Wie geht es Hamburg - ein halbes Jahr nach dem gewalttätigen G20-Gipfel?

Die ­verwundete Stadt
Illustration zum Doppelpunkt. Die verwundete Stadt

Christina Gransow

Doppelpunkt - Die verwundete Stadt

Hamburg nach dem G20-Gipfel: Straßenschilder stehen wieder, Bürgersteige sind neu gepflastert. Aber die Bürger leiden daran, dass der Staat sie nicht schützte

Das Wetter. Wäre das Wetter nicht so schön gewesen – vielleicht hätte Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, den Gipfel bekommen, den er sich gewünscht hatte: Die Größen der Welt im Gespräch um die Probleme der Welt, dazu ein Besuch der Elbphilharmonie, Symbol dessen, was die Politik zu erlangen vermag, selbst wenn zwischendurch die Zeichen auf "Aufgabe" stehen.

Aber Olaf Scholz hatte Pech, das Wetter war gut. Die Sonne schien unbekümmert und wärmte die Stadt bis in die Abendstunden. Auf dem gewaltfreien Protestprogramm rund um den Gipfel standen unter anderem ­eine Großdemonstration, ein Rave, eine Fahrraddemo und "Massencornern" – die Idee, mit Freunden und Nachbarn auf die Straße, auf öffentliche Plätze zu gehen und es sich dort gemütlich zu machen. Der bürgerliche Protest gegen die kapitalistische Gier, die Umweltzerstörung und auch gegen ein Modell, bei dem sich Staaten über andere erheben, bekam unter der Leichtigkeit des Sommers Happening-Charakter. Aber eben auch die gewalttätigen Proteste in einem bis dato unbekannten Ausmaß. Nach mehr als 100 potenziellen Gewalttätern und Plünderen fahndet die Polizei mit Fotos.

An zwei Hauswänden ist noch zu lesen: "G20 angreifen"

Heute scheint alles wieder normal zu sein. Dort, wo Barrikaden brannten und Geschäfte geplündert wurden. Wo im Juli letzten Jahres überwiegend junge Männer deutlich machten, dass sie an einem zivilgesellschaftlichen Miteinander nicht interessiert sind, und wo der Staat dabei versagte, seine Bürger zu schützen. Der Supermarkt ist zwar nicht wieder eröffnet, und auch die Sparkasse musste infolge der Zerstörung umziehen. Aber die Straßenschilder stehen wieder, die neuen Steine des Bürgersteigs sind kaum mehr auszumachen, und die Anti-­G20-Aufkleber sind überklebt. Nur an zwei Hauswänden in der ­Straße Schulterblatt, der Hauptachse des Schanzenviertels, prangt noch in riesigen schwarzen Buchstaben "G20 angreifen". An einer Wand ergänzt, mit Datum und Uhrzeit: "7/7/17, 14 Uhr".

Das Schulterblatt ist eine Einkaufsstraße wie vor den Tagen im Juli, mit Käseladen und Schreibwarengeschäft, in der Buchhandlung steht Yanis Varoufakis’ "Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment" im Fens­ter. Vor dem asiatischen Restaurant sammeln sich zur Mittagszeit Obdachlose, weil es hier kostenlos Essen gibt.
Und doch ist heute etwas anders. Wir sind anders, wir, die wir hier leben und den Ausnahmezustand erlebt haben. Als Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Unschuldsvermutung nicht mehr galten und Anwohner von staatlicher Willkür sprachen. Als die im Zuge des G20-Gipfels inhaftierten Jugendlichen von der Polizei so drangsaliert, sogar geschlagen wurden, dass selbst der Innensenator sagte: "Ich bin auch nicht mit allem zufrieden, was in der GeSa gelaufen ist." GeSa: Das war die Gefangenensammelstelle mit 400 Plätzen.

Zu spüren sind bis heute Wut und Enttäuschung

Für viele von uns ist mehr kaputtgegangen als Fensterscheiben. Für eine Kollegin etwa die Idee, im Schanzenviertel alt zu werden. Sie war mit ihren drei Kindern im Alter zwischen elf Monaten und zehn Jahren zu Hause, als in ihrer Straße die Anarchie ausbrach, als es brannte, Geschäfte geplündert wurden. Über Twitter schrieb sie: "Herr Scholz, wir sitzen hier und haben Angst!"

