Grundeinkommen: Drei Menschen erzählen, wie es ihnen damit geht

„Es macht zehn Prozent meines Gehirns freier“
Eine Frau hält Geldscheine in der Hand

Gregory Lee/Getty Images/iStockphoto

Grundeinkommen - das Ende vieler Sorgen?

Eine Frau hält Geldscheine in der Hand

Ein Verein verlost Grundeinkommen von monatlich 1000 Euro. Wir haben nachgefragt, was sich bei Gewinnern verändert hat
„Gegönnt hatte ich mir schon lange nichts mehr“

„Das ist sicher eine Spam-Mail“, dachte ich, als ich die Nachricht auf meinem Handy sah. Es war so lange her, dass ich mich bei Mein Grundeinkommen für die Verlosung angemeldet hatte. Aber ich habe die Mail lieber doch noch in Ruhe gelesen. Ich hatte wirklich gewonnen! Das war ein krasses Gefühl.

Seit ich von meiner Frau geschieden bin und Unterhalt für meine zwei Kinder zahle, bleibt mir nur wenig von meinem Lohn. Einfach so hatte ich mir schon lange nichts mehr gegönnt, ich war dabei, in Raten meinen letzten Urlaub abzubezahlen. Jetzt genieße ich dieses Jahr. Ich war schon für Wochenenden in der Schweiz, in Berlin. Als Nächstes will ich nach Paris. Das sind Erinnerungen, die mir bleiben, auch wenn das Jahr vorbei ist. Ein Fernseher wäre vielleicht nächstes Jahr kaputt und ich hätte nichts mehr davon.

Mein Alltag hat sich nicht verändert. Ich arbeite weiter im Drei-Schichten-Betrieb in einer Etikettenfabrik. Um was an meiner beruflichen Situation zu verändern, ist das Jahr zu kurz. Aber obwohl es die gleiche Arbeit ist, fühlt es sich besser an. Wie eine Lohnerhöhung. Wenn jetzt meine Waschmaschine kaputtgehen würde, könnte ich einfach eine neue kaufen. Diese Sicherheit lässt mich ruhiger schlafen.

Alexander Weischedel, Maschinenführer, 33 Jahre, Sontheim an der Brenz. Er bezieht sein Grundeinkommen seit Januar und noch bis Dezember 2017

 

„Ich habe auf einmal Diskussionen über Geld eingefordert“

Mein Sohn Robin sollte das Grundeinkommen gewonnen haben. Ich konnte das kaum glauben. Als ich zum ersten Mal vom Grundeinkommen hörte, meldete ich mich und meine Kinder sofort zur Verlosung an. Das klang aufregend. Wir malten uns aus, wie sich unser schwäbisches Leben verändern würde. Es ging uns nicht darum, weniger zu arbeiten. Wir lieben unsere Jobs.

Wir haben geheiratet, ein Haus gebaut, die Kinder kamen und dann die Angst. In der Reihenfolge. Es ging immer nur darum, wie wir uns finanziell absichern. Ich bin Krankenschwester, mein Mann arbeitet im Vertrieb. Er verdient mehr als ich. Ich habe Teilzeit gearbeitet, erst wegen der Kinder. Jetzt pflege ich meine Eltern.

Ich vertrage das Desinfektionsmittel im Krankenhaus nicht mehr. Deswegen bin ich seit einer Weile krankgeschrieben und musste zum Arbeitsamt. Die Sachbearbeiter sind gestresst und haben wenig Verständnis. Nachdem mich beim zweiten Besuch die Sachbearbeiterin behandelt hat, als wäre ich eine Schmarotzerin, ging ich nicht mehr hin. Dadurch bin ich von meinem Mann abhängig, dafür habe ich mich entschieden. Aber schön ist es nicht. Wenn er mir jetzt auf Wiedersehen sagt, weiß ich auch nicht, was ich machen soll. Selbst meine Krankenversicherung läuft über ihn. In der Zeit des Grundeinkommens musste ich mir weniger Sorgen um meine finanzielle Absicherung machen.

Mit dem Grundeinkommen hat sich meine Position in der Familie verändert. Ich habe auf einmal Diskussionen über Geld eingefordert. Das kannte ich gar nicht von mir. Und auch wenn wir das Geld schon lange nicht mehr bekommen - die Gespräche sind geblieben. Wir reden, auch mit den Kindern, mehr über Politik. Wir haben gelernt, als Familie Entscheidungen zu treffen. Und ich bin mutiger geworden.

Olga Z., Krankenschwester, 47 Jahre, Mittelbiberach. Ihr Grundeinkommen bezog sie von Dezember 2014 bis November 2015.

  „Es macht zehn Prozent meines Gehirns freier“

Es war Nikolaustag im Dezember 2016, als die Losnummer unseres Sohnes Miko gezogen wurde. Das war grandios! Ein Geldsegen. Meine Frau ist Fotografin, wir arbeiten beide freiberuflich. Das heißt: Jeder Auftrag zählt. Wir haben kaum feste Arbeitszeiten.

Ich verbringe jetzt mehr Zeit mit meinen Kindern, wir lesen ihnen mehr vor. Sie haben sich gewünscht, dass wir einen Tag in den Freizeitpark Tropical Island fahren. Und dann waren wir in der Schweiz, bei Freunden. Das waren Luxusmomente, die auch die Kinder genießen konnten. Schließlich hat Niko ja gewonnen.

