Studie: Konfirmation fördert Zivilgesellschaft

Konfirmation tut Allen gut
Fast 60 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie während ihrer Konfirmationszeit erfahren hätten, wie wichtig ihnen Einsatz für andere sei.
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Foto: imago / epd-bild

Konfirmanden vor dem Konfirmationsgottesdienst am 8. Mai 2011 vor der Kreuzkirche in Hannover.

Die Konfirmation leistet einer Studie zufolge über die kirchliche Sozialisation hinaus einen wichtigen Beitrag für die Zivilgesellschaft. Dieses Fazit zieht der Bamberger evangelische Theologieprofessor Henrik Simojoki aus einem Forschungsprojekt, an dem mehr als 28.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden in neun europäischen Ländern teilgenommen haben. "Das weit verbreitete Klischee, man lasse sich nur wegen der Geschenke konfirmieren und hake den Termin ansonsten ab, konnte in unserer Studie empirisch nicht bestätigt werden", heißt es in einer Mitteilung der Universität Bamberg vom Dienstag.

Zusammenhalt, prosoziales Handeln, Ehrenamt

Die Studie weise erstmals empirisch nach, dass die Konfirmandenarbeit Zusammenhalt schaffe, prosoziales Handeln fördere und zu ehrenamtlichem Engagement anrege. Fast 60 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie während ihrer Konfirmationszeit erfahren hätten, wie wichtig ihnen Einsatz für andere sei. "Besonders aufgrund der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, der Ausbildung einer Gemeinschaft und vor allem durch den eigenen Kontakt mit Ehrenamt während der Konfirmationszeit wollen sich viele ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden danach selbst engagieren", schreibt Simojoki.

Für den Inhaber des Lehrstuhls für evangelische Theologie mit Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik an der Universität Bamberg sind länderspezifische Unterschiede besonders aufschlussreich. So wollten nur elf Prozent der dänischen Befragten nach ihrem Festtag ehrenamtlich in der Kirche arbeiten, aber 32 Prozent der deutschen und 45 Prozent der finnischen. Die Studie zeige, dass die Konfirmanden die jugendlichen Betreuer als Vorbild nähmen: "Je mehr Ehemalige ehrenamtlich in der Konfirmationszeit mitwirken, desto größer ist die Motivation für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, sich nach der Konfirmation auch selbst einzubringen."

Henrik Simojoki ist Teil des deutschen Teams, das mit Wissenschaftlern aus neun europäischen Ländern die Nachhaltigkeit der Konfirmandenarbeit erforscht hat. Mehr als 28.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden, über 4.100 kirchliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen sowie 1.635 Konfirmationsgruppen in Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz sowie Polen und Ungarn haben anonymisierte Fragebögen für das Forscherteam ausgefüllt - zu Beginn und am Ende der Konfirmandenzeit sowie zwei Jahre danach. Das Projekt über Jugend und Religion ist damit eine der größeren europäischen Jugendstudien.

(epd)

Information

Konfirmation, Kommunion & Jugendweihe

Die evangelische Konfirmation ist seit dem 19. Jahrhundert in ganz Deutschland üblich. Der lateinische Begriff Konfirmation bedeutet "Befestigung" oder "Stärkung". Die Konfirmation bekräftigt das Sakrament der Taufe. Damit wird symbolisiert, dass der Mensch nach christlichem Glauben von Gott vollständig geliebt und angenommen wird.

In der Zeit um Ostern lassen sich fast alle getauften evangelischen Jugendlichen im Alter von 13 oder 14 Jahren konfirmieren. Die Zahl der Konfirmierten sank in den vergangenen drei Jahren, im Jahr 2014 waren es laut Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) rund 210.000 junge Menschen.

Im Konfirmationsgottesdienst gibt der Pfarrer den Konfirmanden einen Text aus der Bibel mit auf den Lebensweg. Sie sind nun mündige Mitglieder der Gemeinde, dürfen am Abendmahl teilnehmen, Taufpate werden und den Kirchenvorstand wählen.

In der katholischen Kirche wird die Taufe durch das Sakrament der Firmung bekräftigt. Mit der Erstkommunion nehmen junge Katholiken jedoch schon als Zweit- oder Drittklässler zum ersten Mal am Abendmahl und an der Beichte teil. Sie können dann auch schon Taufpate werden.

Die Firmung, die zwischen dem 12. und dem 17. Lebensjahr üblich ist, vollendet die Taufe. Der Pfarrer legt den Firmlingen die Hand auf den Kopf und salbt sie mit Öl. Gegenüber der Erstkommunion hat die Firmung als neuer Lebensabschnitt eine geringere Bedeutung.

In Ostdeutschland ist die vor 150 Jahren entstandene kirchenunabhängige Jugendweihe weiterhin populär. Das verbreitete Familienfest wurde in der DDR forciert. Die wichtigsten Anbieter von Jugendweihen sind der Verein Jugendweihe Deutschland, der Humanistische Verband Deutschlands und der Freidenkerverband.

Rund 36.000 Jugendliche nahmen 2014 nach Angaben des Bundesverbands Jugendweihe Deutschland an den Jugendweihefeiern teil, der bisherige Höchststand lag im Jahr 2000 bei rund 96.000. Nach einem massiven Einbruch steigen die Zahlen in den vergangenen Jahren leicht an. Die Kirchen lassen in der Regel niemanden zur Konfirmation, Erstkommunion und Firmung zu, der parallel an einer Jugendweihe teilnimmt.

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