7 Wochen Ohne 2016: Das macht die Herzen unserer Leser weit

Mein Sohn, die Sonne, ein neuer Tag
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Foto: Anna Thut

Sieben Wochen ohne Enge – so hieß die Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Viele Teilnehmer verrieten uns, was ihr Herz weit macht
Wenn meine alte Katze mich beim Heimkommen miauend begrüßt und beim Streicheln schnurrt.
Kathrin Vogler, Norderney
 
Wenn mein geliebter Sohn, 16, der seit eineinhalb Jahren an einer Depression leidet, lacht und lustig ist und seine Krankheit für kurze Zeit vergisst.
Anonyme Zuschrift
 
Mein spontanes Lächeln, das in meinem Gegenüber weiter aufblüht.
Franziska Laube, Zwickau
 
Morgens erst eine Runde Radeln, den Wind um die Ohren spüren. Das befreit und bringt mich in die richtige Stimmung. Ich freue mich auf die ersten warmen Tage auch in der Fastenzeit.
Rainer Bleek, Wächtersbach
 
Zeit mit meinen Enkelkindern (Kindern) verbringen zu dürfen.
Gerda Braun, Neubiberg

Der Ruf der Kraniche

Ein entspanntes Gespräch mit meinen zwei Töchtern oder ein schöner Abend mit meiner Frau nach einem hektischen Tag!
Stefan Weber, Bleicherode
 
Gemeinsam mit meinen Freunden zu lachen.
Steffi Müller, Hannover
 
Wenn die Kraniche, ohne Grenzen beachten zu müssen, in wunderschöner Formation über die Länder fliegen und rufen, dass sie da sind.
Annette Buß, Springe
 
Wenn mein Mann und ich Urlaub auf der Hallig machen und aus unseren eingekauften Vorräten Tag für Tag gemeinsam leckeres Essen zaubern.
Martina Haas, Kleinwallstadt
 
Das Lächeln meines zehn Monate alten Enkelkindes.
Birgit Nahr, Neuensorg
 
Ich pendle jeden Tag eine Stunde mit ­der Bahn zur Arbeit, um aus meiner geliebten Heimatstadt Regensburg nicht wegziehen zu müssen. Jedes Mal, wenn ich im Zug sitze und die Spitzen des Doms erblicke, bin ich glücklich und weiß, warum ich das tue.
Anonyme Zuschrift
 
Morgens, wenn der Sonnenaufgang ­seine Vorboten schickt, der Tag noch still und ganz jungfräulich vor mir liegt, kann ich tief einatmen. Diese Kraft für den Tag macht mein Herz weit.
Solveig Schmidt, Bobritzsch
 
Mein Herz wird weit und läuft fast über, wenn ich abends meiner Tochter begegne, die mich erschöpft in den Arm nimmt. Sie studiert Soziale Arbeit, leistet gerade ein Praktikum bei der Drogenberatung und arbeitet jedes Wochenende in einem Kinderheim. Sie trifft täglich Menschen am Abgrund, ist immer für andere da und hat für jeden noch ein ­Lächeln übrig.
Claudia K., Delbrück
 
Die Hilfsbereitschaft vieler Ehrenamtlicher in unserem Land. Meine wunderbaren Kinder und Enkel und die tägliche Begegnung mit ihnen. Mein Ehrenamt als Prediger der Evangelischen Kirche der Pfalz. Herrliche Gottesdienste in Gemeinden und in unserem Altenheim. Wunderbare, vorbildliche Menschen zu treffen, die Mut machen, den Glauben zu leben – und vieles mehr. 
Ernst Bähr, Mehlingen
 
Wenn mein vierjähriger Sohn mir sagt, dass er sehr gern später einmal zu meiner Beerdigung kommt. Mir Blumen ans Grab legen wird und seine vielen Kinder mitbringt! Nach einem ersten Entsetzen machen mir seine Gedanken das Herz weit, weil die Vorstellung, meine Kinder und Enkelkinder an meinem Grab stehen zu „sehen“, ja doch eigentlich wunderschön ist...
Anonyme Zuschrift
 
Wenn ich mitten im Stress, pünktlich zum Flughafen zu kommen, um die Dienstreise nach Russland anzutreten, einen Regenbogen über der Autobahn sehe und spüre, wie Gott mir seine Hand auf die Schulter legt, dann wird mein Herz weit... Wenn ich dann von der Reise zurückkomme, mein Auto mich im Parkhaus erwartet, ich dankbar auf die Begegnungen zurückblicke, mich an den Regenbogen erinnere und mich auf ein Willkommen meiner Lieben zu Hause freue... Wenn ich am nächsten Morgen durch die Feldmark jogge und dankbar bin, diesen Ausgleich zwischen Reisen und Homeoffice zu haben, dankbar, dass Gott Türen dafür geöffnet hat, dann wird mein Herz weit.
Petra Mai, Lehre

