AB:STIMMUNG

Sollte die Amtszeit aller evangelischen Bischöfe zeitlich begrenzt sein?

Amtszeit für Bischöfe begrenzen?

Zurück ins Pfarramt
Der Oldenburger Bischof tritt ohne Not zurück. Ein starkes Signal!

 Lena Uphoff

Neun Jahre war der Oldenburger Bischof Jan ­Janssen im Amt. Dann trat der 54-Jährige vor die Synode und gab seinen sofortigen Verzicht auf das Bischofsamt bekannt. Die Synodalen waren schockiert. Janssen ist beliebt, sein Führungsstil war kollegial, er hatte Erfolge vorzuweisen. Und da in Olden­burg Bischöfe auf Lebenszeit gewählt werden (­Janssen hätte problemlos 14 Jahre weitermachen ­können), witterte der Reporter der Lokalzeitung sofort „verschwiegene Motive“ für den Rückzug.

Aber wie es scheint, sind da wirklich keine Intrigen, kein vertuschter Skandal. Janssen sagte von Anfang an, das Bischofsamt sei für ihn ein Amt auf Zeit. Er meinte es ernst. Und es stimmt ja: Evangelische ­Bischöfe sind gewählt, nicht geweiht.

Janssen lädt seinen Entschluss auch nicht moralisch auf. Er will nur zurück ins Pfarramt. Diesen Weg gingen vor ihm auch schon andere Bischöfe: Heinrich Rathke, ab 1971 Landesbischof in Mecklenburg, stellte sich 1984 nicht für eine zweite Amtszeit zur Wahl, sondern kehrte in die Gemeinde zurück. Er wäre bestimmt wiedergewählt worden. Auch Johannes Friedrich, zwölf Jahre bayerischer Landesbischof, wollte die letzten anderthalb Jahre bis zur Pensionierung Dorf­pfarrer sein. Es war seine Entscheidung, man hätte ihm die Zeit als Bischof verlängert. Der frühere badische Landes­bischof Ulrich Fischer blieb zwar 16 Jahre bis zur Pensionierung im Amt, war aber ein so unprätentiöser Charakter, dass er seiner Synode glaubwürdig empfehlen konnte, das Bischofsamt auf zwölf Jahre zu begrenzen – ohne die Möglichkeit einer Wiederwahl.

Anders erging es der mitteldeutschen Bischöfin Ilse Junkermann. Als ihr der Landeskirchenrat im November bedeutete, ihre Amtszeit werde nicht über 2019 hinaus verlängert, äußerte sie sich öffentlich enttäuscht darüber. Sie hätte sich besser stillschweigend auf eine Pfarrstelle beworben.

Janssen ist der Erste, der ohne Not während der laufenden Amtszeit zurücktritt – aus Lust am Pfarramt. Eine starke Botschaft! Janssen entschied nicht einsam. Er tauschte sich schon seit längerem im Familienkreis und mit Vertrauten in der Landeskirche darüber aus, auch mit Synodalpräsidentin Sabine Blütchen. Ab ­kommendem Herbst leitet er als Pfarrer die Seemanns­mission im Hafen von Rotterdam.

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