Thai-Ladies und Farangs in Pattaya

Ganz normale Paare?
Ungleiches Paar in Pattaya

Foto: picture-alliance

Wer ist hier von wem abhängig? Man sollte keine Beziehung von vornherein in eine Schublade stecken

Ein älterer europäischer Mann Hand in Hand mit einer Thai, die seine Enkelin sein könnte – in Pattaya ein alltägliches Bild. Auf der Strandpromenade, aber auch im Begegnungszentrum unserer Gemeinde. Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Sextourismus, Armut und Abhängigkeit werden ausgenutzt. Ein Ausbeutungsverhältnis, das ich nur ablehnen kann.

Annegret Helmer ist Auslandspfarrerin am Badeort Pattaya in Thailand.
Foto: Privat
Als Pastorin begegne ich hier seit fünf Jahren deutschen Männern, die in Thailand ein spätes Glück suchen. Freundinnen in Deutschland fragen mich: Wie hältst du das aus, all diese Männer, die sich dort ­billig Frauen kaufen? Ich frage dann zurück: Und wie ist es in Deutschland? Auch dort kaufen Männer täglich millionenfach Sex – nicht selten bei Zwangsprostituierten, die wie Sklavinnen leben. Als Pastorin versuche ich, kein Paar von vorneherein in eine Schublade zu stecken. Nur so kann Vertrauen wachsen, und ich kann auch kritische Fragen stellen, wenn ich merke, dass in einer Beziehung die gegenseitige Achtung fehlt.

Hier ist oft gar nicht so klar, wer eigent­lich von wem abhängig ist. Die „Thai-Ladies“ bewegen sich in ihrer eigenen Kultur entsprechend sicher und oft sehr selbstbewusst. Die Farangs, wie man die westlichen Ausländer hier nennt, sprechen meist kein Thai und verstehen viele kulturelle Regeln und Signale nicht. Manche sind im Alltag völlig auf ihre Partnerin angewiesen und werden leichte Beute für dubiose Ge­schäftemacher. Daneben gibt es natürlich auch langjährige Partnerschaften auf der Basis einer respektvollen, liebevollen, gewachsenen Beziehung.

In unserem Begegnungszentrum hat sich mit der Zeit eine Art Verhaltenskodex herausgebildet. Die Besucher achten genau darauf, wie andere mit ihren Thai-Partnerinnen umgehen, und weisen jemanden zurecht, der sich grob und anstößig ­äußert. Viele Männer haben gescheiterte Beziehungen in Deutschland zurückgelassen. Nach dieser bitteren Erfahrung wünschen sie sich jetzt eine harmonische Beziehung. Und spüren sehr genau, dass echtes Glück auch hier nicht käuflich ist.

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