Atomwaffenverbot

Weg mit den Sprengköpfen!
Es gibt genug Atomwaffen, um die Welt mehrfach zu zerstören. Um diese Gefahr zu bannen, verhandeln in New York zwei Drittel der UN-Mitgliedsstaaten über ein mögliches Verbot – ohne offizielle Atommächte wie die USA und Russland. Xanthe Hall erklärt, warum die Waffen so schwer zu verbieten sind

 PR

chrismon: Deutschland spricht sich gegen Atom­waffen aus, ist aber in New York nicht dabei. Warum?
Xanthe Hall: Die Bundesregierung sah keinen Sinn darin, ohne die großen Atommächte zu verhandeln: Dies führe nicht zu konkreter Abrüstung. Eigentlicher Grund ist vermutlich ein Brief der USA an die Nato-Staaten, den Versammlungen fernzubleiben. Ich finde aber, es würde sehr wohl helfen, den Vertrag mitzugestalten.

Nur neun Länder besitzen derzeit Atomwaffen – kann man die nicht einfach überstimmen?
Im Prinzip hat man das schon: Die Abrüstung ist im Atomwaffensperrvertrag festgehalten. Da steht nur nicht, wann und wie das passieren soll. Diese neun Staaten ­sehen sich nicht gezwungen, sich daran zu halten. Also handelt man jetzt einen neuen Vertrag aus, der auch den Besitz von Atomwaffen konkret verbietet. Immerhin gibt es 15 000 davon. Auch chemische und biologische Waffen konnte man auf diese Weise ächten.

Wie schnell könnten Atomwaffen abgefeuert werden?
4500 von ihnen sind sofort einsatzbereit. Wenn das Frühwarnsystem der USA oder Russlands einen Angriff meldet, können sie fast 2000 Raketen innerhalb von 30 Minuten abfeuern, bevor ihre Waffen zerstört werden. „Use them or lose them“ nennt sich das. Präsident Trump könnte die Raketen in drei Minuten zünden.

In der Eifel lagern 20 US-Atombomben.
Im Fall eines Atomkriegs wäre Deutschland ein mögliches Ziel. Ein Nato-Ausschuss würde über den Einsatz der hiesigen Waffen entscheiden, deutsche Soldaten müssten sie ans Ziel fliegen. In Friedenszeiten liegen die Bomben relativ sicher unter der Erde, aber bei Atomwaffen besteht immer ein Risiko, sei es durch Unfälle oder Terror­attacken.

Wie entsorgt man Atomwaffen eigentlich?
Ohne die Sprengköpfe ist der Rest nur Metallschrott. Die radioaktiven Kerne kann man für Atomenergie nutzen. Dazu braucht man spezielle Reaktoren wegen des Plutoniums. Übrigens einer der gefährlichsten Stoffe überhaupt!

Im Juni gehen die Verhandlungen in die zweite Runde. Ihr erhofftes Ergebnis?
Ein Vertrag, der Atomwaffen ächtet – hoffentlich schon im Herbst reif zur Verabschiedung.


Und wäre die Welt dann sicherer?
Noch nicht. Es bedarf dann noch eines weiteren Vertrags unter Beteiligung der Atomwaffenstaaten, um nuklear ­abzurüsten. Ein Atomwaffenverbot würde aber den Weg dahin ebnen.

Neue Lesermeinung schreiben