Erster Auftritt bei Rock im Park

Es regnet. Zum Glück!
Die Erlanger Retro-Rocker um den Bassisten Javier (ganz rechts) spielen zum ersten Mal auf so einer großen Bühne

Bastian Barth

Die Erlanger Retro-Rocker um den Bassisten Javier (ganz rechts) spielen zum ersten Mal auf so einer großen Bühne

Die Erlanger Retro-Rocker um den Bassisten Javier (ganz rechts) spielen zum ersten Mal auf so einer großen Bühne

Bei Rock im Park spielen: Für die 
Newcomerband Willow Child geht ein Traum in Erfüllung. Der Bassist Javier 
Zulauf vor und nach dem Auftritt im 
Sommer 2017.

DAVOR

chrismon: Wie seid ihr zu einem Auftritt 
bei Rock im Park gekommen – einem der größten Rockfestivals Deutschlands?

Javier Zulauf: Wir haben im Herbst 2016 bei der NN-Rockbühne mitgemacht, einem regionalen Bandwettbewerb, und den 1. Platz belegt. Der Preis war ein Slot bei Rock im Park, Samstag um 15:25 in der Arena – exakt 30 Minuten.

Ist das nicht etwas knapp?

Die Setlist sollte wohlüberlegt sein.

Was erwartet ihr von dem Auftritt?

Ich hoffe – gemeinerweise –, dass es wie aus Eimern schüttet. Dann stürmen alle in die Halle, wo wir auftreten. Bei gutem Wetter werden sich sicher weniger Zuhörer zu uns verirren. Wir hoffen auf 500 bis 1000 Zu­hörer, dass wir nicht nur als Beiwerk gesehen werden und sich die Leute wirklich auf uns einlassen. Natürlich kommt da kaum jemand wegen uns hin, aber vielleicht überzeugen wir ein paar, wegen uns zu bleiben.

Wie fühlst du dich jetzt?

Ich freue mich total, aber es kitzelt auch. Die Leute, die uns dort sehen werden, haben keine oder niedrige Erwartungen. Normalerweise treten wir bei Konzerten oder Festivals auf, die von Familien oder Vereinen organisiert werden. Da ging es bisher mehr um den Spaß. Jetzt haben wir mit Leuten zu tun, die wirklich von der Veranstaltung leben. Das ist mehr Business als sonst. Für uns ist das natürlich eine Herausforderung, weil wir auf der einen Seite ernst genommen werden wollen, auf der anderen Seite dürfen wir uns keine Fehler erlauben.

Das ist ja ordentlich Druck.

Positiver Druck! Wir wollen die Leute musikalisch überzeugen. Manchmal denke ich schon: Oh shit! Kriegen wir das organisatorisch auf die Reihe?

Ist das also ein besonderer Schritt für euch?

Ja klar. Wir wissen ja nicht, wie sich so eine Riesenbühne anfühlt. Das ist, wie das erste Mal zu fliegen: Wie sieht die Welt aus der Luft aus? Du steigst da mit anderen Menschen in ein großes Ding, das man nicht kennt und das physikalisch ganz anders funktioniert als alles, was man sonst erlebt. Genauso ist es auf der Bühne: Wie fühlt sich das an, wenn plötzlich zehn Meter hohe ­Boxen deine Musik spielen? Wie funktioniert die Kommunika­tion in der Band auf so einer großen Bühne?

 Nochmal in die Augen schauen, und los geht's!Bastian Barth

DANACH

Und wie war’s?

Krass! Unser fieser Wunsch ist tatsächlich eingetroffen. Ich saß gerade backstage herum, als ich hörte, wie es draußen zu regnen anfing. Dann habe ich kurz gespitzt: Vor der Bühne standen viele Freunde von uns, aber dahinter drängelten sich viele Leute in den Saal. Es ­waren zwischen 2000 und 3000 Zuschauer da!

Ist alles glatt abgelaufen?

Wir haben ewig gebraucht, um überhaupt auf das Gelände zu kommen, da wir zum falschen Eingang gekommen sind. Wir waren also spät dran. Ich hatte deswegen einen kleinen Wutanfall, aber danach war es wieder gut. Letztlich hatten wir noch genug Zeit für einen Soundcheck. Davon hängt sehr viel ab. Wir waren sehr nervös. Eva, unsere Sängerin, war schon Tage vorher total hektisch, obwohl sie von uns am längsten Musik macht. 

Was habt ihr unmittelbar vor dem Auftritt gemacht?

Da ist jeder für sich. Nur ganz kurz vorher schauen wir uns noch mal in die Augen, und dann geht’s los.

Wie lief die Show?

Die hat wahnsinnig gut geklappt. Wir haben so gut gespielt wie noch nie! Das lag aber auch an unserer Songauswahl, die wir sehr genau abgestimmt haben. Es war auch gut, dass wir im Vorfeld viele Auftritte hatten. Wir wissen, wann wir wo auf der Bühne hingehen und wen wir bei schwierigen Stellen emotional unterstützen müssen. Und ich habe gemerkt: Wir haben als Band mehr Spaß auf großen Bühnen. Ich finde, daran könnten wir uns gewöhnen!

Habt ihr Feedback aus dem Publikum bekommen?

Ich habe von mehreren Bekannten gehört, dass die Leute uns ziemlich gefeiert haben, auch wenn sie uns nicht kannten.

Produktinfo

Willow Child ist eine Band aus dem Raum Nürnberg-Erlangen. Sie selbst bezeichnen ihre Musikrichtung als Retro-Rock. Am 11. Mai 2018 erscheint ihr neues Album "Paradise & Nadir" bei Stone Free Records.

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