Gottesdienst in Gedächtniskirche vor Pokalfinale mit Einsatzleiter der Berliner Polizei

Beten für einen sicheren Finaltag
Mutter und Kind in BVB-Trikots vor Gedächtniskirche in Berlin vor Pokalfinale Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt

Grund zu Jubel gibt es schon vor dem Pokalfinale

Foto: Stefan Arend

Siegfried-Peter Wulff ist für die Sicherheit in Berlin zuständig: Am heutigen Samstag kümmert sich die Polizei um BVB- und Eintracht-Fans zusätzlich zu Kirchtagsbesucher. Bei einem Gottesdienst in der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz beten evangelischer Kirchenpräsident, Fanbetreuer und katholischer Weihbischof und der Einsatzleiter für einen "sicheren Finaltag"

Endlich neue Schals in der Stadt. Nachdem Berlin seit drei Tagen in orange getaucht war, ist heute alles gelb und schwarz. Zumindest am Breitscheidplatz, wo sich die BVB-Fans versammeln. Zu Tausenden sind sie heute früh mit Bussen gekommen, selbstbewusst haben sie einen Anhänger mitgebracht: "Die Sehenswürdigkeit in Berlin kommt heute aus Dortmund". Nun ja, das ist jetzt arg dick aufgetragen, aber als eine der fleißigen Lokalreporterinnen eine Gemeindegruppe vor der Gedächtniskirche nach ihrem "Kirchentags-Highlight" fragt, sagen die glatt: "Das kommt heute Abend".

Für fromme Fußballfans ist dieser Berlin-Trip ein Double Feature. So viel Singen, Feiern und Beten, "Echte Liebe". Das steht auf den Dortmund-Trikots. Könnte aber auch jedes Kirchentags-Shirt zieren. Und es ist schon ein ganz besonderes Gottesdienst-Team, das da am Samstag früh in die Gedächtniskirche einzieht: Ein evangelischer Kirchenpräsident im Talar, Fanbetreuer in Eintracht- und BVB-Trikots und ein katholischer Weihbischof. Und: ein Einsatzleiter der Berliner Polizei.

"Was ist der Unterschied zwischen Gott und dem Fifa-Präsidenten?"

Er ist der Star dieses Sport-Fußballgottesdienstes: Siegfried-Peter Wulff, Leiter der Direktion Einsatz bei der Berliner Polizei. In schwerer schwarzer Schutzkleidung, mit der Nummer S 1000 auf dem Rücken, geht er nach vorne, beklagt, man rede beim Fußball nur über die 1 000 Problemfans und nicht über die 70 000 friedlichen. Beifall. Und es mache ihm "riesigen Spaß", seit Tagen diesen friedlichen Kirchentag zu schützen. Tosender Beifall. Dem glaubt man das, er macht das gerne. Und er macht das gut - wie oft denkt man an diesen heißen Berliner Tagen, wenn Hallen überfüllt und Bahngleise gefährlich schwarz vor Menschen werden: Toll, wie die Polizei das schafft. Dass so viele Menschen weitgehend angstfrei zusammen feiern können, das ist wirklich nicht selbstverständlich.

Grund genug für die gemischte Fußball- und Kirchengemeinde, jetzt immer wieder spontan im Gottesdienst zu applaudieren. Als Kirchenpräsident Volker Jung die Fans ermahnt, nicht etwa für den Sieg der eigenen Mannschaft zu bitten, sondern: für eine gute Leistung, dass keiner verletzt wird oder andere verletzt. Beifall! Und erst recht, als er launig diesen Witz erzählt: Was ist der Unterschied zwischen Gott und dem Fifa-Präsidenten? - Gott weiß, dass er nicht Fifa-Präsident wird. Die Gemeinde lacht.

Und geht frohen Herzens hinaus in diesen sonnigen Spieltag, noch einmal vorbei an den vielen Grablichtern, die heute in Eintracht- und Dortmund-Farben verhüllt sind. Darf man das, fröhlich sein an dem Patz, an dem ein "Verblendeter" (so sagt es der Weihbischof in seinen Einführungsworten) so viele Menschen in den Tod riss? Vor gerade mal sechs Monaten? Ja, genau dieser Platz hat es verdient, wieder neu aufgeladen zu werden. Verdient es, dass Menschen aller Farben für einen "friedlichen Finaltag" beten. Feiern. Sehr dezent bewacht von diesen netten Polizisten. Echte Liebe. Ach ja, und der nächste Kirchentag findet übrigens in Dortmund statt. Der übernächste in Frankfurt. Du siehst mich - und wir sehen uns wieder.

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