Diskussion über den Segen anzustoßen. Ich wundere mich häufig über den protestantischen Irrglauben, dass man immer alles kritisch hinterfragen und ins Gespräch bringen müsse. Mir genügt, wenn der Segen ordentlich gesprochen wird. Wie er dann in mir wirkt, werde ich schon sehen. Weiteren Gesprächsbedarf habe ich nicht. Außerdem finde ich das Modell "BlessU2" nicht so schön, dass ich mich ihm nähern möchte. Aber was zählt meine Meinung, wenn die "Bild" die Sache so vorstellt, dass sogar chinesische Staatsmedien darüber berichten und dann die ganze Welt – Zeitungen, Zeitschriften, Facebook, Twitter, das volle Programm:

Eine Auswahl an internationalen Google-Funden

Einige lachen, andere schimpfen. Das Arsenal an Emoticons wird ausgeschöpft. Irgendwann meldet sich auch die russische Politik und sieht sich bestätigt: So tief also ist der degenerierte Westen gesunken. "BlessU2" sei genau "die Verkörperung jener neuen 'Werte', denen wir uns verweigern!" So viel Aufmerksamkeit weltweit – da werden meine Kollegen jetzt richtig viel Arbeit haben. Dabei war es vielleicht doch nur eine nicht ganz so tolle Idee.

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Lesermeinungen

Die ganze Diskussion zeigt, wie nötig wir eine Diskussion über unseren Glauben haben. Auch unsere russischen Brüder.

Es ist nicht das Medium, dass den Segen bewirkt. Es ist Gott.

Völlig egal ob es ein schöner Pfarrer oder ein hässlicher Roboter, eine kalligraphisch gestaltete Prachtbibel oder eine schnöde Handy-App, ein Reisesegen des Partners oder eine Privataudienz beim Papst ist.

Das Wirken liegt bei Gott allein.
Wir müssen uns "nur" darauf einlassen. Und sein Handeln auch erkennen, statt seine Werke zu verunglimpfen.

Über diesen Blog

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

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