Reformation für Einsteiger: Woran merke ich, dass ich glaube?

Vom Glauben wissen
Wenn es so weit ist, dann wird man es merken. Aber ohne die Bereitschaft zu eigenen Erfahrungen passiert vermutlich gar nichts
Ich glaube, ich glaube nicht, ich glaube...?

Andree Volkmann

Ich glaube, ich glaube nicht, ich glaube...?

Glaube und religiöses Wissen sind zwei grundverschiedene Dinge. Man kann Kenntnisse über Religion ­haben und trotzdem keine persönliche Beziehung zum Glauben. Der Witten­berger Reformator Philipp Melanchthon polemisierte bereits 1521 gegen die Vorstellung, Glauben sei „Zustimmung zu dem, was in der Bibel steht“. Dann könnten ja auch die Gottlosen einen Glauben haben. Haben sie aber nicht.

Religiöses Wissen kann man auswendig lernen, Glauben aber ist eine Lebenseinstellung. Sie hat damit zu tun, sich selbst und sein eigenes Leben als ­Geschenk zu sehen, zudem mit der selbstkritischen Einsicht, dass die eigenen Kräfte und Möglichkeiten begrenzt sind. Religionswissen und Glaube sind so unterschiedlich wie Kopf und Herz, Verstand und Psyche. Oder ein wenig wie Religionswissenschaft und Theologie.

„Beten ist der Moment, in dem der Glaube anfängt, sich lebend auszudrücken“, meint Pastor Henning Kiene. Trotzdem sei es gar nicht so leicht, zu merken, ab wann man selber wirklich glaubt

Woran merke ich, dass ich glaube? Das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Aber es gibt Hinweise: Sehe ich mein Leben nur als Ergebnis meiner Leistungen, Strategien, Fähigkeiten? Auch der Wunsch, über andere Menschen zu herrschen oder alles zu kontrollieren, passt kaum zur religiösen Einsicht, ­dass man sich selbst anderen verdankt – ­Menschen und Gott. Oder die Weigerung, anderen Menschen zu helfen: Auch sie lässt Zweifel daran zu, dass man sich seiner eigenen Hilfsbedürftigkeit und Unvollkommenheit, jener urreligiösen Einsicht, bewusst ist.

Glaube aus Erfahrung

Das Eigenartige am Glauben ist: Man kann nur über ihn urteilen, wenn man sich auf ihn eingelassen, ihn erfahren hat. Das ist allerdings etwas anderes als die experimentelle Erfahrung der Natur­wissenschaft und Technik. Dort gilt als wirklich, als real, was sich in Experimenten beliebig oft nachstellen und ­wiederholen lässt. Experimente in ­diesem Sinn sind unbrauchbar, wenn es um den Glauben geht. 

Die Antwort auf die Frage „Woran merke ich, dass ich glaube?“ ist paradox. Sie lautet: Wenn du glaubst, wirst du es wissen, spüren. Wenn du die Erfahrung machst, dass du um deiner selbst willen geschätzt wirst, musst du es dir nicht ­täglich sagen lassen und beweisen, musst du dich nicht wichtig machen, nach ­Aufmerksamkeit und Komplimenten heischen. Du musst dich nicht ständig neu rechtfertigen, deinen Selbstwert neu unter Beweis stellen. 

Glaube braucht – wie andere Lebensbereiche – Erfahrung. Viele unserer innersten Erfahrungen sind wissenschaftlich analysierbar, aber nicht erklärbar. Psychologen suchen nach den Trieben, Pädagogen nach dem Urvertrauen, Neurologen nach Hirnströmen, Historiker nach Traditionen, die uns prägen und festlegen. Aber das erklärt nicht alles.

Vertrauen ins Leben

Es ist ähnlich wie bei der Liebe. Woran merkt man, dass man liebt und geliebt wird? Etwa weil Hormonspiegel und Herzfrequenz bestimmte Messwerte erreichen? Woran merkt man, dass das ­Leben gelingt? Etwa weil Arbeitszeit, Pkw-Klasse und Dividendenausschüttung und Steuerrückerstattung stimmen? Hormone und Dividenden können Glück und Lebenssicherheit beflügeln, aber nicht erklären.