Silke Burmester

Silke Burmester, ­Jahrgang 1966, 
ist freie Journalistin in Hamburg. Eine Meinung zu ­vertreten, gehört für sie zum Handwerk. Das zeigt sie auch 
in ihrem Buch ­"Beruhigt Euch!".
Eva Haeberle

Der Bürgermeister, eben noch im Netz, reagierte nicht. Und auch keiner aus seinem Team. Für die 43-Jährige ist es eines der entscheidenden Momente, "dass sich keiner gekümmert hat", dass Anwohner in den Tagen des eskalierenden Gipfels alleingelassen wurden, auch keiner auf das Transparent am Balkon eines Nachbarn reagierte, auf dem stand: "Herr Scholz, wir müssen reden!" Und dass etliche Geschäftsleute bis heute nicht entschädigt wurden.

Zu spüren sind Wut und Enttäuschung. Wut auf die politisch Verantwortlichen, Enttäuschung, geglaubt zu haben, in einem Stadtteil zu leben, in dem jeder mit seinen politischen Auffassungen und seinem Lebensstil res­pektiert wird. Die Zerstörungsexzesse und die unklaren, herum­wabernden Aussagen des Sprechers des Autonomenzentrums "Rote Flora" über ­eine mögliche Legitimation von Gewalt, das Hin und Her zwischen Akzeptanz und Ablehnung haben ­diesen Glauben aufgelöst. "Ich habe das Gefühl, es gelten Regeln des Zusammenlebens, die ich nicht kannte", sagt meine Journalistenkollegin. Hört man sie von ihren Erlebnissen sprechen, ist es, als sei die Unschuld des Miteinanders im Viertel verpufft. Als sei die ­Vision eines toleranten Miteinanders, in dem die Kinder frei aufwachsen, mit den Krawallen und dem Versagen des Staates in Rauch aufgegangen.

Es bleibt eine Ratlosigkeit gegenüber der Hamburger Regierung

Seit den Tagen im Juli ist Hamburg eine verletzte Stadt. Man kann an uns Bewohnern ablesen, was es heißt, wenn die Verantwortlichen nicht um Entschuldigung bitten, ohne wieder die Schuld bei anderen auszumachen: Man kann nicht verzeihen, man ­wendet sich ab. Für die Leiterin eines Alten­heims, die im angrenzenden Altona lebt, ist die Situation klar. "­Scholz ist durch." Es ärgert die 55-Jährige, dass "die vielen großartigen gewaltfreien und völlig berechtigten Protestaktionen keinen Platz mehr hatten". Protest wurde gleichgesetzt mit "böse". Bei ihr bleibt "eine Ratlosigkeit gegenüber der Hamburger Regierung".

Zwar finde sie es "super, dass der Innensenator sich in einer Veranstaltung im Schanzenviertel der Dis­kussion gestellt hat", aber es freut sie, dass Olaf Scholz beim Bundesparteitag mit 59,2 Prozent das schlechteste Ergebnis der stellvertretenden Parteivorsitzenden einfuhr. "Es bewahr­heitet sich das Misstrauen gegenüber der Politik, das ich immer hatte", sagt sie und bezeichnet damit ein ­Dilemma, das sich die Demokratie nicht leisten kann: Die Zurschaustellung patriarchaler Staatsgewalt vergrault die Anhänger der Demokratie.

Aus der Historie der Stadt mit dem Kampf um die besetzten Häuser der Hafenstraße und aus dem Wissen, wie gut die linke Szene international vernetzt ist, hätte klar sein müssen: Es ist keine kluge Idee, den Gipfel in der Homebase der Linken abzuhalten. Aber statt um Weitsicht von der Größe eines Klaus von Dohnanyi, der 1987 als Oberbürgermeister den Kampf um die Hafenstraße befriedet hatte, wird es darum gegangen sein, zu zeigen, wo der Hammer hängt. Manche Anwohner hat die Machtdemonstration seelisch verletzt. Eine Ärztin im Viertel berichtet von vielen Patienten mit Traumasymptomen. Angst, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herz­rasen. Noch heute schrecken etliche der Anwohner zusammen, wenn ein Helikopter kreist – über Wochen waren sie täglich über unseren Häusern. Auch nachts.

