Spenden von Rockern annehmen?

Wenn Rocker plötzlich ihr weiches Herz entdecken
Rockerfäuste

Rocker sind eher ­bekannt für geballte Fäuste als für geöffnete Hände. Aber diesmal?

Foto: Philip Gätz / Plainpicture

1000 Euro wollen die Brothers MC dem Kinder- und Jugendhospiz Bethel und dem Mädchenhaus Bielefeld spenden. Die möchten das Geld aber nicht haben. Zurecht?

Ja, meint Eduard Kopp. Wie schön, wenn das Gewissen der Jungs erwacht

Eduard Kopp

Eduard Kopp ist Diplom-Theologe und in der chrismon-Redaktion leitender Redakteur Theologie.
Nein, dieses Geld wollen die evangelischen Stiftungen in Bethel nicht haben. Mitglieder der Rockergruppe „Brothers MC Germany“ hatten angekündigt, während einer Charity-Party Geld für das Kinder- und Jugendhospiz Bethel zu sammeln. Sie waren sicherlich perplex, als ein Bethel-Sprecher sagte, das Geld nicht haben zu wollen. Einen Grund nannte er auch: Vermutlich wollten sich die Rocker den guten Namen der Diakonie zunutze machen. Über die geplante Sammlung hatten sie auch nicht zuvor mit den Stiftungen gesprochen. Viel Rockerlärm um nichts? Vielleicht. Abwarten.

Warum sollten Rocker nicht hin und wieder ein weiches Herz haben (wenn es das denn ist)! Sie hätten allen Grund dazu, etwas mehr Menschlichkeit in sich zu entdecken. Wenn sie aber wirklich Anstand hätten, würden sie die Spende diskret übergeben, also ohne darüber öffentlich zu schwadronieren. Anders sieht es bei der Spende aus, die der Betreiber des Kölner Südstadtbordells „Pascha“ einem Pfarrer aushändigen wollte. Da würde auch ich Nein sagen. Denn hinter diesen Tausendern stehen menschliches Elend und sexuelle Ausbeutung. Hier kann es nur heißen: Hört mit dem Bordellbetrieb auf!

Wo sind die moralischen Grenzen bei Spenden? Was ist mit der Kirchensteuer der Waffenproduzenten? Was mit den undurchschaubaren Gewinnen mancher Banken? Und nehmen die Kirche und ihre Stiftungen auch kein Geld von Umwelt­sündern oder von Kleiderproduzenten in Billiglohnländern? Bevor also eine Hypermoral um sich greift: Komplett sauberes Geld gibt es kaum. Bleiben wir also gelassen! 

Nein, meint Mareike Fallet. Denn Geld stinkt manchmal eben doch

Mareike Fallet

Mareike Fallet ist Redakteurin bei chrismon.
Da hat er recht, der Kollege Kopp, die Bordellspende geht gar nicht. Aber nicht nur die, auch die lautstark in sozialen Medien angekündigten rund 1000 Euro des „Brothers MC“ muss man nicht annehmen, finde ich. Abgelehnt hat neben dem Kinder- und Jugendhospiz Bethel auch das Mädchenhaus Bielefeld, und zwar weil die „rechtsradikalen und menschenverachtenden Äußerungen“ nicht mit den Zielen des Vereins vereinbar seien.  

Der Brothers-Rocker Tim K., Initiator des „Charityevents“, Expolizist, Hassbürger und Merkel-Beschimpfer, pöbelt auf seiner Facebook-Seite gegen Flüchtlinge und geriert sich ­nun als verkannter Wohltäter. Es sei wenig menschlich, den Bedürftigen das Geld vorzuenthalten. Die verschmähten Spenden will er bei Kinderkrebshilfe und Tierschutz abgeben.

Man kann – etwa bei Kirchensteuern – in der Tat nicht jede Münze umdrehen und gucken, von wem sie kommt. Aber wenn man beeinflussen kann, wessen Geld man annimmt, und einem Gesinnung und Profilierungsgehabe der Geldgeber nicht geheuer sind – Chapeau für den Mut, eine Spende auch mal abzulehnen! Der Shitstorm, der nun über den beiden Bielefelder Einrichtungen wütet, ist enorm, das muss man erst mal aushalten; denn natürlich sind die Vereine auf Spenden angewiesen.

Auch das Kinderhospiz Mitteldeutschland hat aus ähnlichen Gründen die angekündigte Spende von 500 Euro eines Rechtsradikalen zurücküberwiesen. Pecunia non olet ­– Geld stinkt nicht? Doch, manchmal schon. 

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