High Heels-Kurs der Katholischen Kirche

Habemus Mamam! Und zwar sexy – auf High Heels
Sind High-Heel-Kurse sexistisch? Arnd Brummer hat dazu eine ganz entschiedene Haltung
Arnd Brummer, was ich notiert habe

Foto: Sven Paustian

Arnd Brummer ist Chefredakteur von chrismon

Also: 2017! Nicht nur 500 Jahre Reformation, sondern ein Jahr voller Entscheidungen und Premieren. Demnächst übernimmt Donald Trump das Weiße Haus in Washington. Dann küren die Deutschen einen neuen Bundespräsidenten, im Mai die Franzosen ein Staatsoberhaupt und Nordrhein-Westfalen einen neuen Landtag. Und im Herbst wählen wir einen Bundestag. Viel los und nirgendwo wahllos. Und jetzt scheint es auch noch rechtzeitig zu Luthers Thesenanschlag kolossale Veränderungen in der römisch-katholischen Geschwisterschaft zu geben. Zumindest wenn man den Verantwortlichen in der „Katholischen Familien-Bildungsstätte“ im hessischen Hanau glauben darf.

Empört hat mir Lore, eine genderbewusste Freundin, vor ein paar Tagen einen Flyer jenes Instituts auf den Tisch geknallt. Neben einem roten Damenschuh mit circa 20 Zentimeter hohem Absatz prangt der fette Titel: „Stilsicher, selbstbewusst und ­sexy – Elegantes und natürliches Gehen mit High Heels ­und Skyscrapers“.

In zwei Treffen von rund zwei Stunden möchte eine „Modedesignerin und staatlich geprüfte Bekleidungstechnikerin“ ein sensationelles Training offerieren: „Der Workshop vermittelt die wichtigsten Aspekte, um selbstbewusst und sicher auf hohem Schuh aufzutreten, ob bei Partys oder im geschäftlichen Meeting, einfach überall dort, wo der erste Eindruck zählt. Es sollen sich Frauen jeden Alters angesprochen fühlen, die das sichere Gehen auf High Heels und Skyscrapers von Anfang an, durch richtige Körperhaltung, erlernen möchten.“

Sexistische Angebote statt öffentlicher Würdigung

„Das ist ein Skandal“, schimpft Lore. Sie, die noch immer Katho­likin ist, sieht in solchen Angeboten „eine Erniedrigung der Frau auf die Rolle des Lustobjekts“. Ganz falsch. Dieses Seminar ist ein Schritt auf dem Weg zu einem neuen Frauenbewusstsein in der römischen Kirche – und nicht der erste!

Im Himmel sind die Allerletzten

Kleine Geschichten über die großen Themen des Lebens. Mal nachdenklich, meistens heiter, hintergründig und geistreich berichtet chrismon-Chefredakteur Arnd Brummer von Begegnungen und Beobachtungen, die nur scheinbar alltäglich sind. Wagt man mit Arnd Brummer den Blick hinter die Oberfläche, erschließen sich tiefe Einsichten in die großen Themen des Lebens.

Bei der edition chrismon erhältlich (über die Hotline 0800 / 247 47 66 oder unter www.chrismonshop.de).

Ich habe mich wie ein Kind gefreut, als der Vatikan Maria ­Magdalena im vergangenen Sommer als „Apostelin der Apostel“ und engste Vertraute Jesu mit einem eigenen Festtag am 22. Juli in den Kirchenkalender aufnahm. Maria Magdalena, die erste Zeugin von Jesu Auferstehung und die Nummer eins unter den Jüngern, war keine unscheinbare Figur, war schön und selbstbewusst. Mit dieser Frau als Symbol beginnt nun eine neue Zeit!

„Du spinnst doch“, schimpft Lore. „Das ist doch nur vordergründiger Quatsch!“ Seit Jahren, poltert sie weiter, arbeiteten zahlreiche Frauen als Pastoralreferentinnen und diplomierte Theologinnen. „Ohne diese Frauen wäre die katholische Kirche in Zeiten des Priestermangels an der Basis längst tot. Aber statt einer ­öffentlichen Würdigung solcher Menschen werden jetzt
sexistische Angebote präsentiert!“

Lore ist auf dem Holzweg. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Der Papst, der Nachfolger des Petrus, bereitet die Revolution vor. Und dies gezielt im Lutherjahr 2017. Nach der öffentlichen Würdigung der Magdalena wird Franziskus demnächst die ersten Priesterinnen weihen und bald darauf – da habe ich nicht den geringsten Zweifel – wird es über einen Platz vor einem Bischofspalais schallen: Habemus Mamam! Wir haben eine Bischöfin!

Lore sollte sich selbst fürs High-Heel-Seminar anmelden

„Jetzt reicht’s aber!“ Lore kommt einfach nicht in die Spur, wie dieser Ausruf unterstreicht. „Und was haben deine schrägen
Ahnungen mit diesem High-Heels-Mist zu tun?“ Das müsste eine wie sie doch verstehen! Römische Veränderungen deuten sich durch geheimnisvolle Zeichen an. Und der Kurs ist eines davon.

Wenn Erzbischöfin XY und ihre geweihten Schwestern zum Altar schreiten werden, wird dies nicht in protestantisch schwarzen Talaren geschehen, sondern in atemberaubenden Gewändern. Lores Gesicht zeigt, dass sie ahnt, was nun kommt. Die episko­palen Herrinnen werden in Skyscrapers und High Heels anmutig und leuchtend durch die Gemeinden stöckeln und den Söhnen Adams die wuchtige Eleganz der Töchter Evas entgegensetzen.

