Fußball in Südafrika

Bitte gewinnt die Afrika-Meisterschaft!
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Oupa Nkos/africamediaon/dpa Picture-Alliance

Sport hat einen wichtigen Platz in der Gesellschaft Südafrikas. Leider spielt das Erbe der Apartheid oft mit

Als ich in meine afrikanische Familie einheiratete, hat mich meine Frau zur Solidarität in Sachen Fußball verpflichtet: Wir sind Kaizer Chiefs! Ein Soweto-Club, dessen Gebaren allerdings sehr chefmäßig ist. Stil Bayern München – für mich als Dortmund-Fan geht das nun wirklich nicht. Ich riskierte den Familienfrieden und erwählte den zweiten großen Club aus Soweto: die Orlando Pirates. Erkennbar an schwarzen Trikots, auf dem Wappen zwei gekreuzte Oberschenkelknochen unter einem Totenschädel. Erinnert mich an Sankt Pauli! Wenn sich Pirates-Fans begrüßen, kreuzen sie, die Fäuste geballt, die Unterarme – eine ziemlich starke Geste.

Kaizer Chiefs und Orlando Pirates sind die größten Konkurrenten in der Millionenstadt Soweto. Bei einem Lokalderby ist das Stadion mit 80.000 Plätzen natürlich restlos voll. Auf nationaler Ebene allerdings läuft's nicht so gut. Südafrika hat es nicht in die Afrika-Meisterschaft geschafft, die zurzeit in Gabun ausgetragen wird. Meine Frau ist wie viele andere enttäuscht: „Die Premier Division ist die am höchsten bezahlte Liga in ganz Afrika und dann nicht qualifiziert!“ Das hat auch eine politische Dimension: Die Fans der drei Nationalsportarten Fußball, Rugby und Kricket sortieren sich mehrheitlich entlang der alten Apartheidgrenzen. Rugby und Kricket verfolgen die Weißen, Fußball ist der Sport der Africans – so nennen wir hier die Schwarzen.

In Rugby und Kricket ist Südafrika weltweit vorn dabei, beim Fußball eben nicht. Ein Erbe der Apartheid ist die Angst, dass die weißen Unterdrücker doch recht haben könnten: Die Schwarzen können das nicht! Deshalb nährt jede Niederlage beim Fußball, in der Wirtschaft, in der Politik diesen Zweifel: Vielleicht können wir das wirklich nicht. Teilnahme an und Sieg bei der Afrika-Meisterschaft wären deshalb ein wichtiges Signal. Die Fans hier sind übrigens außergewöhnlich: Sie können richtig singen und tanzen, sie sind treu, humorvoll und selbst in der Niederlage fröhlich. Mit solchen Anhängern wäre Dortmund jede Saison Meister.

 

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