Und der Glaube? Der große Unterschied ist eigentlich ganz klein. Es ist die Bereitschaft, sich selbst als umsorgt, als beschützt zu sehen. Es hat auch mit dem Vertrauen ins Leben zu tun. „Um nichts macht euch Sorge, sondern bringt eure Bitten jederzeit betend und flehend mit Dank vor Gott. Und der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt (!), wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus be­wahren.“ Eine gelungene Zusammenfassung des biblischen Autors Paulus (Philipper-Brief 4,4–7).

Der Schriftsteller Reinhold Schneider (1903–1958) las nur ein paar Kapitel in der Bibel und stürmte dann in die kalte Potsdamer Nacht hinaus. „Dieses Buch ist eine Lebensmacht“, schrieb er, es kehre das ganze Leben um. Aber er bemerkte auch: Den Glaube verstehe nur, wer glaubt.

Information

Die 14-teilige Serie Reformation für ­Einsteiger folgt den Kapiteln des Buches von Philipp Melanchthon „Loci Communes 1521“ (Grundbegriffe der Theologie).

Lesermeinungen

Da ich hier ein Nachzügler bin, darf ich bestimmt noch einmal von ganz vorn anfangen: Kein Mensch glaubt nicht. Mit Glaube ist hier also nur gemeint, dass ein bestimmter Inhaltskanon der christlichen Religion (und nur der und möglichst vollständig) geglaubt wird. Ob ich also in dem Sinne Gläubiger bin, ist davon abhängig, welchen Anreicherungsgrad des bestehenden Kollektivglaubens ich als Untergrenze denke und Wie viel davon ich angenommen habe.--------Für das praktische Leben (solange man nicht Systemträger*in des Glaubens ist) ist die Frage ZITAT „Woran merke ich, dass ich glaube?“ absolut irrelevant. Jean-Paul Sartre: „Es bedarf verzweifelter Anstrengung, nichts zu glauben“ Es gibt keine Ungläubigen, es gibt nur Glaubensinhalte die ich annehme oder ablehne oder sogar bekämpfe. Und was ein Mensch alles glaubt oder nicht, wird ihm erst dann bewusst, wenn er es systematisch untersucht oder mit Check-Listen konfrontiert wird. Ansonsten weiß kaum jemand was er alles so glaubt. Einiges nennt der Artikel ja als In oder Out. Doch sind das wirklich die sinnvollsten Feststellungskriterien? Wenn sich jemand wie Luther, lebenslang vor dem Teufel fürchtet, ist der dann glaubensmäßig draußen oder gerade erst recht drin? ----ZITAT „Aber er bemerkte auch: Den Glaube verstehe nur, wer glaubt.“ Ist das wirklich so? Ist es nicht eher so, das man – wenn man glaubt – nur weiß, das man glaubt und es trotzen sehr zweifelhaft bleibt, ob man versteht, was man glaubt? Ich verstehe sehr viel nicht, was ich trotzdem glaube. Oder versteht hier irgendjemand die Auferstehung? Oder verstehen ich was nicht?

Sie haben geschrieben: "Kein Mensch glaubt nicht." Das ist eine gängige Schutzbehauptung der Gläubigen. Ich formuliere vorsätzlich nicht: Das ist ein gängiger Glaube der Gläubigen. Diese Vorstellung, dass jeder irgend etwas glaubt, lebt von der Verwechslung von Glaube und Vorstellung. Jeder hat Vorstellungen von sich, den lieben Mitmenschen und der Welt. Viele dieser Vorstellungen sind auch dramatisch falsch. Trotzdem handelt es sich nicht um Glauben. Warum sollte jede Vorstellung ein Glaube sein?
--- Sie fragen: "Oder versteht hier irgendjemand die Auferstehung?" Ja, die verstehe ich. Es handelt sich um ein altehrwürdiges Exemplar von "alternativen Fakten". Präsident Trump will nicht, dass zu seinen Inaugurationsfeierlichkeiten weniger Fans gekommen sind als zu denen seines Amtsvorgängers. Also lässt er das alternative Faktum die Runde machen, es seien sehr viele da gewesen. Vor 2000 Jahren wollten die Anhänger eines Wunderheilers und Wanderpredigers nicht, dass der so sang- und klanglos per Todesstrafe wegstirbt. Also brachten sie das alternative Faktum der Auferstehung in Umlauf. Was soll daran unverständlich sein?
Friedrich Feger

