Claudius Grigat über Superheldenprobleme

Claudius Grigat über Superheldenprobleme
Ironman
Ironman T-Shirt

Der Eisenmann auf dem T-Shirt birgt Konfliktstoff

Foto: Claudius Grigat

Ja, ich gebe es zu: Ich bin ein glühender Anhänger diverser Spielarten der Popkultur. Zuallererst natürlich der Musik. Aber auch Comics und deren Verfilmungen haben es mir angetan, allen voran die sogenannten "Superhelden-Comics" aus den Universen der beiden großen US-Verlage Marvel und DC.

So kam es, dass ich meinem Sohn neulich im Bekleidungsfachgeschäft ein T-Shirt mit dem Konterfei des Marvel-Helden "Ironman" unter die Nase hielt und irgendetwas nuschelte wie: "Das würde mir ja gefallen…" Sofort begannen seine Augen zu leuchten: "Ja, ehrlich? Ich finde das sooooo cool! Krieg' ich das T-Shirt?"

Immer dieser Gruppendruck

Gesagt, gekauft (es war gottseidank erschwinglich, auf das Preisschild hatte ich unvorsichtigerweise erst nach meiner unbedachten Äußerung geschaut…). Beim Hinausgehen dann erklärt er mir wortreich seine Freude – und den Grund dafür: Peergroup-Pressure. Denn natürlich haben die anderen Jungs, schon längst so coole Shirts. Einige mit Star Wars-Aufdrucken, andere mit Spiderman-Beflockung. Und natürlich ist auch Ironman schon vertreten, noch dazu bei einem seiner besten Freunde.

Darüber aber sei es nun auch schon zum Streit gekommen, erklärt er mir weiter. "Wieso?" frage ich interessiert und in meinem Kopf läuft derweil schon mal das ganze Pädagogik-Programm ab, über das richtige Reagieren auf sozialen Druck und den angemessenen Umgang mit Status-Symbolen etc. p. p.

Es kann nur eine Wahrheit geben

Aber mein Sohn zerstreut meine aufkeimenden Sorgen sogleich wieder: Es ging um die korrekte Benennung des Metallic-Helden. Natürlich, so wird mir bewusst, ist den Kids aufgrund nicht vorhandener Englisch-Kenntnisse der richtige Name des Mannes aus Eisen nicht einfach herleitbar. Trotzdem aber glaubte jeder, im Besitz der einzigen Wahrheit bzw. der korrekten Fakten zu sein:

"Er hat behauptet, der heißt 'Ajvar-Man'", so mein Sohn kopfschüttelnd. Ich muss grinsen. Wieso bloß muss ich an Essen denken? "Wir haben ihm aber gesagt, dass das nicht stimmt. Der heißt doch 'Eier-Man'!" Das sind Momente, in denen man ganz stark bleiben muss. Wie Ironman…

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Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Mareike Fallet und Claudius Grigat

Mareike Fallet
Mit drei Kindern zwischen sieben und eins geht es auch bei Mareike Fallet bunt zu. "Warum" ist ihr meistgehörtes Wort. Neben "nein" und "Süßigkeit". "Warum?", das treibt sie als Journalistin immer auch selbst an. Warum findet die Frankfurter Grundschule nur schwer eine Ersatzlehrkraft für die schwangere Lehrerin des großen Sohnes? Warum lassen manche Eltern ihre Kinder nicht gegen Masern impfen? Und warum liegen an Supermarktkassen so viele Süßigkeiten auf Kinderhöhe?
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Claudius Grigat
Claudius Grigat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Stadtrand – sehr normal. Aber was ist schon normal, wenn es um Kindersachen geht? Wenn man zum Beispiel entdeckt, dass zwei verschiedene Socken cool sind, Barbies nicht stehen können und das Leben kein Ponyhof, der Ponyhof aber das Leben ist… Den Dingen auf den Grund zu gehen ist für ihn als Journalist und als Papa immer wieder eine schöne Herausforderung.

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Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

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