Datenkrake Facebook

Nackig im Netz
Facebook sammelt jetzt noch mehr Daten. Unserer Autorin reicht's

Foto: Sven Simon / imago

Hallo, Facebook. Du hast deine Geschäftsbedingungen ge­ändert. „In den Grundlagen zum Datenschutz“, schreibst du da, erhalten die Nutzer „ab sofort Tipps sowie Anleitungen dazu“, was sie tun können, um „Verantwortung“ für ihr „Erlebnis auf Facebook“ zu übernehmen. Ich übernehme gern Verantwortung für mein Tun und habe die Einstellungen so eingerichtet, dass nur meine wichtigsten Freunde mitlesen können, was ich so tue und was mir gefällt, danke.

Trotzdem schneidet das alles immer noch jemand Ungebetenes mit – nämlich du. Und damit, Facebook, bin ich bei einer mindestens genauso wichtigen Frage: Welche Verantwortung übernimmst du eigentlich? Du schreibst, wie du mir, basierend auf meinen Interessen, passende Informationen zukommen lassen kannst. Wie schön das klingt. Dabei meinst du: Werbung. Das ist dein Geschäftsmodell. Werbevermarktung. Ich darf dir zurückmelden, wie relevant ich die Werbung finde, die deine Algorithmen mir zugedacht haben. Das ist Marktforschung, die du gratis dazubekommst; denn noch besser als der Algorithmus weiß nur ich, was ich will. Außerdem erlaubst du dir, die Ortungsdienste meines Handys zu nutzen. Du speicherst künftig auch, was ich über andere Internetseiten anschaue – spionierst also außerhalb herum.

In deiner „Datenrichtlinie“ – du weißt genau, warum du sie nicht Datenschutzrichtlinie nennst – sprichst du ständig davon, dass ich ein angenehmes „Erlebnis“ bei dir haben soll. Das habe ich aber nicht. Du machst das, was ich bin, zu Geld. Und das fühlt sich unangenehm an. Es kursieren ein paar Tricks, wie ich möglichst wenig von mir preisgebe. Ich könnte dich, Facebook, künftig in einem anderen Browser aufrufen, dann könntest du nicht mitschneiden, ob ich anderswo nach „Urlaub in England“ suche oder mich über Pseudokrupp informiere. Ich könnte meine „Einstellungen“ so einstellen, dass du möglichst wenig von mir abgreifen kannst. Aber sicher bin ich nicht, ob du nicht doch irgendwelche Hintertürchen eingerichtet hast. „Du hast es in der Hand“, schreibst du mir, und wieder wälzt du Verantwortung auf mich ab. Aber in der Hand habe ich es nur, wenn ich mein Profil bei dir lösche. Und das mache ich jetzt. Tschüss, Facebook!

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