Geert Wilders ist nicht stärkste Kraft geworden

Der Herzinfarkt ist abgewendet
VVD-Chef Mark Rutte und Halbe Zijlstra beim ersten Treffen der VVD nach den Wahlen mitte März 2017

Mark Rutte, alter und neuer Ministerpräsident der Niederlande, beim ersten Treffen seiner Partei VVD nach der Wahl in Den Haag

imago/Hollandse Hoogte

Aber ob der Patient sich stabilisiert? Auslandspfarrerin Susanne Mathis-Meuret über die Wahl in den Niederlanden

Die Niederländer haben gewählt. In Sporthallen, Geschäften und Drive-in-Lokalen: Auf Stimmzetteln, die so groß sind, dass man damit auch sein Wohn­zimmer tapezieren könnte. Schließlich mussten alle Kandidaten der 28 zugelassenen Parteien darauf Platz finden.

Es gab eine Vielzahl an Parteiprogrammen, und doch ging es letztlich nur um eine Person: Geert Wilders, der meint, mit seinem plakativ simplen Parteiprogramm von einer DIN-A4-Seite die Antwort auf die vielen komplexen Fragen unserer Zeit zu haben. In Amsterdam wohnen Menschen aus 170 verschiedenen Nationen, so viele wie sonst nirgendwo auf der Welt. Und auch in Rotterdam und Den Haag sind es nicht viel weniger. Hier ist alles multikulti. In den ­großen Städten an der Küste , in denen fast die Hälfte der Bevölkerung lebt, zeigt sich dieses Land weltoffen und liberal.

Der Herzinfarkt ist abgewendet. Aber ob der Patient gesund wird?

Das wissen auch wir zu schätzen. Aber es gibt andere Gegenden. Merkwürdig, dass Geert Wilders gerade im Südosten der Niederlande am meisten Stimmen bekommen hat, dort, wo es zur belgischen und zur deutschen Grenze nur wenige Kilometer sind und es auch nach Luxemburg und Frankreich nicht weit ist. Was sagt das aus über „das Herz von Europa“?

Die Niederländer haben gewählt. Und viele Menschen haben danach ebenso wie wir aufgeatmet. Wilders rechtspopulistische „Partij voor de Vrijheid“ (PVV) hat nicht die meisten Sitze im Parlament bekommen. Der Herzinfarkt ist erst einmal ­abgewendet. Ob der Patient aber eine Chance hat, vollständig zu genesen, wird sich erst noch zeigen. Nicht zuletzt bei den Wahlen in den nächsten Monaten in Frankreich und Deutschland.

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