Für junge Leute waren es folgenreiche Demonstationserfahrungen

Was aber hat dieser G20-Gipfel bei denen bewirkt, die gerade in die Gesellschaft hineinwachsen? Die ihren Platz erst noch finden müssen und von denen der Staat gern hätte, dass sie sich in sein Gebilde einfügen? Für Christof, Student der Soziologie, waren die Proteste rund um den G20-Gipfel, nach der OSZE-Demo im November 2016, seine ersten Demonstrationserfahrungen. Das Ergebnis ist keines, das sich Poli­tiker wünschen werden: Geschockt durch das martialische Auftreten der Polizei, geht er davon aus, dass diese es zur Eskalation kommen lassen wollte.

Das hat das Bild des 21-Jährigen von Polizei und Staat verändert: "Mir war vorher nicht bewusst, wie extrem der Staat agiert. Ich finde das beängs­tigend." Auch sieht er einen engen Schulterschluss zwischen Politik und Gerichten. Jugendliche, die sich hätten wenig zuschulden kommen lassen, seien zu hohen Strafen verurteilt worden. Bislang hatte Christof an die Gewaltenteilung geglaubt, "so, wie wir es in der Schule vermittelt bekommen haben".

Für den in einem sozialdemokratisch-linken Haushalt Aufgewachsenen waren die letzten Monate "Monate einer starken Politisierung". Kritischer und skeptischer sei er gegenüber dem Staat und seinen Akteuren geworden. Er lese jetzt mehr. Mehr deutlich linke Zeitungen.

Christof ist ein Lichtblick für manche G20-Kritiker. Sein Verhalten zeigt, dass die Jugend doch nicht blöd, lahm und unpolitisch ist. Er ist einer, der Hoffnung macht. Für jene, die meinten, dass Machtdemonstration eine gute Idee sei, ist er ein Beweis, dass der Schuss nach hinten losgegangen ist.  

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Lesermeinungen

Die versammelten Staatschefs des G20-Gipfel 2017 hätten es in der Hand gehabt, alle Kriege und Hungersnöte in der Welt sofort zu beenden, oder? Ich denke, die Bürger leiden mehr darunter, dass Derartiges von den Staatslenkern gar nicht zu erwarten ist und das Sterben durch Krieg oder Hunger auch während des Gipfels ungehindert weitergegangen ist. Wer sich nur um die Regulierung der Versicherungsschäden infolge der Krawalle in Hamburg gesorgt hat, hatte gar keine Zeit, Mitleid für das unsägliche Leid in Syrien, Afrika, Jemen und anderswo in der Welt zu empfinden. Hat nicht die Zivilgesellschaft die besseren Maßstäbe für weltweit geltende Menschenrechte als die Politiker? Ein Wort hierzu hätte dem Artikel humanitäres Gehalt verschafft. Vielleicht passt es ja zum nächsten Gipfel, den wesentlichen Kontext mal zu adressieren.

Vielen Dank für Ihren Artikel „Die verwundete Stadt“. Endlich mal lese ich etwas über uns, die wir als Hamburgerinnen und Hamburger vom G20 Gipfel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ich kenne Menschen, die wegen der kreisenden Hubschrauer nächtelang nicht schlafen konnten. Menschen, die von dieser Art der Überwachung aus der Luft an Kriegszeiten zurück erinnert wurden, die selben Angstzustände wie damals wieder erlebt haben. Ich selbst bin abends mit vielen anderen stundenlang durch die Stadt geirrt, um irgendeine Bahn zu finden, die mich nach Hause (zurück auf die andere Seite der Elbe) bringt. Nicht wissend, was mich um die nächste Ecke erwartet, nicht wissend, ob und ggfs. wo ich schlafen würde.

Zum Glück bin ich gut zu Fuß und habe untewegs eine offene Kirche gefunden, in der ich mich sicher fühlte und zur Not hätte übernachten können – dem Küster, der die ganze Nacht wach blieb, gebührt meine Hochachtung und mein Dank. Diesen Abend und die Angst und Anspannung unterwegs, aber auch die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit unter den mit Gestrandeten, die ich in dieser Sondersituation erfahren durfte, werde ich so schnell nicht vergessen.

Dabei ging es mir noch vergleichsweise gut: Ich frage mich, wie geht es den Menschen, insbesondere den Kindern, inzwischen, die die Gewaltausbrüche in der Schanze und ggfs. die Hilflosigkeit ihrer Eltern miterlebt haben? Wer unterstützt sie jetzt, nachdem die Mächtigen abgereist sind?

