Ursula Ott: Jeder kann Online lernen

Ursula Ott: Jeder kann Online lernen
Ich stell meinen Blog jetzt selbst ins Netz!

Neulich stand unsere Social-Media-Managerin hinter mir am Bildschirm und sollte mir zum fünften Mal erklären, wie man in unserem Asset Management System ein Bild hochlädt, um es in einen Blog einzufügen. Sie ist sehr geduldig, nie würde sie sagen, dass es das fünfte Mal ist. Warum bloß habe ich trotzdem diesen Satz gesagt. „Ich bin zu doof.“ Dann erst war sie entnervt. Und als ich noch den sehr abgehangenen Spruch von wegen „Senioren ans Netz“ tat, war sie endgültig entnervt. Das allerdings hörbar.

Ich kanns verstehen. Sich selber für blöd zu erklären, ist Weiberkram. Ich hasse es, wenn Freundinnen sich neben mir im Auto auf den Beifahrersitz plumpsen lassen und seufzen „Orientierung hab ich gar nicht.“ Weil: So viele "MINT- Jugend-forscht-Girls-Days“ kann man gar nicht veranstalten, um den Mädchen dieses Kleine-Mädchen-Gehabe abzugewöhnen. Zweitens ist es meistens Faulheit. Ich habe es schon mal in meiner erledigt-Kolumne aufgespießt: Wer behauptet, für dieses Internet brauche man ganz neue Kulturtechniken, ist nur zu faul, zum lernen.

Letztlich ist es der alte Trick. Wer keine Lust auf Hausarbeit hat, räumt die Spülmaschine so lange mit den Löffeln nach unten ein, bis der Partner sich erbarmt. Wer Handys zwar gerne nutzt, um zu chatten, aber keine Lust hat, die Gebrauchsanweisung zu lesen, seufzt dramatisch in Anwesenheit von Kindern, Neffen, Nachbarskindern U20 – und hofft, dass einer das Ding anwirft.

Was also könnte ich tun, um mir das blöde „Ich bin zu doof“ abgewöhnen? 5 Euro ins Phrasenschwein? Ich könnte, seufz, das Papier studieren, das die nette Kollegin erstellt hat: So stelle  ich einen Bog online. Und dann machen. Und Klappe halten. Ich versuchs.

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Über diesen Blog

Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin

Ursula Ott
Ursula Ott hatte als Schülerin den Berufswunsch Dolmetscherin. Aber dann wollte sie doch lieber selber reden und schreiben. Heute tröstet sie Print-Reporterinnen, wenn ihre mühsam gehäkelten Sätze als Shareable bei Facebook zerschreddert werden. Und lässt sich von den Onlinern erklären, warum Mails nur noch was für alte Leute sind.

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