Zwei Generationen, drei Weltreligionen - eine Fami­lie

Mein Herz wird weit, wenn ein dunkler, wolkenverhangener Himmel plötzlich aufreißt und durch eine Wolkenlücke Sonnenstrahlen auf die Erde fallen.Mein Herz wird weit, wenn ich dankbar zurückblicken kann und die Hoffnung wächst.
Abschied und Hoffnung / In meinem Herzen immerdar / und in Gedanken bist Du nah. / Noch spür ich zärtlich Deine Hand, / denk oft an das, was uns verband. / Momente der Erinnerung / sind Perlen hier auf Erden, / so wie die Blüte will zur Frucht, / der Morgen Abend werden. / Das Leben zeichnet tief die Spur, / der Tod ist nicht das Ende, / Du gingst uns allen nur voran, / fern bis zur Zeitenwende. / Uns aber bleibt es Glaubens Trost, / den GOTT uns reichlich schenkt, / dass ER die Schritte einstmals auch / von uns nach Hause lenkt. / Der Ostersonne heller Glanz, / lässt Liebe niemals enden, / im Leben und im Tode ganz, / sind wir in SEINEN Händen.
Klaus H. Fischer, Fulda
 
Musik zu hören macht mein Herz weit. Selber Musik zu machen ebenso – mit Kindern im Grundschulalter oder früher im Kindergottesdienst. Mit den Senioren alte Volkslieder zu singen macht mir das Herz auch oft sehr weit. Und natürlich im Gospelchor, wenn Männer und Frauen sich bereichern und ergänzen. 
Eckhard Müller, Münster
 
Wenn ich sehe, wie es uns glückt, dass zwei Generationen verbunden mit drei verschiedenen Weltreligionen als Fami­lie zusammenleben, wird mein Herz weit. Die Erfahrung wünsche ich auch anderen.
Anonyme Zuschrift
 
Menschen, die mich anlächeln. Singen: im Chor, in der Kirche.  Radfahren durch die Feldmark vor und nach der Arbeit.
Rika Uhle, Burgwedel

Eine Krankenversicherung für 23 Senegalesen

Der nette Mitmensch, dem aufgefallen ist, dass ich meine Taschentücher und meinen USB-Stick habe fallen lassen und mir beides mit einem warmen Lächeln in die Hand gab.
Mareike Wanke, Hannover
 
Im Karneval wurde mir das Herz manches Mal weit, weil die Redner und Bands es immer wieder schafften, das ernste Thema der Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, mit Humor und doch ­mit Tiefe und Ernsthaftigkeit anzu­sprechen. Auf Kölsch: Da jing ejnem dat Hätz op. Dabei hat mich das Lied von den Bläck Fööss „Unsere Stammbaum“ besonders berührt, weil ein Wort darin besondere Erinnerungen in mir auslöst: das Wort „Pimock“. Als wir 1960 als Flüchtlinge aus der DDR nach zwei Jahren in verschiedenen Flüchtlingslagern eine Wohnung zugewiesen bekamen, waren wir für die Kölner erst mal Pimocke. ­Später wurden wir dann zu „Imis“ befördert. Das sind imitierte Kölsche. Wir waren nicht in Köln geboren, aber wir gehörten dazu. Im Lied hört sich das so an: „Un ich wor ne Pimock, hück laach ich met üch met.“ 
Das Lied zeigt, aus welchen Gegenden der Welt die Kölner kamen und kommen und wie sie alle Kölner wurden, wie die Stadt durch all diese Menschen reich geworden ist, ein weites Herz bekommen und sich bewahrt hat.
„Su simmer all he hinjekumme, / mir sprechen hück all dieselve Sproch. / Mir han dodurch su vill jewonne. / Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing. / Dat es jet, wo mer stolz drop sin.“
Mich beeindruckt das unerschütterliche Vertrauen, das dahinter steckt, das Vertrauen nämlich, dass diese Lebensart ansteckend wirkt: die Weit­herzigkeit und Offenheit, die Bereitschaft, Platz zu machen und zusammenzurücken, jeden auf seine Fasson selig werden zu lassen und zuzu­lassen, dass jeder Jeck eben anders ist. Zum Schluss sind alle zusammen Kölsche.
Klaus Niewerth, Kempen
 
Zu geben – meine Zeit, meine Zuneigung, meine Freude, meine Anteilnahme, mein Essen... – und alles dadurch wachsen ­zu fühlen.
Matthias Hermstein, Lieskau
 
Ich bin hier im Senegal verheiratet und l­ebe seit meiner Pensionierung mindestens sechs Monate des Jahres hier. Ich werde am Montag mit drei Menschen, senegalesischen Bürgern, zu einer Krankenversicherungsgesellschaft gehen und für insgesamt 23 Menschen – bis zu zehn gehen auf eine Versichertenkarte – eine Krankenversicherung abschließen. Das kann ich in diesem Umfang, da Freunde in Deutschland mir speziell dafür Geld mitgegeben haben. Die Freude der Menschen darüber, das macht mir das Herz weit und treibt mir wirklich Tränen in die Augen. Hier kann einem das Herz sehr oft weit werden.
Dorith Arlitt, zurzeit Dakar/Senegal

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