Schule in Tiflis, Georgien

Heinrich Holtgreve/Ostkreuz

Schule in Tiflis, Georgien

Kaukasuskrieg 2008. Russland und Georgien kämpfen um die nach Unabhängigkeit strebende Region Südossetien. Die meisten der seit Generationen in Südossetien wohnenden Georgier werden von russischen Truppen aus ihrer Heimat vertrieben. Nach nur wenigen Monaten Aufenthalt in temporären Flüchtlingslagern in und um Tiflis können die Vertriebenen in hastig gebaute Neubausiedlungen ziehen. Die größte von ihnen, 2000 baugleiche Häuser, befindet sich in Tserovani. Hier gibt es zwar eine Schule, medizinische Versorgung und ein Restaurant, aber keine Arbeitsplätze. Die örtliche Kirche ist noch im Bau; die halbstündige Fahrt mit der Marschrutka zum Gottesdienst in Tiflis stellt einen unerschwinglichen Luxus dar. Die Menschen in Tserovani sind Gestrandete. Nach zwei Jahren Leben in der Siedlung ist eine Rückkehr in die alte Heimat auf Grund der politischen Lage fast ausgeschlossen – und für den Aufbau einer neuen Existenz in Tserovani bzw. Georgien mangelt es an beruflichen Perspektiven. Dennoch scheint so etwas wie Alltag einzukehren in einer Siedlung, in der eigentlich niemand sein möchte: Blumengärten werden angelegt, eigenes Gemüse gepflanzt, Häuser durch Anbauten erweitert, Schnaps gebraut und Truthähne gezüchtet – um sie am Neujahrstag zu verspeisen. Gemeinsam mit der neuen Nachbarschaft.

Schule in Tiflis: Zeig dich!

Das erste Mal vor der Klasse aufstehen. Hilfe!
Zeig dich! heißt es auch im Klassenzimmer

Es bleibt ein Rätsel. Manche Schüler haben die Begabung, sich ­unsichtbar zu machen. 
Sie kommen nie dran. 
Sie lesen während ihrer Schulzeit sämtliche ­lustigen Taschenbücher von Micky Maus. Sie ­sortieren die Playlist auf dem Handy neu. Und vor allem: Sie schlafen. Doch, das geht. Es gibt Eltern, die müssen immer wieder zum Elternsprechtag, 
weil das Kind schläft. Gern mit Mütze. Gern mit offenen Augen. Aber es schläft. Als Mutter wird man dann zur Schule 
zitiert, weil Verdacht auf: zu viel ­Playstation. Zu 
wenig Nachtschlaf. Zu spät ins Bett.

Wie gerne würde man als Mutter 
sagen: Ob der Unterricht, verstehen Sie mich nicht falsch, ­vielleicht etwas spannender, also, ist ja nur so eine These... 
Sagt man nicht. Verdacht auf: Kind kriegt schlechte 
Note. ­Also sagt man: Dann ­setzen Sie ihn doch in die erste Reihe. Macht die Lehrerin. Dann kommt das Kind plötzlich dran und hasst seine Mutter 
für diesen bescheuerten ­Vorschlag. Aber gerecht ist es schon. Andere ­Kinder wollen ja auch 
mal schlafen.

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