Claudius Grigat über Kraftausdrücke und Erziehung

Claudius Grigat über Kraftausdrücke und Erziehung
Vulgarien
Hand mit Fahne auf der "Fuck" steht.

Foto: sir_hiss/photocase.de

Worte sind Schall und Rauch?

Hand mit Fahne auf der "Fuck" steht.

Niemand hatte mir gegenüber je behauptet, dass Erziehung ein Zuckerschlecken sei. Aber musste ich denn unbedingt auch noch mit zwei so spitzfindigen wie schlagfertigen Kindern gesegnet werden…?

Wir versuchen selbstredend – wie alle gutbürgerlich-zivilisierten Eltern, für die Knigge kein Bein hintendran hat und in Ostereier gefüllt wird – unsere Kinder vom unmäßigen Gebrauch unflätiger Begriffe und vulgärer Ausdrücke abzubringen. Was aber tun, wenn dieses Unterfangen auf keinerlei fruchtbaren Boden in Form von nachvollziehendem Verstehen oder wenigstens Kadavergehorsam fällt? Es muss ja nicht gleich so sein, wie bei dem - extrem wohlerzogenen - entfernten Bekannten, der immer, wenn er besonders wütend auf sein Gegenüber war, zum schlimmsten Schimpfwort griff, das er sich vorstellen konnte: "Du Holzauto!" Aber diese totale selbstgewisse Renitenz meiner Kinder macht mich hin und wieder sprachlos.

"Das kann man doch auch anders sagen"

Folgendes trug sich jüngst in unserem Hausflur zu: Unser Kleiner zieht seine Daunenjacke an. Unvermittelt fängt er an zu schimpfen wie der sprichwörtliche Rohrspatz: "Ich fühle mich wie eine fette Kuh." Daraufhin meine Frau: "Aber, aber… wenn du dir etwas unbeweglich vorkommst in der dicken Winterjacke, verstehe ich das. Allerdings kann man das doch auch anders sagen, ohne solche abfälligen Worte…" Ein wohlmeinender, aber hilfloser Versuch. Er hingegen erwidert ohne Nachzudenken: "Wieso denn? Ich fühle mich doch nun mal WIE EINE FETTE KUH!" Diskussion beendet.

Anderes Beispiel gefällig? Sonntagsspaziergang nach einem Regenguss. Die Kinder auf ihren Rollern. Eine Riesenpfütze. Der Rest ist klar… es gibt kein Halten, es spritzt, es macht einen Riesenspaß. Danach zeichnet sich auf der Jeans meiner Tochter deutlich ein großer dunkler Schatten ab, Höhe Gesäß und Oberschenkel. Sie, irgendwo zwischen jammerig und zornig: "Meine Hose ist total nass, jetzt bekomme ich einen ganz kalten Arsch." Ich, reflexartig: "Hey, da kann man doch auch 'Hintern' oder 'Popo' sagen." - "Ja. Aber jetzt wird mein Popo arschkalt, menno!"

Manchmal denke ich, wir sollten irgendwo hinziehen, wo wir nicht so auffallen, verdammte Sch… Nach "Vulgarien" oder so.

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Über diesen Blog

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Mareike Fallet und Claudius Grigat

Mareike Fallet
Mit drei Kindern zwischen sieben und eins geht es auch bei Mareike Fallet bunt zu. "Warum" ist ihr meistgehörtes Wort. Neben "nein" und "Süßigkeit". "Warum?", das treibt sie als Journalistin immer auch selbst an. Warum findet die Frankfurter Grundschule nur schwer eine Ersatzlehrkraft für die schwangere Lehrerin des großen Sohnes? Warum lassen manche Eltern ihre Kinder nicht gegen Masern impfen? Und warum liegen an Supermarktkassen so viele Süßigkeiten auf Kinderhöhe?
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Claudius Grigat
Claudius Grigat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Stadtrand – sehr normal. Aber was ist schon normal, wenn es um Kindersachen geht? Wenn man zum Beispiel entdeckt, dass zwei verschiedene Socken cool sind, Barbies nicht stehen können und das Leben kein Ponyhof, der Ponyhof aber das Leben ist… Den Dingen auf den Grund zu gehen ist für ihn als Journalist und als Papa immer wieder eine schöne Herausforderung.

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Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

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Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

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Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin