Reaktionen der Kirchen auf Terror

Die Kirchen in Frankreich und Deutschland sind erschüttert über die Anschläge in Paris
Menschen zünden am 14.11.2015 vor der Französischen Botschaft in Berlin Kerzen an.

Foto: dpa/Lukas Schulze

Die Kirchen in Frankreich und Deutschland haben mit Bestürzung auf die Terroranschläge in Paris reagiert.

Der Vorsitzende der katholischen französischen Bischofskonferenz, Georges Pontier, sprach am Samstag von einer bisher "unerreichten Barbarei". Der Pariser Erzbischof, Kardinal André Vingt-Trois, erklärte, Frankreich erlebe erneut den Schmerz der Trauer und müsse sich der Barbarei fanatischer Gruppen entgegenstellen.

"Meine Gedanken und meine Gebete sind bei den Opfern, ihren Verwandten, bei den Sicherheitskräften, den Krankenpflegern und bei unseren Regierenden", sagte der Erzbischof von Marseille, Pontier.  Kardinal Vingt-Trois kündigte an, am Sonntagabend eine Messe in der Pariser Kathedrale Notre-Dame zu halten, um der Opfer zu gedenken. Gleichzeitig appellierte er an alle, sich nicht der Angst oder dem Hass hinzugeben.

"Die Worte fehlen vor dem Horror und der Absurdität dieses Massakers"

Die Vereinigte Evangelische Kirche Frankreichs bat ihre Gemeinden, für die Menschen da zu sein. "Die Worte fehlen vor dem Horror und der Absurdität dieses Massakers", erklärte Pfarrer Laurent Schlumberger. Die Kirchen könnten nur anbieten, den Menschen zuzuhören, ihnen Trost zu spenden und sich für die Solidarität einzusetzen. In der Deutschen Evangelischen Christuskirche in Paris sollte am Samstagabend eine Andacht mit Gebet für die Opfer des Anschlags stattfinden.

Auch die beiden großen Kirchen in Deutschland reagierten entsetzt auf  die Anschlagsserie in der französischen Hauptstadt mit mehr als 120 Toten. "Wir sind tief erschüttert über die hasserfüllte Welle der Gewalt in Paris", erklärten der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Samstag. Die Anschläge von Paris seien letztlich "ein Anschlag auf alle Menschen und auf Europa".

"Wir beten für die Opfer"

"Als Christen und über Religionen und Weltanschauungen hinweg werden wir trotz des Terrors zusammenstehen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung von EKD und Deutscher Bischofskonferenz. "Wo die Worte über die unfassbaren Taten versagen, ist für uns Christen Zeit zu beten. Wir beten für die Opfer", erklärten Marx und Bedford-Strohm.

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) verurteilte die Anschläge als
"abscheuliche Aggression gegen Frankreich und Angriff auf die gesamte Menschheit". In einer Solidaritätsbotschaft an die Kirchen in Frankreich rief KEK-Generalsekretär Guy Liagre zugleich zu einer friedlichen Antwort auf die Tragödie auf. "Wir müssen weiterhin auf der Grundlage unseres christlichen Glaubens unsere Werte wahren," erklärte Liagre. Friedensförderung und Versöhnungsarbeit müssten gestärkt werden.

Gebete für die Opfer und ihre Familien

Auch evangelische Landeskirchen in Deutschland verurteilten die Terroranschläge in Paris und riefen zu Gebeten für die Opfer und ihre Familien auf. "Diese feigen Gräueltaten sollen in Europa Angst schüren und sind ein Angriff auf die Freiheitsrechte", sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Umso wichtiger werde es sein, dass Christen entschlossen in Respekt voreinander und in Achtung aller Menschen, egal welcher Herkunft oder Religion, lebten und handelten.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sagte, dem französischen Volk sei erneut
"unvorstellbares Leid" zugefügt worden. Er versicherte zugleich: "Wir werden uns nicht von Unmenschlichkeit, Hass und Gewalt bestimmen lassen." Man stehe in Anteilnahme und Solidarität an der Seite des französischen Volkes.

Hass dürfe nicht die Oberhand gewinnen

Die westfälische Präses Annette Kurschus erklärte, die Verbrechen von Paris zielten auf eine humane und freiheitliche Gesellschaft. Alle Menschen guten Willens, unabhängig von Religion und Weltanschauung, müssten jetzt gegen den Terror zusammenstehen. Hass dürfe nicht die Oberhand gewinnen. Auch der rheinische Präses Manfred Rekowski und der Landesbischof der evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, zeigten sich erschüttert über die Anschläge.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung und der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh riefen angesichts der Anschläge zur Besonnenheit auf. Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July forderte Christen, Juden und Muslime auf, gemeinsam ein Zeichen des Friedens aufzurichten, damit sich so etwas wie der Terror von Paris nicht wiederhole.

Auch der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, hat den Opfern der Terroranschläge von Paris sein Mitgefühl ausgesprochen. "Ich bin entsetzt über die grausamen und verbrecherischen Anschläge", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag in Bremen.

Es komme jetzt darauf an, sich nicht von diesen Verbrechen lähmen zu lassen. Die Bemühungen um den Dialog für einen Frieden im Nahen und Mittleren Osten müssten weitergehen. "Ich hoffe sehr, dass die Anschläge nicht zu einer pauschalen Verurteilung der in weitesten Teilen friedliebenden Muslime führen", betonte der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche.

(epd)

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