Divestment-Bewegung muss Folgen für die Wirtschaft haben

Bosse, hört die Signale
Symbolfoto Geschäft und Natur

Kein Investment mehr in Kohle oder Öl. Die Nachfrage nach ethischen Geldanlagen steigt

Petmal/iStockphoto

Ihr Geld ethisch anlegen können die Kirchen nur, wenn die Wirtschaft grüner wird.

Ein Modewort geht um in Eu­ropa: Disvestment. Das ist das Gegenteil von Investment. Kürzlich teilte ein Zusammenschluss von weltweit 40 katholischen Institutionen mit, Gelder aus Investments in fossile Brennträger abzuziehen. Aktienpakete großer Energieversorger, die Kohlekraftwerke betreiben, hätten dann im katholischen Portfolio nichts mehr zu suchen.

Das ist sympathisch, aber nicht neu. Die Evangelische Kirche in ­Hessen und Nassau etwa hat sich längst dazu verpflichtet, ihre millionenschweren Rücklagen nach ethischen und nachhaltigen Kriterien zu investieren. Die Divestment-Idee zeigt Wirkung: Cornelia Füllkrug-­Weitzel, Präsidentin des evangelischen Hilfswerks „Brot für Welt“, schätzt, dass das Gesamtvolumen für nachhaltige Geldanlagen in den letzten zwei Jahren von knapp 200 auf deutlich über 400 Milliarden ­Euro angestiegen ist – und das nur im deutschsprachigen Raum.

Die Konzernbosse sollten die ­Signale hören. Die christlichen ­Kirchen sind große Investoren. Nachhaltig, ethisch und verant­wortungsvoll anlegen können sie ihre Gelder aber nur, wenn die ­Wirtschaft wirklich grüner wird 
und Anlagemöglichkeiten bietet. Die Unternehmen sollten nicht auf die Arbeit der neuen Regierung Koalitionsverhandlungen in ­Berlin warten, sondern Chancen für grünes Geld bieten – als Investment, nicht als Disvestment.

Nils Husmann

Nils Husmann studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er über ein Praktikum zu chrismon. Seit dem Umzug der Redaktion nach Frankfurt/Main ist er chrismon-Redakteur. Nils Husmann interessiert sich für die Themen Umwelt, Gesellschaft, Sport und - Menschen. Nils Husmann ist Herausgeber des Buches "You'll never walk alone" in der edition chrismon.
Lena Uphoff

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