Johann Hinrich Claussen über The Blaze

Johann Hinrich Claussen über The Blaze
Der Clip, den man sich ansehen sollte
blaze.jpg

Foto: privat

Wie viele meiner Altersgenossen habe ich in meiner immer weiter zurückliegenden Jugend wertvolle Stunden damit verplempert, die Video-Clips meiner Lieblingsmusiker anzusehen. Oh, herrliche, vollkommen sinnlose Zeitverschwendung! Am Ende musste ich leider doch erwachsen werden und habe mich zweckmäßigen Beschäftigungen zugewandt. Jetzt aber habe ich nach langer Pause wieder einmal ein Musik-Video angesehen, das mich nachhaltig begeistert.

Die Pariser Cousins Jonathan und Guillaume Alric, alias The Blaze, machen feine, stilsichere Techno-Musik, die man jedoch überhören könnte, wenn sie nicht von kleinen Filmen begleitet wäre. Diese sind so eigenwillig und großartig, dass man die dazu gehörige Musik nicht übersehen kann. Zum Beispiel „The Territory“.

Ein junger Nordafrikaner kehrt heim, mit dem Schiff über das Meer, von Europa zurück nach Algier, kräftig, fast bullig, dennoch mit Tränen im Gesicht. Seine Familie, ungezählte Menschen jeden Alters, begrüßt ihn, Hände greifen nach ihm, Arme pressen, Münder küssen ihn. Er ist wieder da und bleibt doch außen vor. Abends auf dem Dach vor dem Sonnuntergang raucht er, während die anderen zum Gebet niederknien. Er gehört immer noch zu ihnen, nur scheint er unterwegs den gemeinsamen Glauben verloren zu haben. Dann tanzen die jungen Männer – schön, rhythmisch, un-europäisch, stark, fast bedrohlich. Man schaut in eine fremde Welt, die einem plötzlich nahe kommt.

Man kann in diesem Clip eine moderne Variante der Geschichte vom verlorenen Sohn sehen. Er ist zurückgekehrt, aber es steckt noch viel Fremde in ihm.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Johann Hinrich Claussen
Johann Hinrich Claussen ist Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das heißt, er kümmert sich um das Gespräch zwischen Kirche und Kultur.

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
20 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Mareike Fallet und Claudius Grigat
8 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Mareike Fallet und Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
20 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Ursula Ott
8 Beiträge

Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin