„Kommt alle nach Mallorca!“

Schön, dass Gastgeber neuerdings so kreativ sind. Aber was mache ich, wenn ich weder Zeit noch Geld für die abgedrehte Party habe?

Arno und Lisa möchten ihre Hochzeit auf dem frühlingshaften Mallorca feiern – weil im April in Deutschland meist schlechtes Wetter ist. Natürlich muss jeder seine Reisekosten selber tragen. Philipp will seinen Geburtstag in den Alpen feiern. Er kennt da eine „super Hütte“, auf der alle übernachten könnten. Lara dagegen bittet nur Frauen zu ihrem 40. zu sich nach Hause: „Eure Männer können ruhig zu Hause bleiben“, sagt sie. Moritz will mit Freunden und Verwandtschaft eine Fahrradrallye in der Stadt veranstalten – er hat gerade sein Abitur geschafft und wird Sport studieren. Wer etwas zu feiern hat, tut das oft bewundernswert kreativ. 

      
Mit Energie gehen Frauen und Männer daran, den schönsten Tag ihres Lebens oder andere Jubelfeiern zu planen. Es ist ihnen wichtig, dass es ein wirkliches Fest wird, eines, an das sie sich selbst und die Gäste immer erinnern werden. Und sie haben recht – eine Hochzeit, ein runder Geburtstag, die bestandene Prüfung, das sind besondere Gelegenheiten, das Leben zusammen mit anderen zu feiern. Nur bedenken die Gastgeber nicht immer, was ihre schier grenzenlose Fantasie für die Eingeladenen bedeutet.

Was sind mir meine Gäste, was meine Pläne wert?


Eine Reise nach Mallorca, zu einem Sandstrand auf den Male­diven oder in Thailand ist schön. Aber wer soll sich das leisten? Wenn man der Einladung finanziell überhaupt folgen kann, ist das Geld für mindestens zwei Jahresurlaube weg. Und hat man überhaupt so viel Zeit? Die Berghütte, die Fahrradrallye, sie er­fordern eine stabile Konstitution. Was mache ich mit meiner ­Sehnenzerrung, der geplagten Bandscheibe? Wie kommt Tante Emilie auf den Gipfel – mit einem Helikopter? Ausgeladene ­Männer amüsieren sich womöglich erleichtert mit Bruce Willis und „Die Hard 5“.


Beleidigt sind eher die Ehefrauen, die ihren Liebsten nicht mitbringen dürfen – und bleiben womöglich aus Protest über die fehlenden Männer einfach weg. Tja, und wo kriege ich einen Baby­sitter her, der die beim Fest unerwünschten Kinder von elf Uhr vormittags bis weit über Mitternacht hütet? Wann soll ich das Gedicht texten, das jeder Gast mitbringen muss? Natürlich stehen die Gastgebenden selbst im Mittelpunkt und haben es verdient, so vorzukommen, wie sie es sich selber ausmalen. Aber wer sich vor Ideen für sein Fest geradezu überschlägt, sollte vorher abwägen: Was sind mir meine Pläne, was meine Gäste wert? Wie viel bedeutet mir ihre Anwesenheit im Vergleich zu den Vorstellungen, die ich habe?


Wer ehrlichen Herzens möchte, dass alle Eingeladenen wirklich mitfeiern können, muss vielleicht Kompromisse schließen: statt der Berghütte ein gut erreichbares Landgasthaus am See; Fahrradtour ja, aber die, die nicht mitkönnen, sitzen derweil in einem netten Café am Straßenrand und klatschen Beifall. Die Hochzeit könnte im deutschen Sommer gefeiert werden – Regen bedeutet in dem Fall übrigens Segen, wie ich von meiner Hochzeit und aus den nachfolgenden Jahren weiß. Kinder bekommen extra Betreuung durch eine freundliche Studentin. Vortragen tut nur, wer mag. Wenn die Gastgebenden nicht von ihren ­Plänen abweichen, dann bleibt einem als Gast, der das Geld und die Zeit für eine Reise oder die verlangte Kondition für sportliche Herausforderungen nicht mitbringt, nur eine offene, freundliche Absage. Und herzliche Wünsche für einen Weg, den man selber mit guten Gedanken begleitet, auch wenn man nicht dabei ist.

Lesermeinungen

ja eine solche Einladung hatten wir auch schon - nach Mallorca. hat aber nicht geklappt weil der gatsgeber es versäumt hat unseren Flug zu buchen (auf unsere Kosten natürlich) Den bereits genommen Urlaub mussten wir dann zuhause verbringen. War sehr ärgerlich.

Schön sind aber auch die Feiern an denen die Gastgeber meinen sie müssten Platzeinteilungen machen und die Gäste wild zusammen würfeln, damit sich keine "Grüppchen" bilden.
Hat zur Folge, dass nach ca. eine halben Stunde man sich nach dem Vorstellungsgespräch nichts mehr zu sagen hat und man nur noch auf die Uhr schaut und überlegt: wann kann ich gehen ohne dass es peinlich wird.

Wir feiern unsere Geburtstage (die Runden jedenfalls) so dass alle etwas davon haben.
Wir machen ein kleines Rahmenprogramm. Laden uns Künstler ein.
z.B. hatten wir an meinem 60. einen Jodelkurs mit Diplom - da hat man was fürs Leben.

Das kann natürlich auch finanziell nicht jeder - ist auch nur eine Anregung. Ist jedenfalls besser als sich mit fremden Gästen am Tisch zu langweilen.

Liebe Grüße

JoGi

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