Jürgen Klopp über Martin Luther als Vorbild

"Ich mag Luther"
Jürgen Klopp

Torsten ZImmermann

Was wir von ihm kennen, sind Titel, Trophäen und witzige Kommentare. Jetzt hat der Fußballtrainer noch einen Titel – er ist einer der Botschafter fürs Reformationsjubiläum
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Jürgen Klopp ist einer der populärsten Fußballtrainer in ­Europa. Was ihn von vielen Kollegen unterscheidet, ist die Fähigkeit, über Fußball fast wissenschaftlich zu dozieren und sich gleichzeitig wie ein Kind zu freuen oder zu ärgern. Klopp steht für Erfolge, für Emotionen und Entertainment. Grundlage dafür ist seine öffentlich kaum bekannte, ernste und nachdenkliche Seite. Und der Glaube. Für viele Spitzensportler bedeutet „Glaube“ der unbedingte Glaube an die eigene Stärke. Für Jürgen Klopp steht das Wort für den Glauben an Gott. Dabei geht es nicht um Unterstützung in einem wichtigen Spiel, sondern darum, ­sich bei all dem extremen Leistungsdruck selbst wiederzufinden. „Der Glaube an Gott“, sagt der gebürtige Stuttgarter, „ist wie ein Fixstern, der immer da ist.“

Klopp kennt alle Seiten des Profifußballs. Als Trainer hat er mit Borussia Dortmund das Champions-League-Finale in London erreicht. Er war Meister, Pokalsieger und hat deshalb die freie Auswahl auf beinahe jeden prominenten Trainerjob. Aber er hat auch den staubigen Alltag in der zweiten ­Liga erlebt. In Mainz, bei den 05ern. Erst als Spieler, danach, mit nur 34 Jahren, als Trainer. Der FSV Mainz 05 war ein vergleichsweise armer Club, für den es zu dieser Zeit schon ein Riesenerfolg war, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Was selten genug vorkam.

Martin Luther als Vorbild

Klopp, Jahrgang 1967, war früh klar, dass er seinen eigenen, einen für die Branche untypischen Weg gehen muss. Er selbst war ein durchschnittlich begabter Spieler, der nie in der ersten Bundesliga gespielt hat. Sein Fazit: „Ich hatte das Talent für die Landesliga und den Kopf für die Bundesliga. Herausgekommen ist die zweite Liga.“ Ein Mann mit einem Diplom als Sportwissenschaftler, anfangs jedoch ohne gültige Trainerlizenz. Aber Klopp hat Visionen und bewundert Menschen, die den ihren auch gegen größte Widerstände treu bleiben. Und das gilt auch jenseits des Fußballplatzes.

Martin Luther etwa nennt er „ein Vorbild“. Und wie Jürgen Klopp eben so spricht: „Ich mag Luther, weil er für die Unter­privilegierten und Ausgeschlossenen gekämpft hat.“ Das kommt ihm locker und zugleich ernsthaft über die Lippen. Ein Fußballtrainer, der sich nicht scheut, über Religion und Glauben zu ­sprechen. Er ergänzt: „Der Glaube war nicht von Kindheit an gewiss, er ist irgendwann zu mir gekommen.“

Klopp fällt dies leicht, weil er niemanden überzeugen will und muss. Es sind seine persönlichen Gedanken. Er weiß, worüber er redet. Seine Art, religiös zu sein, am kirchlichen Angebot teil­zuhaben, spielt sich fernab der TV-Kameras im Privat­leben ab. Wer ihn aber nach dessen Bedeutung für seine Persönlichkeit fragt, bekommt eine klare Antwort: „Der Glaube führt mich durchs Leben, ist meine Leitlinie und Reißleine.“

Ernsthafte Arbeit, lockere Atmosphäre

Jürgen Klopp ist seinen Weg mutig und entschlossen ge­gangen. In die Köpfe und die Herzen fast aller Fußballfans gelangte der Schwabe als 05-Trainer jedoch ausgerechnet in den Momenten der größten sportlichen Enttäuschungen. Zweimal in Folge verpasste der FSV denkbar knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Der Coach ließ seinen Emotionen freien Lauf. Klopp perfektionierte seinen Stil – ernsthafte Arbeit in lockerer Atmosphäre – und führte Mainz in die höchste deutsche Spielklasse.