Den G20 Gipfel mitten in Hamburg abzuhalten, war m.E. grob fahrlässig gegenüber uns allen als Bürgerinnen und Bügern, und auch gegenüber den betroffenen Polizisten. Damit wurde unser aller Alltag durcheinander gebracht (zur Arbeit gehen, Freunde besuchen, zum Sport gehen war für viele von uns nicht möglich) und unsere Gesundheit aufs Spiel gesetzt oder sogar langfristig geschädigt. Es ist ja auch nicht so, dass im Vorfeld keiner wusste, dass es in Hamburg Gruppen gibt, die potentiell mit Gewalt reagieren, wenn man ein martialisches Polizeiaufgebot auffährt, oder, dass es Krawalltouristen aus ganz Europa gibt, die zu derartigen Großereignissen anreisen.
Offenbar wurde dies, mitten in Hamburg, von den politisch Verantwortlichen wissentlich in Kauf genommen. Für was? Hätte man nicht auch in einem Schloss auf dem Land tagen können? Und ich frage mich leider auch: Wer hat möglicher Weise sogar Interesse an den so entstandenen Bildern von Gewalt und Zerstörung?

Die von Ihnen zitierte Leiterin des Altenheims in Altona spricht mir jedenfalls aus der Seele, wenn Sie sagt, dass die ganz normalen, kreativen, bunten Protestaktionen, von denen ich als Hamburgerin so viele nette und humorvolle, ruhige wie lautstarke mitbekommen habe, in den Medien untergegangen sind.
Besonders fatal: Es wurde in den Medien nur äußerst selten überhaupt unterschieden zwischen „Demonstranten“ und „Krawallmachern“. Das ist nicht nur ärgerlich, wenn man selbst auf einer bunten und lustigen Demo mit echten Themen war, die man sich medial vetreten wünscht. Es gefährdet auch die Demokratie, wenn immer mehr Menschen aufgrund derartiger Berichterstattung Angst haben, überhaupt demonstrieren zu gehen und ihre Meinung zu vertreten, weil sie sich vor möglicher Gewalt auf Demonstrationen fürchten.
Ich wünsche mir daher Medien, die erkennen, welche Macht sie an dieser Stelle haben, die Demokratie und das Demonstrationsrecht zu stärken.
Medien, die diese Macht nutzen, und klar und eindeutig unterscheiden zwischen Demonstration und Krawall. Und die Aufmerksamkeit aller auf die wirklich wichtigen Themen lenken: Gerechtigkeit, Frieden, Klimaschutz.

Herzliche Grüße und vielen Dank für diesen wichtigen Artikel!

Das soll also die Wahrheit über den G20-Gipfel sein? Origineller, herzensguter und liebenswürdiger Protest erleidet Schiffbruch wegen 3 geplünderter Supermärkte und diverser angezündeter Autos?

Diese Vorstellung erscheint mir wenig überzeugend. Die Herren und Damen Trump, Putin, Erdogan und Merkel treffen sich in Hamburg, um sich von konstruktiv gesonnenen Demonstranten Tipps geben zu lassen, wie sie die Welt regieren sollen? Dann kommen die steinewerfenden Linksradikalen dazwischen und die verantwortungsvollen Ratschläge zur Weltverschönerung finden deswegen kein Interesse und Gehör mehr?

Nein, die Macher der Welt treffen sich, um ihre auf militärischer und wirtschaftlicher Macht beruhenden Gemeinsamkeiten und Konflikte weiter zu treiben. Die gastgebende Bundesregierung sieht eine günstige Gelegenheit, wieder mal ein Sommermärchen zur höheren Ehre Deutschlands zu inszenieren. Demokratische Folklore ist gefragt. Und prompt ist die vielgerühmte Zivilgesellschaft gehorsam zur Stelle und bietet einen bunten Reigen von Demonstrationen. Das zeugt von der demokratischen Reife Deutschlands und wird von der Regierung gerne gesehen.

Jetzt gibt es inländische und ausländische Dissidenten, die an dieser Inszenierung nicht mitwirken wollen. Denen gilt es zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und die Medien machen genau das, wozu sie da sind. Bilderreich und kommentarstark wird das Volk in seiner Meinung bestärkt, dass sich Ungehorsam weder gehört, noch dass er eine Chance hat.

