Abkürzungen in der Medienwelt

Das böse O-Wort
chrismon-Chefredakteurin Ursula Ott stellt das Alphabet der Wörter vor, die lieber abgekürzt werden
Ursula Ott, Chefredakteurin von chrismon

Foto: Katrin Binner

Ursula Ott, Chefredakteurin von chrismon

Ich muss zugeben, die Zeile sprang mir ins Auge, weil mein eigener Name auch mit O anfängt. „Streit über das böse O-Wort belastet Merkels CDU“, stand in der „Welt“. Das böse O-Wort? Ich kenne nur das ­F-Wort, das huiuiui „böse F-Wort“. Aber was sollte eine abseitige Sexualpraktik auf dem CDU-­Parteitag suchen? Schlichte Erklärung: Es steht für Obergrenze, und der lustige Journalist wollte offenbar andeuten, die Flüchtlingsfrage könne die Partei ähnlich spalten, wie das F-Wort einst Hollywood aufmischte. „Dropping the f-bomb“, ­sagen die Amerikaner, wenn das Wort „fuck“ vorkommt. Aber jetzt mal ehrlich: Die Amis werfen anno 2016 leider ganz andere Bomben, fucking ­Hollywood hat sich an Vulgärsprache gewöhnt, und weder die F- noch die O-Bombe zündet sprachlich so richtig.

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Ich habe nach ähnlich blöden Bomben gesucht und – Überraschung: Es gibt sie mit fast allen Anfangsbuchstaben. In diesem Fall hilft Google wirklich. Börsianer spekulieren über das böse B-Wort – die Baisse. Internetfreaks über das C-Wort, die Community. Sportler über das D-Wort, Doping. Das mit dem F hatten wir schon. Das böse G-Wort steht je nach ethnischem Hintergrund mal für den Grexit, mal für den Genozid an den Armeniern. Und beim ­H-Wort wird’s ganz gefährlich: Die einen meinen damit H wie Hitler (wirklich böse). Die anderen meinen damit H wie Hipster. Hat mit Hitler fünf Lettern gemeinsam, ist aber doch irgendwie was anderes. Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Ich erspare Ihnen das weitere Alphabet, nur so viel: Auch das böse Z-Wort hat mit der aktuellen Flüchtlingsfrage zu tun. Die österreichi­sche Bundesregierung vermeide das Z-Wort, schreibt die „taz“, Z wie Zaun. Da „Flüchtling“ das Wort des Jahres 2015 ist, nein, nicht das F-Wort, sondern sowieso, wollen wir es 2016 doch lieber so halten: Der Flüchtling soll Deutsch lernen, drum schreiben wir brav die Wörter aus. Die CDU hat außerdem mit dem C im Namen schon genug zu tun, das mit dem O wird sie auch überleben. A wie Amen. 

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