„Und du meinst, in Hanau fängt so was an?“ Ja, meine ich. Würde dieses High-Heels-Seminar in Rom, in Paderborn oder Mainz angeboten, würden sich doch die Medien drauf stürzen. Und dann gebe ich Lore einen Tipp: An ihrer Stelle würde ich mich anmelden. Mit ihrem paulinischen Zorn würde sie sehr gut in die neue Spur passen.

Lesermeinungen

Ein wunderbarer satirischer Artikel, der einigen Katholiken mal so richtig ihr falsches Frauenbild und Amtsverständnis um die Ohren haut.

Demnächst berichten Sie sicher zu diesem Thema über die Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands.

Zum Glück sind durch die vielen Pastorinnen und Bischöfinnen die evangelischen Kirchen voller als die katholischen.

Alfred Scharsky

Was hier für katholische Beschwerdeführer aufschlagen, tss tss.
Empfindlich bis zum Gehtnichtmehr.
Diese Nörgelei ist ja schlimmer als bei der im Artikel persiflierten "Lore".
Dabei solten wir Katholiken und doch eigentlich durch mehr (und durchaus selbstkritischen) Humor auszeichnen als die Protestanten. Ich jedenfalls empfand mich immer als humorvolleren Christen als die Evangelischen.

Schade, dass das mein positives Selbstbild durch solche Kommentare widerlegt wird und ich mir nichts mehr darauf einbilden kann.
Aber den liebevollen und papstfreundlichen Humor des Protestanten Brunner habe ich gern zur Kenntnis genommen.

Kenne durchaus wirklich katholikenfeindliche Protestanten und bin dankbar für Katholikenversteher wie Brunner. Überkritische Katholiken wie meine Vorredner bitte ich zu entschuldigen. Vielleicht liegt die Gereiztheit auch darin begründet, dass manche Katholiken momentan etwas allergisch auf die päpstlichen Innovationen reagieren und die Erwähnung unseres Kirchenoberhauptes sie ähnlich wütend stimmt wie Lore die Hohe Absatzschule.

Verehrter Herr Chefredakteur!

Das soll wohl witzig sein. Für mich als gläubigem und praktizierendem Katholiken, der dennoch gerne Chrismon liest (!), ist dieses Geschreibsel einer seriösen Zeitschrift nicht würdig. Solch Gewitzel auf Kosten der von Ihnen so bezeichneten „römischen“ Kirche ist – pardon! – dümmlich und gründlich daneben geraten. Übrigens: Was soll Ihre Äußerung über eine gewisse Lore, die „noch immer Katholikin ist“? Mein Gott,  wie kann man nur! Gegen die Krankheit „katholisch“ hilft wohl nur der Protestantismus.

Ich kenne Leute, die Protestanten waren und nun katholisch sind. Unter anderem unser Gemeinde-Pfarrer, der von einer protestantischen Mutter erzogen wurde und nun in einem „atemberaubenden“ Gewand die Heilige Messe zelebriert. Und da gibt es einen anglikanischen Freund, der nicht länger zu einer Kirche gehören wollte, die vom dem Mörder Heinrich VIII gegründet wurde. Der Freund ist nun glücklich, zu der auf Petrus, den Fels, erbauten, Heiligen Römisch-Katholischen Kirche zu gehören.

Doch lassen wir das! Ich hoffe, Sie versteigen sich künftig nicht mehr zu derartig herablassenden Äußerungen, die für die Verständigung zwischen den Konfessionen alles Andere als nützlich sind.

Prof. Dr. Heribert Rück, Biebertal

Bisher habe ich mich immer sehr über Ihre, meiner Tageszeitung kostenlos beigelegte, Zeitung gefreut. Es waren eine Reihe interessanter Beiträge dabei, die sehr lesenswert waren. Ich habe auch bedauert, dass meine (katholische) Kirche nicht in der Lage ist, eine ähnliche Publikation zustande zu bringen. Über den Beitrag "Habemus Mamam" von Chefredakteur Arnd Brummer bin ich nicht nur enttäuscht sondern auch verärgert. Wenn einem Chefredakteur, der ja eigentlich die Richtung und den Geist seiner Zeitung abbilden soll, nichts anderes einfällt, als über die katholische Kirche zu lästern, sollte er vielleicht den Platz in der Zeitung anderen Redakteuren überlassen. Wenn der Beitrag als Satire oder gar als Beitrag zur Ökumene verstanden werden soll, ist er gründlich misslungen. Dass trotz Ihrer Zeitung und ohne Zölibat, mit jeder Menge gut ausgebildeter und fähiger evangelischer Pfarrerinnen und Bischöfinnen die Kirchenbänke in der evangelischen Kirche noch leerer sind als in der katholischen, wäre sicherlich auch einer journalistischen Begutachtung wert. Leider kann man Ihre kostenlose Zeitung nicht abbestellen. Da bleibt mir nur noch die Hoffnung, dass in der nächsten Ausgabe der Geist der Ökumene (wieder) einzieht. Die kritische Analyse evangelischer Bildungsangebote habe ich mir erspart. Dort gibt es sicherlich auch einige "Highlights".

Herzliche Grüße,

Heribert Fleischmann, Zotzenheim

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