Digital-Deutsch: Ursula Ott über Cloud-Speicher und Stehsammler

Digital-Deutsch: Ursula Ott über Cloud-Speicher und Stehsammler
Zeitungsmuseum

„Guck mal, was ich gefunden habe“, sagt der Digitalchef, „Eure erste chrismon-Ausgabe nach dem Relaunch. Da stehen noch Deine Edding-Notizen drauf.“ Der ist nett, der Digitalkollege, aber hä? Was soll ich damit? Wir drucken 1,3 Millionen Auflage, ich hänge sehr an dem Heft. Aber nicht an jedem einzelnen Heft der 1,3 Millionen. „Naja“, druckst er herum, „ich dachte, ihr wollte das vielleicht archivieren oder so.“

Ich verstehe: Der junge Kollege denkt, wir alten Zeitungsleute richten hier so eine Art Museum für angestaubtes Papier ein. Während er sein Museum quasi auf dem Smartphone hat, weil er alle seine alten Artikel aus der Cloud abrufen kann, hält er uns für so eine Art Cro Magnon Menschen, die ihre Notizen mit dem Spitzkeil in den Kalksand ritzen für spätere Generationen.

Gerade will ich ihn zurechtweisen – altersmäßig könnte er locker mein Sohn sein – da kommt die Mail eines treuen chrismon-Lesers. Beschwert sich, dass wir das Format um einen Zentimeter verändert haben. Jetzt passen die chrismon-Hefte nicht mehr in seinen Din-A-4-Stehsammler. Daran haben wir tatsächlich nicht gedacht, obwohl der Relaunch-Profi, der uns das Format empfohlen hat, eher der Generation Stehsammler angehört als der Generation Cloud. Hey, ist das toll! Wir haben Leser, die jedes Heft aufbewahren. Und, lieber Hanno, erst wenn der letzte Akku leer genudelt, die letzte Cloud gelöscht und der letzte Smartphone-Screen gesplittert ist, wirst du sehen, dass man Online-Artikel  nicht in Stehsammler packen kann. Ach so, den Spruch kennst du auch nicht mehr. Gib mal bei google ein: Weissagung der Cree. Bei mir liegt das Plakat im Keller, sauber aufgerollt. Falls Google mal abstürzt, ruf mich an. Ich roll dir das Plakat zusammen und mach nen Gummi drumrum. Für die Ewigkeit.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin

Ursula Ott
Ursula Ott hatte als Schülerin den Berufswunsch Dolmetscherin. Aber dann wollte sie doch lieber selber reden und schreiben. Heute tröstet sie Print-Reporterinnen, wenn ihre mühsam gehäkelten Sätze als Shareable bei Facebook zerschreddert werden. Und lässt sich von den Onlinern erklären, warum Mails nur noch was für alte Leute sind.

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
16 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Mareike Fallet und Claudius Grigat
7 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Mareike Fallet und Claudius Grigat

Text:
Johann Hinrich Claussen
15 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Ursula Ott
7 Beiträge

Seit Chefredakteurin Ursula Ott Print und Online managt, versucht sie sich als interkulturelle Dolmetscherin