Wir können es uns nicht leisten, das Geld zu sparen oder nur ganz besondere Sachen damit zu machen. Wir brauchen es im Alltag, um auch mal ohne Druck arbeiten zu können. Sich immer gegen die Konkurrenz durchzusetzen, nicht zu wissen, wann die Kunden zahlen, das zehrt an den Nerven.

Klar, ich möchte, dass das Jahr ganz lange dauert. Danach heißt es wieder: Zähne zusammenbeißen und weiter. Es löst nicht alle Probleme, aber es erleichtert den Alltag unheimlich. Ich habe im Moment seltener das Gefühl, dass ein Damoklesschwert über uns schwebt. Wie soll ich das beschreiben? Es macht zehn Prozent meines Gehirns freier. Deswegen denke ich: Das Grundeinkommen ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn wir als Gesellschaft mehr Miteinander wollen und weniger Menschen, die vor allem mit sich selbst beschäftigt sind.

Eike Wendland, Designer und Creative Producer, 41 Jahre, Berlin. Sein Grundeinkommen bezieht er seit Januar 2017 und noch bis Dezember 2017

 

 

 

Infobox

Der Verein "Mein Grundeinkommen" geht auf Michael Bohmeyer zurück. Bohmeyer hat Anteile an einem Onlineshop, die ihm monatlich tausend Euro bescheren, ohne dass er etwas dafür tun muss - sein persönliches Grundeinkommen. Ihn habe das Geld freier gemacht habe, erzählte er einmal im Radio auf "Deutschlandfunk Kultur". Also sollte jeder so einen monatlichen Puffer haben, sagt er. Im Juli 2014 gründete er den Verein Mein Grundeinkommen e. V., der seitdem Grundeinkommen verlost. Finanziert werden die Grundeinkommen durch online gesammelte Spenden; auch Kleinstbeiträge sind möglich. Wer sich registriert und gewinnt, bekommt ein Jahr lang 1000 Euro im Monat - steuerfrei und bedingungslos. Mittlerweile hat der Verein mehrere Mitarbeiter. Und bereits über hundert Grundeinkommen verlost.

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Lesermeinungen

Ein Mensch sollte seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Es ist wichtig, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Es ist sinnvoll, die körperliche Leistungsfähigkeit zu vergrößern, diverse Herausforderungen zu meistern, die Natur zu schützen usw. Und dann sollte man sich morgens unmittelbar nach dem Aufwachen auf einen Wunsch konzentrieren und sich (nochmal) in den Schlaf sinken lassen. Durch Traumsteuerung (oder im halbwachen Zustand nach dem Aufwachen) kann man zu mystischen Erfahrungen und Wunderheilungen gelangen. Der Mensch (genauer: das Ich-Bewusstsein) kann mystische Erfahrungen nicht bewirken, sondern nur vorbereiten. Bestimmte Meditations- und Yoga-Techniken, Hypnose, Präkognition usw. sind gefährlich. Man sollte sich nur dann einen luziden Traum wünschen, wenn man durch Traumdeutung herausgefunden hat, dass dies dem Guten dient. Oder man kann sich vor dem Einschlafen wünschen, dass sich nur Dinge ereignen, die dem Guten dienen. Es ist gefährlich, während eines luziden Traumes zu versuchen, den eigenen schlafenden Körper wahrzunehmen. Luzide Träume dürfen nicht durch externe (z. B. visuelle) Reize herbeigeführt werden. Die Bedeutung eines symbolischen Traumgeschehens kann individuell verschieden sein und kann sich im Laufe der Zeit ändern.
Es bedeutet eine Entheiligung der Natur, wenn Traumforscher die Hirnströme von Schlafenden messen. Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung der Beschaffenheit des Willens seinen freien Willen verliert. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Mensch verrückt wird, wenn er sich fragt, ob das Leben nur eine Illusion ist (wie es manchmal im Buddhismus geschieht). Das Leben ist real. Es kann in Teilbereichen auf wissenschaftlichen (und technischen) Fortschritt verzichtet werden. Es ist z. B. falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Man sollte möglichst dort wohnen, wo man arbeitet (wodurch viele Autos überflüssig werden). Es ist sinnvoll, überflüssige Arbeiten und Dinge (Luxusgüter, Werbung, Geldverleih usw.) abzuschaffen. Der MIPS muss gesenkt werden (ein Öko-Auto fährt über 50 Jahre, ein 1-Liter-Auto spart Sprit usw.). Ein Mensch kann im kleinen und einstöckigen 3-D-Druck-Haus (Wandstärke ca. 10 cm) mit Nano-Wärmedämmung wohnen. Wenn die Menschen sich ökologisch verhalten, vergrößert sich die Wahrscheinlichkeit einer günstigen Erwärmung im Winter. Denn das Klima ist (so wie das Leben) in der Lage, sich positiv weiterzuentwickeln. In der Medizin sollte u. a. die Linsermethode gegen Krampfadern (auch dicke) eingesetzt werden. Es ist wichtig, den Konsum von tierischen Produkten zu reduzieren oder einzustellen. Zudem kann man untersuchen, ob es wirklich Fälle von Nahrungslosigkeit (z. B. bei Katharina Emmerich) gibt. Die berufliche 40-Stunden-Woche kann durch die 4-Stunden-Woche ersetzt werden (bei Abschaffung des Renteneintrittsalters). Wenn die Menschen sich richtig verhalten, werden die Berufe zukünftig zunehmend und beschleunigt an Bedeutung verlieren.