Klimawandel zerstört Dorfgemeinschaften der Fidschi-Inseln

Drei Fragen an die fidschianische Klima-Aktivistin Frances Namoumou
Eine Luftaufnahme des Dorfes Narikoso auf der Fidschi-Insel Ono aufgenommen am 19.10.2017. Wegen des steigenden Meerwassers aus dem Südpazifik müssen mehrere Häuser des Dorfes umgesiedelt werden.

Das Dorf Narikoso auf der Fidschi-Insel Ono. Wegen des steigenden Meerwassers aus dem Südpazifik müssen mehrere Häuser des Dorfes umgesiedelt werden

Christoph Sator/dpa

Fidschi, das bis zum 17. November die Weltklimakonferenz in Bonn leitet, ist einer der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Staaten. Vor fünf Jahren musste erstmals ein fidschianisches Dorf wegen des steigenden Meeresspiegels umgesiedelt werden: Vunidogola auf der Insel Vanua Levu. Inzwischen seien gravierende soziale Folgen der Umsiedlung sichtbar, berichtete Frances Namoumou von der Pazifischen Kirchenkonferenz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Klima-Aktivistin begleitete die Umsiedlung im Auftrag der Regierung des pazifischen Inselstaates.

Wie kam es dazu, dass mit Vunidogola erstmals ein Dorf auf den Fidschi-Inseln umgesiedelt werden musste? Und gibt es weitere bedrohte Orte?

Frances Namoumou: Die Bewohner haben sich bereits 2007 an die Regierung gewandt, weil ihr Dorf ständig überschwemmt wurde. Nachdem Vunidogola mit seinen rund 130 Bewohnern 2013 umgesiedelt wurde, ermittelte die Regierung 45 weitere Dörfer, die auf Dauer nicht mehr an ihren Standorten bleiben können. Viele Küstenbewohner haben ihre Häuser auf Pfähle gestellt, um sich gegen Überschwemmungen zu schützen. Aber wegen des weiter steigenden Meeresspiegels wird auch das auf Dauer nicht ausreichen.

Die Bewohner reden viel weniger miteinander reden als früher

Wohin wurde Vunidogola verlegt und wie wurde die Umsiedlung finanziert?

Namoumou: Die Dorfbewohner mussten für einen guten Teil der Umsiedlung selbst aufkommen. Das empfinden sie als ungerecht. Ihre neuen Häuser bauten sie auf einem höher gelegenen Gebiet knapp zwei Kilometer landeinwärts, das schon im Besitz der Dorfgemeinschaft war. Das Holz für die Häuser stammt aus dem Wald, der zum Dorf gehört. Zudem gab es finanzielle Hilfen und technische Unterstützung von der Regierung. Die Bewohner verloren mit dem Umzug auch ihre Lebensgrundlage, weil sie vom Fischfang gelebt hatten. Die Regierung legte deshalb künstliche Fischteiche für das Dorf an. Außerdem bekamen die Bewohner Unterstützung beim Anbau von schnell wachsenden Feldfrüchten wie etwa Süßkartoffeln oder Maniok.

Welche sozialen Folgen hatte die Umsiedlung?

Namoumou: Durch die Umsiedlung ist die soziale Struktur im Dorf zerstört worden. Die Bewohner sagen, dass sie viel weniger miteinander reden als früher und weniger Kontakt haben. Unsere traditionellen Dörfer in Fidschi sind kreisförmig angelegt. Diese Struktur konnte auf das neue Dorf nicht übertragen werden, weil es an einem Berg liegt. Jetzt sind die Häuser übereinander in den Hang gebaut. Außerdem sind die Häuser kleiner, so dass die Großfamilien nicht mehr unter einem Dach zusammenwohnen.

Hinzu kommt, dass die Leute jetzt Fernsehen haben und es ein Mobilfunknetz gibt. Das war in dem alten Dorf nicht der Fall. Das Dorf liegt jetzt auch direkt an der Straße, so dass die Stadt viel schneller zu erreichen ist. Das hat Vorteile. So ist zum Beispiel der Weg zum Krankenhaus jetzt einfacher. Aber die jungen Leute fahren jetzt oft mit dem Bus in die Stadt und kommen erst spät abends nach Hause. Sie interessieren sich weniger für die Dorfgemeinschaft und fühlen sich nicht mehr verantwortlich für das Allgemeinwohl.

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