Folgerichtig ist der politische Inhalt des gewaltsamen Protestes, der sich nicht an die Demonstrationsauflagen hält, uninteressant. Gleiches gilt vom staatstragenden, ach so bunten Protest. Es gilt, die einen zu verdammen, weil sie das staatliche Gewaltmonopol nicht respektieren und die anderen zu loben, weil sie sich unterordnen. Das ist der ganze Inhalt der regelmäßigen G20-Showdowns.

Traugott Schweiger

tagelang habe ich schlecht geschlafen, weil mich dieser Artikel beschäftigt hat. Beruhigend: ich bin nicht allein- Danke für die kritischen Beiträge. Hat die Redaktion absichtlich diesen abstrusen Artikel zugelassen um eine Diskussion in Gang zu setzen? Anders kann ich mir es nicht vorstellen. Was mir am meisten fehlt, auch in den Leserzuschriften, ist die Auseinandersetzung mit der Einstellung der Demonstrationsteilnehmer. Wenn sich einer neben mir vemummt oder anfängt Steine zu werfen, dann habe ich auch die Verantwortung, wenn ich es schon nicht verhindern kann, dass Ungesetzliches geschieht, dann zumindest nicht mehr mitzulaufen und nach Hause zu gehen. Das hätte vielleicht deeskalierend gewirkt und der Polizei sicher viel geholfen. Vielleicht hätte die Autorin das zu ihrem linken Studenten Christoph sagen sollen. Ganz nebenbei, Polizisten sind auch Menschen mit Familie und Bedürfnissen. Diese Menschen, nicht nur Männer, riskieren täglich Leib und Leben für unsere Sicherheit. Dafür gebührt ihnen auch entsprechender Respekt. Aber es ist ja zur Mode geworden anonymisiert die Polizei, die Staatsgewalt, die Politiker zu kritisieren. Dafür muss man sich dann auch nicht rechtfertigen.

Herr Karl-Heinz Ilzhöfer schrieb: "Wenn sich einer neben mir vemummt...dann habe ich auch die Verantwortung....nach Hause zu gehen" Genau so läuft Demokratie. Der demokratische Rechtsstaat verlangt von seinen Untertanen, den freien Bürgern, dass sie sich auf Demonstrationen gefälligst so präsentieren, dass polizeiliche Überwachungs- und justizielle Verfolgungsmaßnahmen ohne jede Behinderung glatt ablaufen können. Und dem auf seine Demokratie so stolzen freien Bürger leuchtet das prompt ein und er trollt sich flugs nach Hause.

Jede Mannschaft bekommt die Herrschaft, die zu ihr passt.

Fritz Kurz

Ich war nicht dabei. Aber nach den im Fernsehen gezeigten Bildern erscheint es mir unverständlich, für die Ausschreitungen nahezu allein die Politik und die Polizei verantwortlich zu machen.

Die Analyse vom Hamburger Trauma greift zu kurz. Zum einen lehren weniger die Erfahrungen aus der Hafenstraße als vielmehr jene vom G8-Gipfel 2001 in Genua, dass ein ähnliches Politikertreffen niemals wieder inmitten einer Großstadt hätte stattfinden dürfen. Zum anderen bleibt das eigentliche Problem nicht nur die Erkenntnis, dass der Staat seine Bürger nicht wirksam schützen konnte, sondern auch der Umstand, dass wesentliche demokratische Grundrechte zumindest für einen kurzen Zeitraum selbst für friedliebende Menschen außer Kraft gesetzt wurden. Deshalb muss noch sehr viel aufgearbeitet werden, zumal nach wie vor eine öffentliche Entschuldigung der G20-Gastgeberin Angela Merkel für das Chaos bei der örtlichen Bevölkerung fehlt, während sich immerhin der Erste Bürgermeister Olaf Scholz zu einer solchen Geste durchgerungen hat!

Die Autorin Silke Burmester ist nicht ernstzunehmen. SIe reflektiert wertend die Ereignisse und Folgen rund um den G20-Gipfel in Hamburg, ohne auch nur mit einem Wort die ideologisch verbrämte, knallhart organisierte Kriminalität tausender Linksextremisten aus dem In- und Ausland zu erwähnen. Zwar ist an einer Stelle von "Zerstörungsexzessen"
die Rede; es wird jedoch nicht gesagt, wer dafür verantwortlich ist.
Auch von dem ebenso anmaßenden wie entlarvenden linksextremistischen Motto "Willkommen in der Hölle" erfährt man nichts. Mit all diesen
(bewussten?) Auslassungen entwertet die Autorin sogar jene Fragen und Überlegungen, die berechtigt erscheinen.

