Erinnerungskultur: KZ-Besuche für alle

Dem muss sich jeder stellen!
Alle sollten KZ-Gedenkstätten besuchen, nicht nur Migranten und Schüler.

 Lena Uphoff
Zugewanderte in Deutsch­land müssen in Integrationskursen lernen, auf Deutsch mit Behörden klarzukommen, mit Nachbarn und Arbeitskollegen zu reden, Briefe zu schreiben und ­Formulare auszufüllen. Sie lernen die Rechtsordnung kennen, die ­Kultur und die jüngere Geschichte des Landes.

Nun fordert die Berliner SPD-­Politikerin Sawsan Chebli, das Pflichtprogramm für Integrationskurse zu erweitern: um den Besuch einer Gedenkstätte in einem ehemaligen Konzentrationslager. Josef Schus­ter, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, ergänzte, auch für Schüler höherer Klassen sollte ein solcher Besuch verbindlich sein.

Wir müssen uns der Geschichte stellen

Eine gute Idee. Der Massenmord an den euro­päischen Juden, an Roma, Osteuropäern, politischen Dissidenten ­
und anderen ist die Schattenseite deutscher Identität. Wir Deutsche müssen uns ihr stellen, Altein­gesessene wie Neuzuwanderer. Auch rechten Straftätern, Hasskommentatoren im Internet und Absendern von Hassmails wären solche Besuche nahezulegen – einzeln, nicht in Gruppen. Ihnen sollte in Gedenkstätten vor Augen geführt werden, wohin ihr Hass führt. Ihnen sollte klar werden, dass auch sie unter die Räder kommen können in einem Staat, der nur von Hass getrieben ist. Man kann eine solche Besuchspflicht nur begrüßen. Für alle Deutschen, nicht nur für werdende und nachwachsende.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist chrismon-Redakteur und verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.