Zitat: "Das Eigenartige am Glauben ist: Man kann nur über ihn urteilen, wenn man sich auf ihn eingelassen, ihn erfahren hat."
Eigenartig (seltsam?) ist daran nichts, denn es ist vollkommen normal, dass das Unbekannte unbekannt und deshalb auch unbegreiflich ist, weshalb dem Willigen nur noch der Glaube als Reaktion/Antwort übrig bleibt. Analog dazu könnte man aber auch sagen, dass nur der über den Tod und was evtl. danach kommen könnte urteilen darf, der schon einmal tot war. Oder, macht man es sich mit dieser Auslegung etwa zu einfach, um keine unbefugten Mitdenker zu haben, die zu einem anderen Ergebnis kommen könnten? Diese sich selbst überholende Argumentation ist doch etwas zuviel verlangt. Wenn sich jemand, ob religiös oder politisch, menschlich oder gefühlsmäßig, auf etwas eingelassen hat, was er sachlich bzw. objektiv oder wegen zu vieler Unbekannten nicht in vollem Umfang verstehen kann, dann bleibt ihm nur noch übrig zu hoffen, dass es gut geht. Hoffnung und Glaube sind aber nicht identisch. Allen Anderen zu versagen, dass sie nicht über die Inhalte von Glauben und Hoffnung urteilen dürfen, ist wieder finsteres Mittelalter.

Lieber Herr Ockenga, Sie schreiben: "es ist vollkommen normal, dass das Unbekannte unbekannt und deshalb auch unbegreiflich ist". Es ist in der Tat erstaunlich normal, dass das Unbekannte unbekannt ist. Dass das Unbekannte allerdings unbegreiflich sein sollte, leuchtet mir weniger ein. Der neulich in der Nachbarschaft eröffnete Supermarkt war mir unbekannt. Nachdem ich in ihn reingegangen war, fand ich sowohl das Klopapier wie auch die kinderverführenden Süßigkeiten an den üblichen Stellen. Das Klopapier weit hinten, damit dieser notwendige Artikel dazu führt, dass man an allem vorbeilatschen muss, was sonst noch verhökert werden soll. Die Süßigkeiten nahe der Kasse, damit die wartenden und quengelnden Kinder den Geldbeutel der Mutter öffnen. Also nichts am Unbekannten war unbegreiflich, sondern es war sogar sehr leicht begreiflich.
--- Weiter schreiben Sie: "Wenn sich jemand... auf etwas eingelassen hat, was er ... wegen zu vieler Unbekannten nicht in vollem Umfang verstehen kann, dann bleibt ihm nur noch übrig zu hoffen, dass es gut geht." Nein, er kann auch die Finger davon lassen und davor warnen. Dazu entschließen muss er sich allerdings schon.
Hans Schlicht

Wenn man so schlicht denkt und danach handelt, dann darf man auch keine Reise unternehmen, weil man ja nie wissen kann, was passiert. Noch Fragen?

Selbstverständlich habe ich noch Fragen, lieber Herr Ockenga. Sogar viele. Hier die erste: Sie haben geschrieben: "dass es gut geht". Was soll denn dieses "es" sein, dem mit Glaube und Hoffnung feste auf die Sprünge geholfen werden muss?
Hans Schlicht

Herr Schlicht, Sie verstehen nicht den Text? : "Wenn sich jemand, ob religiös oder politisch, menschlich oder gefühlsmäßig, auf etwas eingelassen hat, was er sachlich bzw. objektiv oder wegen zu vieler Unbekannten nicht in vollem Umfang verstehen kann, dann bleibt ihm nur noch übrig zu hoffen, dass es gut geht". Dem, der den Text nicht versteht, kann nicht geholfen werden.

Im Artikel steht: "Das Eigenartige am Glauben ist: Man kann nur über ihn urteilen, wenn man sich auf ihn eingelassen, ihn erfahren hat." Das ist sehr praktisch. Nur Gläubige können über den Glauben urteilen. Diese Denkfigur ist allerdings keine Spezialität der Gläubigen. Wer in der jungen Bundesrepublik der Vorgängergeneration gegenüber andeutete, dass deren Mitmacherei bei Krieg und Faschismus doch vielleicht nicht ganz das Gelbe vom Ei gewesen sein könnte, bekam die Antwort: "Darüber kannst Du nicht urteilen. Du bist nicht dabei gewesen."
Herr Mair, was sehe ich da schon wieder alles völlig falsch?
Thea Schmid

