Frankreich: Geduldsspiel mit Asylbehörde

Deren Botschaft: Kommt nicht nach Frankreich!
Französische Aslybehörden lassen einen Iraner lange zappeln. Er könne ja auch den Obdachlosennotruf anrufen, argumentieren sie
Geflüchteter betet auf der Straße

Foto: Jean-Luc Dolmaire / Gamma-Rapho / laif

Gebet in Paris. Tausende Migranten übernachten in Zelten auf der Straße

Autor/in

Matthias Albrecht

Matthias Albrecht ist Pfarrer und arbeitet ehren­amtlich in der deutschen Auslandsgemeinde Toulouse, seine Frau ist dort Pfarrerin.  
Vor eineinhalb Jahren stand er bei uns vor der Tür. Auf dem Rücken einen Rucksack, in der Hand einen Zettel mit der Anschrift unserer Gemeinde. M. – ich möchte seinen Namen abkürzen – war aus dem Iran geflohen, um sich der drohenden Verhaftung zu entziehen. Die Hauskirche, die er organisiert hatte, war verraten worden. In Toulouse medete er sich bei der Präfektur, um Asyl zu beantragen und erhielt dort einen fünf Wochen späteren Termin. Er sollte, so hieß es, seine übersetzten Papiere und einen Dolmetscher mitbringen. Diesen hätte er selbst zu bezahlen. Käme er ohne Dolmetscher, würde man davon ausgehen, dass er dem Verfahren sprachlich folgen könne.

Wir nahmen M. in unserer Pfarrwohnung auf und lernten mit ihm das französische Asylsystem kennen. Bei seinem Behördentermin sagte man ihm, die Maschine zur Abnahme der Fingerabdrücke sei kaputt und gab ihm einen neuen Termin wieder fünf Wochen später. Erst da erhielt er das Formular für den Asylantrag, das er ausgefüllt nach Paris schicken musste. Nochmal vier Wochen später, nach dem Eingangsbescheid der Asylbehörde, konnte M. auch Übergangsbeihilfe beantragen, die er einen weiteren Monat später erhielt.

Wo und wovon hätte er bis dahin leben sollen? In ganz Frankreich haben alle Aufnahmezentren für Flüchtlinge insgesamt etwa 30.000 Betten. Die, die dort keinen Platz finden, werden auf die Straße geschickt mit dem Hinweis, allabendlich den Obdachlosennotruf anrufen zu dürfen. Doch auch diese Plätze reichen nicht aus. Die Botschaft nach außen ist klar: Kommt nicht nach Frankreich!

Für uns hat sich in diesen eineinhalb Jahre der Blick auf Deutschland gewandelt.  Wir beobachten mit großem Respekt, wie dort versucht wird, jedem Asylbewerber ein Dach über dem Kopf - und sei es nur ein Zelt - Nahrung, Kleidung und medizinische Notversorgung zu geben.

Und noch etwas ist bewegend: Da hat ein Mann, dem in Teheran eine gut gehende Fabrik gehörte, alles riskiert, weil sein Glaube an Christus ihm unverzichtbar war. Welche Botschaft an uns, die es nicht viel kostet, uns Christen zu nennen!

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