Ursula Ott über Mails "an alle"

Ursula Ott über Mails "an alle"
Einfach mal omm

Ich bin nicht der meditative Typ. Aber heute morgen habe ich in unserer Montags-Sitzung die Ansage gemacht: Einfach mal durchatmen. Omm. Und zwar, bevor die Kollegen Mails "an alle" verschicken. Weil: Fast immer sind "alle" genervt. Aber nur alle minus 90 Prozent wirklich gemeint. Und das kostet Zeit. Und Nerven. Alle!

Es ist ok, an alle zu schreiben, dass man zwei Wochen in Urlaub fährt. Es ist nicht ok, als traurig Zurückgebliebener "viel Spaß" zu mailen - an alle. Es ist überhaupt nicht ok, komplizierte Mails mit Produktionsterminen an alle zu schicken und fünf Minuten später eine Korrekturmail an alle zu schreiben. Das nervt. Und es wird überhaupt zu viel gemailt. Drum erstmal: Omm. Und dann überlegen: Muss diese Mail wirklich sein? 

Das Prinzip Radfix auf die Redaktion anwenden

Ich schreibe das durchaus in selbstkritischer Absicht. Mail ist nicht mein Problem, aber ich rede zu viel. Gestern abend schimpfte mein Mann, dass mein Fahrrad immer umfällt. Und dann andere Fahrräder mit umkippen. Ich fuhr heute morgen zu "Radfix" und schilderte das Problem, noch mehr Worte. Die Werkstatt hat ihren Namen zurecht. Fix nahm der Besitzer - der physiognomisch durchaus den Habermas-Lehrstuhl innehaben könnte, hey das ist Frankfurt - seinen Schraubenschlüssel, zog den Ständer fest und rollte mein Rad nach draußen. Ich habe das verstanden, Problem gefixt, weitere Worte überflüssig. Und jetzt überlege ich, wie ich das Prinzip Radfix auf diese Redaktion anwenden kann. Nicht so vel reden, einfach machen. Omm. 

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Über diesen Blog

Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin

Ursula Ott
Ursula Ott hatte als Schülerin den Berufswunsch Dolmetscherin. Aber dann wollte sie doch lieber selber reden und schreiben. Heute tröstet sie Print-Reporterinnen, wenn ihre mühsam gehäkelten Sätze als Shareable bei Facebook zerschreddert werden. Und lässt sich von den Onlinern erklären, warum Mails nur noch was für alte Leute sind.

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