Er wurde zum Kandidaten für die Branchenführer. Borussia ­Dortmund engagierte ihn. Und er machte den BVB zum Hauptkonkurrenten des schier übermächtigen FC Bayern. Bis heute hält sich die Geschichte, dass die Münchner selbst an einer Verpflichtung des aufstrebenden, positiv verrückten Trainers interessiert waren. Ein Chefcoach mit Dreitagebart, der so redet wie ein Fußballfan, war dem Rekordmeister aber angeblich nicht ganz geheuer.

Ohne erhobenen Zeigefinger

Der Job des Fußballlehrers geht heutzutage weit über die Arbeit mit einer Mannschaft hinaus. Fans, Medien, Verein, Berater – ein Leben in der totalen Öffentlichkeit. Fußball immer und überall? Nicht für den Familienvater Jürgen Klopp. Die enormen Sympathiewerte hat er sich mit seiner kommunikativen Art und den sportlichen Erfolgen erarbeitet. Zuletzt stand Klopp im Mai 2016 mit dem FC Liverpool im Finale der Europa League. 

Was ihn jedoch in besonderer Weise auszeichnet, ist seine ­Fähigkeit, die wirklich wichtigen Dinge nicht aus den Augen zu verlieren und klar Stellung zu beziehen. Klopp macht dies ohne erhobenen Zeigefinger und mit passendem Querverweis: „Martin Luther wieder in ­unser Bewusstsein zu rufen, passt ­gerade jetzt sehr gut in unsere Zeit, in der wir viel darüber diskutieren, ob wir Menschen ­Zuflucht ­bieten oder sie ausschließen sollten.“

Weder als Trainer noch als Privatmensch hält der Schwabe wortgewaltige Reden gegen Diskriminierung und für Gleich­berechtigung. Er lebt es einfach. Ganz im Sinne der großen Vorkämpfer. Als evangelischer Christ weiß er sehr genau, wie viel Martin Luther unter anderem „dafür riskiert hat, damit wir ein positives Gottesbild haben können und damit Menschen ihren Glauben ohne Angst und mündig leben können“. 

Wie viele andere Prominente hat sich Jürgen Klopp für einen speziellen, eigenen Weg entschieden, zu unterstützen und zu helfen. Manchmal spontan, immer unbürokratisch. Dabei hat er nicht das geringste Interesse an öffentlicher Wahrnehmung oder gar an Effekthascherei vor aller Augen. 

Gefühle spenden

Oftmals wissen die Empfänger gar nicht, dass eine so populäre Person hinter der Spende steckt. Ja, die anonymen Aktivitäten sind auch dem Selbstschutz geschuldet. Bekannte und beliebte Leute bekommen unzählige Anfragen und sollen sich ständig rechtfertigen, warum sie das eine getan und das andere gelassen haben. Jürgen Klopp hat diesen Konflikt auf seine eigene, kreative Weise gelöst. Er versucht, Gefühle zu spenden. Jeden Tag.

Ein Star, der mit allen Leuten  in seiner Umgebung so umgeht, dass sie Freude empfinden. In einem Interview mit dem ZEIT­magazin hat er seine Einstellung so erklärt: „Für mich heißt das, auch wenn das pathetisch klingt, den Ort, an dem ich bin, ein wenig besser zu machen. Es ist mir in ganz vielen Situationen wichtig, dass es den Menschen um mich herum gut geht.“ 

Das klappt nicht immer. Fans der gegnerischen Mannschaft wissen: Die 90 Minuten während eines Fußballspiels sind ­davon ausgenommen. Der Trainer Jürgen Klopp ist schließlich fürs Gewinnen angestellt. Danach ist er wieder für alle da.

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Lesermeinungen

Profifußball ist ein gesellschaftlich wichtiger Faktor - auch in + für Deutschland! Soweit so gut! Aber eine "chrismon-Spezialausgabe mit diesem Titelbild - NEIN - dieses Bild transportiert für mich nicht die Botschaft: 500 Jahre Reformation, wie auf der Titelseite genannt. Ich sehe hier die personalisierte Kommerzialisierung des Fußballs! Jedes andere Bild, sei es aus Architektur, Kunst, Ehrenamt etc., hätte mir viel besser gefallen.
V. R. Müller

Sehr gehrte Damen und Herren!

Um das Intresse der Leserschaft zu wecken, solte es gerade aus Christlicher Sicht, nicht unbedingt ein bekannter Zeitgenosse sein
Kann auch ein 0tto Normalbürger wichtig sein, um genau hinzuhören.

Mit freundlichen Grüßen

Ewald Menke