AfD provoziert und diffamiert auf Kirchentag

Meuthens Märchen
Der Kirchentag ging dialogbereit auf die AfD zu. Die aber giftet weiter

Will man es nüchtern beurteilen, muss man sagen: Die Dialogbereitschaft, zu der sich der Deutsche Evangelische Kirchentag gegenüber der AfD durchgerungen hatte, trug dort rein gar nichts zur Besinnung gegenüber der Kirche bei. Kaum war die Podiumsdebatte der Landespolitikerin Anette Schultner mit Bischof Markus Dröge vorbei, giftete die AfD wieder los. Die Kirchen verweigerten den Dialog, behauptete der Co-Vorsitzende Jörg ­Meuthen. Gesprächsangebote schlage die Kirche aus, sagte er, musste aber zugeben, dass es eine offizielle Anfrage der Parteispitze an die Kirchen, wie sie bei anderen Parteien üblich sind, bis dato noch gar nicht gegeben hat. Man fragt sich, auf welchem Mond er lebt, dass er nicht einmal offensichtliche Realitäten erkennt.

Wie die AfD mit der Realität umgeht, zeigt sich auch daran, wie sie auf den Wellen von Fake News mitsurft und sie weiter verstärkt. Das Opfer der gezielten Fälschungen: EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann. Sie hatte die Zeugungs- und Gebäraufrufe der AfD kritisiert, darin Ähnlichkeiten mit der Familienpolitik der Nazis angedeutet. Die AfD drehte es plump ins Gegenteil: als ob der Theologin Familien mit Kindern verdächtig wären. Für Meuthen war das – drunter geht es für ihn nicht – eine „Beleidigung von Millionen Deutschen“. Ihm fällt es offensichtlich schwer, drei zusammenhängende Sätze sinngerecht wiederzugeben. Er liebt die Diffamie, nutzt Twitter, um seine Halbwahrheiten zu verbreiten.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag 2017 wird als das Protestantentreffen in Erinnerung bleiben, das den Dialog mit schwierigen Gesprächspartnern führte. Sicherlich hätten hier und dort mehr Fetzen fliegen können. Immerhin befindet sich Deutschland im Vorwahlkampf. Doch die streitbaren 1968er-Protestanten sind inzwischen zu alt zur Teilnahme, die jungen Kirchen­tagsbesucher sind lernbegierig und bescheiden. Da schlüpft denn auch ein Innenminister Thomas de Maizière lieber in die Rolle eines väterlich gestimmten Altpfadfinders als in die eines Provokateurs. Geschickt von der AfD, dieses Streitvakuum zu nutzen, wenn auch mit ihren gehässigen, absurden Thesen.

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Lesermeinungen

Zitat aus dem Artikel: "Doch die streitbaren 1968er-Protestanten sind inzwischen zu alt zur Teilnahme". Vielleicht sind sie nicht zu alt, sondern haben - zumindest manche - dazugelernt, was den Nutzen und den Schaden von Teilnahme an Kirchentagen betrifft. Sollten sie sich tatsächlich bloß zu alt fühlen, dann könnten sie sich vielleicht an damals erinnern. Da gab es äußerst rüstige Rentner, die mit Krückstock bewaffnet auf die "langhaarigen Affen", so hießen die heutigen Alt-68er regelmäßig bei den damaligen anständigen Bürgern, losstürmten, wenn die Unbotmäßiges oder Abweichendes im Gottesdienst zur Sprache bringen wollten. Und der Organist griff bei solchen Notlagen in die Tasten, dass das Gotteslob nur so durch den Kirchenraum brauste. Da half dann nur noch die Flucht auf die Treppe zur Kanzel.

Also von wegen, Grufties wären nicht zum Engagement in der Lage!

Fritz Kurz

Herr Kopp, Ihre Formulierung läßt vermuten, dass sie die Hoffnung hatten, mit der AfD diskutieren zu können. Solche Angebote klingen immer mach Mission. Wann lernen denn nun endlich mal die beiderseits Unverbesserlichen, dass sich ab einem gewissen "Horizont" dieser Idealismus ins Gegenteil, verkehren könnte? In Hamburg hat vor wenigen Tagen eine ev. Gemeinde den Chaoten ihre Grundstücke für ein Camp zur Verfügung gestellt. Von wegen, die lieben Leute müssen doch irgendwo schlafen könnnen. Damit wurde die Gemeinde absichtlich zum Steigbügelhalter für die, die letzlich auch die Kirche bedrohen könnten. Eine solche Naivität sollte vom Gesetzgeber bestraft werden.