Liebe Frau Schmid, Sie sehen hier falsch, dass der Kritikschutz selbstverständlich nur für den wahren Glauben gilt. Der Glaube an den Führer war ein klarer Verstoß gegen Paragraph 1 des Dekalogs. Gegen diesen Glauben hätten auch die Ungläubigen sich ein Urteil erlauben dürfen. Wobei das Mitmachertum bei den Atheisten genau so ausgeprägt war wie bei den Christen.
Mit evangelischem Gruß
Adam Mair

Das bleibt unbestritten, dass die Mitmacherei bei der damals herrschenden Vorstellungswelt sowohl bei den Atheisten wie bei den Gläubigen sehr beliebt war. Heute ist das übrigens kein bisschen anders. Trotzdem ist das geforderte "sich einlassen" sehr bemerkenswert. Bei der Frage, ob man an den Führer glauben soll, wird durchaus an das Urteilsvermögen appelliert. Dort gilt nicht, sich auf ihn einzulassen und ihn zu erfahren. Bei der Frage, ob man an Gott glauben soll, wäre ein begründetes Nein aber unangebracht, weil es vorsätzlich auf das "sich einlassen" verzichtet.
** Das ist nicht nur bemerkenswert, das ist außerordentlich gefährlich.
Thea Schmid

Urteil ohne Kenntnis?

Na, na, na, liebe Frau Schmid! Gefährlich wäre es, ein Urteil ohne Kenntnis zu fällen. Nur wer sich auf den Glauben einlässt, lernt ihn kennen und kann dann urteilen. Es gehört also kein "oder" zwischen "Urteilen" und "sich Einlassen", sondern ein logisches und temporales "nach".
Mit evangelischem Gruß
Adam Mair

Nein, lieber Herr Mair, sich auf den Glauben einlassen heißt gerade nicht, ihn kennen zu lernen. Es heißt, für ihn Partei zu ergreifen. Danach ist eben kein sachgerechtes Urteil mehr möglich, sondern nur die in die täuschende Form eines Urteils gebrachte Wiederholung der Parteinahme.
** Im Artikel finden sich folgende drei Bestimmungsstücke des Glaubens: Erstens: Leben als Geschenk sehen. Zweitens: Einsicht in die Selbstbegrenztheit. Drittens: Sich selbst als beschützt sehen. Sich darauf einzulassen, heißt gerade nicht, diese Vorstellungen auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen und dann zu einem Urteil zu gelangen. Es heißt, die Fehler, die in diesen Vorstellungen stecken, zu leugnen. Am ersten Punkt vorgeführt: Mein Leben hat mir niemand geschenkt. Weder Gott, noch meine Eltern, noch sonst wer. Meine Eltern haben mich gezeugt. Gott kam überhaupt nicht vor. Meine Eltern haben mir vielleicht zum Geburtstag was geschenkt. Als sie mich gezeugt haben, konnten sie mir noch nichts schenken. Da gab es mich nämlich noch nicht. Sonst hätten sie mich nicht zeugen können.
** Die Rede vom Leben als Geschenk ist die Vorbereitung zur Verpflichtung zur Dankbarkeit. Die hat es in sich. Sie ist nicht mehr nur ein logischer Fehler, sondern ein wesentliches Hilfsmittel zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Abhängigkeiten der übleren Sorte.
Thea Schmid

Liebe Frau Schmid, wie kommen Sie nur auf so etwas Hässliches wie "Abhängigkeiten der übleren Sorte"? Da lese ich im Artikel etwas ganz anderes, nämlich: "Und der Glaube? Der große Unterschied ist eigentlich ganz klein. Es ist die Bereitschaft, sich selbst als umsorgt, als beschützt zu sehen." Möchten Sie nicht umsorgt und beschützt sein, Vertrauen ins Leben und, wie Kommentator Herr Simon Anderegg am 27.2.2017 bereits verdeutlichend formulierte, "Vertrauen auf Gott in der Gemeinschaft mit Jesus Christus" haben?
Mit evangelischem Gruß
Adam Mair

