Wie man es anstellt, nicht von der AfD politisch missbraucht zu werden

Eine durchsichtige Strategie
AfD-Spende stieß auf wenig Dank

Recht hatte es, das Diakoniewerk Sonneberg in Südthüringen, dass es diese eine Spende nicht wollte. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Anton Friesen hatte dem evangelischen Werk, das eine Tafel in seinem Wahlkreis betreibt, 100 Euro gespendet. Drei Tage später hatte er sein Geld zurück und auch eine Erklärung für die Retoure: „Das Menschenbild von ­Diakonie und Kirche ist nicht mit dem der AfD vereinbar und wir möchten uns klar davon abgrenzen.“ Das ist den Diakonieleuten gelungen.

Unrecht hat es, das Diakoniewerk Sonneberg in Südthüringen. Denn der AfD-Mann hatte jetzt einen schönen Medienerfolg. Werbung, die sich Unternehmen 20 000 Euro oder mehr kosten lassen, liefert ihm die Diakonie kostenlos. Und eine Bestärkung für sein braunes Märtyrer-Ego gleich mit: Die evangelische ­Kirche ist sowieso linksverseucht und finanziell übersättigt. Besser konnte es für den AfD-Mann nicht laufen.

Nicht jedes Aussage zur Schlagzeile machen

Mit minimalsten Mitteln in die Schlagzeilen zu ­kommen, das ist die Methode AfD. Bundestags-Fraktions­chefin Alice Weidel versuchte sich daran (allerdings erfolglos), als sie zu Weihnachten eine krude Mär erfand. Der evangelischen Kirche von heute unterstellte sie eine ähnliche Staatsnähe wie im Nationalsozialismus. Es spielten „weite Teile der Kirchen bis auf wenige Ausnahmen genau die gleiche unrühmliche Rolle, die sie auch im Dritten Reich gespielt haben“. Unhistorische Vergleiche dieser Art sind so dumm, dass sie nicht einmal diskussionswürdig sind. Viele Medien unterliefen deshalb die Strategie Weidels. Das war vorbildlich.

Und Diakoniepräsident Ulrich Lilie? Der kommentierte den Spendenstreit so: „Von echter Überzeugung getragene Spenden für unsere Arbeit, die sich be­dingungslos allen Menschen zuwendet, sind für uns immer Grund zur Freude.“ Genau darum geht es. Über seine „echte Überzeugung“ müsste man mit dem AfD-Politiker Anton Friesen mal dringend reden.

Aber auch mit den Diakonieleuten. Was hätten sie mit 100 Euro alles tun können. Eine Rechtsschutzver­sicherung für Obdachlose gegen braune Übergriffe abschließen. Oder eine Demo der Tafel zum nächsten AfD-Parteitag organisieren. Oder ein paar Bücher für die Abgeordnetenbibliothek kaufen. Zum Beispiel zum Thema „Nationalsozialismus, wie er wirklich war“. Und das sollte dann auch die Öffentlichkeit wissen.

Eduard Kopp

Eduard Kopp ist Diplom-Theologe und in der chrismon-Redaktion leitender Redakteur Theologie. Er studierte Politik und Theologie, durchlief die Journalistenausbildung des ifp, München, und kam über die freie Mitarbeit beim Südwestrundfunk zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" nach Hamburg. Zuletzt war er dort Leiter des Ressorts "Theologie und Kirche". In der chrismon-Redaktion in Frankfurt am Main ist er insbesondere verantwortlich für die Rubriken "Standpunkt" (Essay), "Religion für Einsteiger", "Entscheidung", für die Herausgeber-Kolumne "Auf ein Wort" und die Leserbriefe. Besondere Interessengebiete: Fragen der Religionsfreiheit, Alltagsethik, Islam, Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, Krieg und Frieden.
Lena UphoffPortrait Eduard Kopp, leitender chrismon-Redakteur Theolgie, Redaktionsportraits Maerz 2017

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