Wie Susanne Breit-Keßler Ideen für Geschenke findet

Ich kann nicht basteln!
Egal, kaufen geht auch. Aber was? Unsere Kolumnistin hat einen Riesenspaß dabei herauszufinden, wer sich worüber freuen könnte
Theologin Susanne Breit-Keßler

Die Theologin Susanne Breit-Keßler schenkt gern, aber strickt nicht gut

Monika Höfler

Weihnachten, sagt man, ist das Fest der Liebe. Und dass sich im Präsent die Präsenz des Schenkenden zeigt. Der Gedanke gefällt mir. Aber die Adventswochen sind diesbezüglich dennoch eine Anfechtung. Ich traue mich nämlich gar nicht mehr, eine Zeitschrift aufzuschlagen. Da wimmelt es von Vorschlägen, wie man andere mit Selbstgemachtem beglücken und auf diese Weise echt groß rauskommen kann. Es wird einem allenthalben, auch in der Kirche, nahegebracht, dass man so wahre Liebe zeigt – und eben gerade dadurch im Geschenk selbst gegenwärtig ist.

Warum ist das selbst gebastelte scheinbar das bessere Geschenk als das gekaufte? Susanne Breit-Keßler gibt darauf eine Antwort und beruhigt gleichzeitig alle Menschen mit zwei linken Händen.
Ich schäme mich alle Jahre wieder. Um mich herum wird von Kleinen und Großen gebastelt und gewerkt, dass mir die Augen tränen. Aber ich kann keine Perlenkragen machen oder mit Lackfarbe aus einem Spiegel einen „Hingucker mit Grafiklook“. Und meine Strickkünste sind eher zurückhaltend. Schon meine Handarbeitslehrerinnen haben regelmäßig meine Werke vor der ganzen Klasse aufgetrennt. Mit so einem Machwerk will ich lieber niemanden, den ich mag, behelligen. Handtuchhalter mit Lederband? Papierkörbe aus veganem Leder? Utensilo oder Schuhleiter?

Ich kann das nicht! Ich bin zu ungeschickt. Bei Cloches und Fake-Fur-Fäustlingen muss ich sogar erst nachschauen, was das überhaupt heißt. Umgekippte Glasvasen auf Gipsfüßen für Krimskrams und Handschuhe aus Kunstfell – ich hoffe, das wünscht sich niemand von mir. Gut, ich könnte Safrannudeln, Gemüsecremes oder einen Likör herstellen. Im Kochen bin ich richtig gut. Aber mir fehlt gerade die Zeit. Dabei weiß ich, dass andere mich gewiss erneut beeindrucken mit allem, was sie gekocht, gebacken, getrocknet und gemixt haben. Ich bewundere das sehr. Was also tun? Wo ist meine Gegenwart im Präsent?

Ich setze ausgefeilte Verhörtechniken ein

Ich krame Zettel heraus, die ich im Lauf des Jahres irgendwo hingelegt habe. Ich schaue auf geheimen Computerlisten nach. Und dann, ha!, zeige ich Präsenz. Denn ich habe mir notiert, wer welche Musik und welche Bücher mag. Unterm Jahr höre ich hin, wenn meine Freundin nebenbei den Wunsch nach Weihrauch äußert oder mein Mann murmelt, dass er Stehkragenhemden schön findet. Ich setze ausgefeilte Verhörtechniken ein, um bei Familienangehörigen zu erfragen, wovon ihre Liebsten träumen. Meine Unschuldsmiene, mit der ich mich bei Mit­arbeitenden nach Vorlieben erkundige, könnte ich glatt mit einem munteren Pfeifen begleiten, so harmlos wirkt sie.

Ich bin handwerklich eher unterbelichtet – aber ich kann hinschauen und hinhören. Und ich lasse mir von keinem Moral­apostel einreden, dass Geld für Geschenke auszugeben irgendwie bloß oberflächlich oder dumpfer Materialismus sei. Ja, in meinen Augen glitzert es – aber nicht vor wilder Konsumgier, sondern vor Begeisterung darüber, was einem alles einfallen kann für die Menschen, die man beschenken möchte. Mir macht es Freude, für sie einzukaufen. Das ist vielleicht weniger eindrucksvoll, aber auch selber gedacht, bezahlt, geschleppt, verpackt und mit Schleifen versehen. Ja, umweltfreundlich, was sonst.

Und wenn mir jemand kommt mit dem Hinweis auf die Not in der Welt und „dass wir uns nichts schenken“ – das tut mir dann wirklich leid. Denn es gibt bei den Hilfsorganisationen fabelhafte Geschenke für Kinder und Erwachsene in aller Welt. Über den Kauf bekommt man ein Zertifikat ausgestellt, das man verschenken kann. Ganz persönlich. Und höchstselbst überlegt. Gesegnete Weihnachten! 

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