Es scheint so, als hätte Frau Burmester irgendeiner Fangruppe etwas Gutes tun wollen. Vielleicht weil sie jetzt bei ihrem ewigen Erzfeind Springer gelandet ist?
Inhaltlich ist die Story eine derart einseitige Minderheiten-Meinungsäußerung, dass ich mir erst mal die Augen reiben mußte und nicht glauben wollte, dass Chrismon das ohne Korrektiv abdruckt. Wie können Sie das bei einem so emotionalen Thema machen?

Es ist also „keine kluge Idee, den Gipfel in der Homebase der Linken abzuhalten.“ Weil die nämlich gut organisiert (Ihre Autorin) und ganz offensichtlich äußerst gewaltbereit sind (öffentlich wahrgenommen). Dann ist es wohl auch keine gute Idee, in den Hochburgen von Pegida und AfD Flüchtlinge unterzubringen (oder überhaupt als Nicht-Bio-Deutscher dort aufzutauchen) – die sind ja auch vernetzt und gewaltbereit. Was ist denn das für eine absurde Argumentation? Gewalt schlägt Recht?!
Und ist das ernst gemeint: Eine ganze Stadt, ein ganzes Bundesland als „Hochburg“ der Linken - wohnen da nicht auch andere, die vielleicht auch was zu sagen und zu entscheiden haben?
Und wieso werden die zerbrochenen Ideen dem Hamburger Senat und der Polizei angelastet, warum sollen Geschäftsleute aus öffentlichen Mitteln entschädigt werden? Haben Polizisten Scheiben eingeschlagen, Autos angesteckt, Pflaster aufgerissen, Geschäfte geplündert? Ich war nicht dabei, aber auf die Beweisführung bin ich gespannt.
Ja, die Polizei konnte nicht überall sein, und ja, Eigenschutz der Einsatzkräfte geht vor. Und auch ein drittes Ja: Es gab auch auf Seiten der Polizei unnötige Gewalt. Aber es ist doch auch krank: Da wird darüber schwadroniert, dass Gewalt ja doch legitim sei, weil ja auch so eine Veranstaltung „Gewalt“ antue, und vor allem sei sie legitim, wenn es gegen andere geht. Das Leben in so einem Milieu ist chic, progressiv und toll. Aber wenn dann die Gewalt nach Hause kommt und vor der eigenen Tür zuschlägt, dann soll doch bitte Vater Staat und seine Bullenschweine da sein und schützen. Ist das nicht schizophren?
Und damit das klar ist: Der Anspruch ist berechtigt, staatlicher Schutz steht auch demjenigen zu, der den Staat ablehnt. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, wenn auch die ach so toleranten Gewaltakzeptierer ihre eigene Verantwortung annehmen und einfach mal die Klappe halten? Frei nach Kant gilt „Was Du nicht willst das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ – und der Satz geht auch ohne Verneinung, das muss man sich halt nur mal klar machen.

Der genannte Artikel hat mich doch etwas aufgeregt. Schon die Vorstellung der Autorin reizt zum Widerspruch, zeigt sie doch ein grundlegendes Missverständnis der heutigen Journalistenmehrheit. Für mich ist die Aufgabe von Journalisten nicht die Verbreitung von Meinungen, sondern die möglichst objektive Berichterstattung mit Aufklärung der Ursachen und Hintergründe. Und das geschieht in diesem Artikel ganz und gar nicht. Die Hamburger Chaostage werden als "Naturereignis" dargestellt, dem die Landesregierung nicht gewachsen war, und an dem "unverhältnismäßige Polizeieinsätze" wesentlich beteiligt waren. Ja wer hat denn das ganze Chaos angerichtet? Davon ist nicht die Rede. Mir erschließt sich z.B.. nicht, was Plünderungen mit dem Kampf gegen Globalisierung zu tun haben. Und wer hat denn geplündert ??? Erwähnt wird nur, dass die Entschädigungen für die Geschäftsleute noch nicht gezahlt wurden. Dagegen wird die "Rote Flora" nur in einem kleinen Satz genannt. Sieht so ausgewogene Berichterstattung aus? Ich bin traurig, dass solch ein tendenziöser Artikel in Ihrem sonst von mir sehr geschätzten Journal erscheinen kann.