Da gebe ich dem Autor doch völlig recht, dass der wichtige Unterschied in der Bereitschaft, also dem Vorsatz, besteht, Verhältnisse in einer vorgefassten Weise zu sehen. Ich empfehle das glatte Gegenteil, nämlich die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Also gerade nicht hingehen und glaubensvoll - im Deutschen sagt man dazu auch gerne auf Teufel komm raus - behaupten, man sei umsorgt und beschützt. Sondern ernstlich die Frage stellen, was Anlass zur Sorge gibt, woher und warum Gefahr droht, was dagegen unternommen werden kann und was nicht. Wer, wie landesüblich, diese Fragen nicht stellt oder falsch beantwortet, begibt sich in üble Abhängigkeit von seinen Illusionen. Auch denen, die unter dem Namen Glauben großes Ansehen genießen.
** Ich habe weder Vertrauen noch Misstrauen ins Leben. Das sind dem Leben gegenüber untaugliche Kategorien. Was es mit dem Leben als biologischem Vorgang auf sich hat, kann, soweit bekannt, den Biologie- und Medizinbüchern entnommen werde. Was das Leben als schwammige Umschreibung für gesellschaftliche Verhältnisse betrifft, empfehle ich vorsätzlich keine Unterabteilung eines Bibliothekskatalogs, sondern eigenes Hirnen.
Thea Schmid

Tja, dass Sie Gott nicht vertrauen wollen, kommt nicht ganz überraschend, liebe Frau Schmid. Was halten Sie denn von "der selbstkritischen Einsicht, dass die eigenen Kräfte und Möglichkeiten begrenzt sind."?
Mit evangelischem Gruß
Adam Mair

Was den vermissten Überraschungseffekt betrifft: Überraschungseier sind erst 7 Wochen nach Faschingssonntag, zu Ostern nämlich, fällig.
** Das mit der selbstkritischen Einsicht hat zunächst einen sehr heiteren Aspekt. Wer für seinen Laden damit Werbung macht, dass der doch so selbstkritisch sei, ist zumindest in diesem Aspekt alles andere als selbstkritisch. Von der Sache her will auch keine Begeisterung bei mir aufkommen. Die "eigenen Kräfte und Möglichkeiten" sollen begrenzt sein. Und um das zu wissen, soll es einer Einsicht, einer selbstkritischen überdies, bedürfen. Was sind denn hier für Kräfte und Möglichkeiten gemeint? Dass man nicht schneller laufen kann, als man eben kann, weiß man bereits im zarten Alter von 5 Jahren. Da ist das Wort Einsicht sehr hoch gegriffen und Selbstkritik liegt überhaupt nicht vor. Falls aber nicht die Grenzen der eigenen Physis gemeint sein sollten, sondern die sich aus der gesellschaftlichen Stellung ergebenden höchst unterschiedlichen Kräfte und Möglichkeiten, wäre das Augenmerk gerade nicht von der ersten Sekunde an auf die eigenen Grenzen zu richten.
** Wieso haben sehr Wenige sehr viel, Einige manches und sehr Viele gar nichts zu bestellen? Das müsste erklärt werden. Eine Kritik der politischen und ökonomischen Verhältnisse ist dazu nötig. Das würde auch etwas Licht auf die Gründe lenken, warum es so viel Hilfsbedürftigkeit gibt und warum die nur karitative Betreuung und somit Perpetuierung erfährt und nicht von den Hilfsbedürftigen selber auf den Mond geschossen wird. Statt aber die Unterschiede der Grenzen und Möglichkeiten zu erklären, wird unterschiedslos vor Hybris und Selbstüberschätzung gewarnt. Das dann auch noch mit Selbstkritik zu verwechseln, stimmt mich nicht froh.
Thea Schmid

Ich möchte das betätigen was der Autor E. Knolle schreibt. Lange Jahre gehörte ich zu den "Unglaeubigen". An einer wichtigen Stelle muss ich allerdings widersprechen. Wie alles andere auch braucht auch Glauben eine Bestätigung durch einen anderen Menschen, sonst kann man diesen Zustand schwer erkennen und benennen. Dies ist m.E. Konsens innerhalb der Psychologie und wird selten praktiziert.
Gerd Petzold

Viele Gedanken in diesem Beitrag teile ich. Aber was soll im Zusammenhang mit Glaube die Rede von "Vertrauen ins Leben"? Es geht doch wie auch im Zitat von Paulus aus dem Philipperbrief um das Vertrauen auf Gott in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, in dem wir dann auch die Sorgen unseres Lebens bei ihm deponieren dürfen. Gott sei Dank!

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