Umgang mit Epilepsie-Erkrankten

Interview mit Martin Holtkamp
Prof. Dr. Martin Holtkamp

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Der medizinische Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg erklärt, warum Epilepsie noch immer ein Stigma ist

chrismon: Jemand fällt mit einem Anfall um – wie helfe ich?
Holtkamp: Ruhe bewahren. Den Kopf des Betroffenen sichern, etwa einen Pullover darunterlegen. Ihm nichts in den Mund stecken, nicht Arme oder Beine festhalten. Beobachten. Und im Idealfall filmen. Das hört sich zynisch an, aber es hilft dem Arzt später diagnostisch sehr weiter. Wenn man den Patienten nicht kennt, wenn der Anfall zum ­ers­ten Mal auftritt oder länger als fünf Minuten dauert, einen Rettungswagen rufen.

Prof. Dr. Martin Holtkamp

Prof. Dr. Martin Holtkamp, Medizinischer Direktor des Epilepsie-Zentrums Berlin-Brandenburg, das auch zu den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gehört


Wie sollten Patienten mit der Krankheit umgehen?
Epilepsie ist leider immer noch ein Stigma – obwohl wir sie gut behandeln können. Daher ist es wichtig, dass Patienten dazu stehen und darüber sprechen, so wie man über andere gesundheitliche Probleme auch redet oder eben nicht redet. Man muss ja nicht jedem alles sagen. Aber wenn jemand nicht anfallsfrei ist, sollte er seine Freunde und direkten Kollegen informieren, damit sie bei einem Anfall nicht hilflos danebenstehen.  

Und was kann jeder Einzelne tun?
Zum Beispiel: Sagen Sie nicht „Epileptiker“, das ist herab­würdigend, sondern Menschen mit Epilepsie. Wenn sich im Sprachgebrauch etwas ändert, ver­schwindet hoffentlich bald auch das Stigma.

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