Leseraktion "Wer bist Du?": Oma, Opa, Enkel

Die Oma - kein bisschen überflüssig
Wer bist du?

Katrin Binner

"Wer bist du?" - das fragten wir Sie, unsere Leser, vor sechs Jahren. Es kamen so viele Antworten, auch über Omas und Opas und ihre Enkel. Und die wollen wir Ihnen hier noch mal zeigen. Schöne, kluge, anrührende Überlegungen
Mit der Oma ins Museum, mit Opa auf den Spielplatz oder einfach zusammen Schafe füttern: Großeltern und Enkel haben ein besonderes Verhältnis zueinander. Aber auch alte und junge Menschen, die sich nicht kennen, können voneinander lernen - wie Marina Weisband und Edgar Reitz bei ihrer "Begegnung" über das Internet. Dazu Fotos, Buchtipps und Gedanken unserer Leser aus der Aktion "Wer bist du?"

Ich bin Menschen- und Bürgerrechtlerin, Theater­dramaturgin, Individualistin und Familienmensch. Fußballfan, Vizepräsidentin des Bundestages und Europäerin. Rock ’n’ Rollerin, gegen AKWs und für die offene Gesellschaft in der Einen Welt. Die Liste ist noch viel länger, doch zwei Dinge halten sich bei allem durch: Wo ich mich engagiere, da möchte ich mit voller Kraft dabei sein. Und als Enkelin der katholischen Oma und des ­evangelischen Opas, die sich so sehr geliebt haben – ohne jede Mauer und Grenzen, gilt für mich ein Satz der Oma wie ein moralischer ­Imperativ: Mir kann es nicht gut gehen, wenn es meinem Nächsten schlecht geht.
Claudia Roth, Politikerin 

Ich bin eine Oma, die alle 14 Tage um 4.30 Uhr aufsteht, damit sie zu den Enkelkindern fahren kann. Ich bin eine Patentante für Kinder mit Lernschwierigkeiten, die fast jeden Mittag kocht, wenn die Schüler kommen. Ich bin ein Mensch, der versucht zu denken: „Wie geht es dir?“ Eigentlich bin ich kein bisschen überflüssig.
Gerda L.

Seit sechs Wochen bin ich das Mädchen, das seinen Großvater verlor. Mehr noch, ich bin diejenige, die an seiner Seite saß, als er die niederschmetternde Diagnose „Krebs – austherapiert“ erhielt. Ich habe damals nicht geweint, auch nicht am Tag seiner Beerdigung. Ich weinte nur in der Nacht, als er starb, dabei habe ich meinen Großvater geliebt. Er war mein Fels, einer meiner besten Freunde, mein Zufluchtsort vor der Welt. Doch ich trauere nicht, stattdessen bin ich erfüllt von Frieden und Zuversicht und … Lebenslust. Diese wenigen Wochen zwischen Diagnose und Tod haben mich stärker werden lassen und so will ich auch nicht trauern, jetzt noch nicht, weil ich nicht bereit dazu bin und weil zu viele andere Dinge zu bewältigen sind – immer noch.

Ansonsten versuche ich, so durch den Tag zu kommen, Dinge, die mich stören, zu ändern und einfach keine Angst mehr vor alltäglichen Dingen zu haben. Ich versuche, meinen alten Optimismus zurückzuerlangen und mich von meiner Familie zu lösen, die auf ihre Art großartig ist, die es mir aber unbewusst manchmal schwermacht, auf eigenen Beinen zu stehen und frei zu sein, weil sie dazu neigt, mich beschützen zu wollen, an Stellen, an denen ich den Sprung vielleicht einfach mal wagen muss. (...)
Katharina

Ich bin Samuel und sieben Jahre alt. Meine Mama sagt, sie kann ohne mich nicht leben. Mein Papa sagt, er will bald wieder mit mir verreisen. So unter Männern. Meine Oma bringt mir immer Schokolade mit oder Spielzeug. Das regt meine Mama auf, weil sie meint, ich werde vom Konsum überschüttet und das ist nicht gut. Auch für später. Später will ich ICE-Zugführer werden. Dann sehe ich ganz viele Städte. Das ist spannend. Und eine Schwester habe ich auch, die ist fast drei Jahre und will immer mit mir Puppen spielen. Manchmal mache ich das auch. Aber nicht so gern.
Samuel G.

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