Pfadfinderin seit dem fünften Lebensjahr

"Pfadfinden heißt, seinen eigenen Weg durchs Leben zu finden"
Pfadfinderin Birthe Bröcker

Foto: Patrick Desbrosses

Birthe Bröcker war jahrelang als Pfadfinderin aktiv

Was wäre ich ohne die Pfadfinde­rei! Das merkte ich auch im Bewerbungsgespräch fürs Polizeistudium – die fragten so schnell, dass mir fast nur Beispiele aus der Pfadfinderei ein­fielen, weil ich da so viel erlebt habe. "Waren Sie schon mal in einer Situation, wo eine Person Hilfe brauchte?" Ich war 16, leitete eine Gruppe, ein Junge fiel von einer großen Baumschaukel. Oder sie fragten, ob ich mal was freiwillig gemacht habe, was ich nicht hätte machen müssen – ja, ich ­habe den Rettungsschwimmer gemacht, damit die Kinder mit mir schwimmen gehen können.

Ich begann mit fünf bei den Pfadfindern. Am Anfang war ich nur ein kleines Gruppenkind und gelobte, als ich mein erstes Halstuch verliehen bekam, dass ich auf meine Gruppenleiterin hören werde. Die war erst 14, aber in meinen Augen ein alter, erfahrener Hase.

Man bekommt bald Verantwortung bei den Pfadfindern. Ich musste mich oft überwinden, eine neue Aufgabe zu übernehmen. Aber wenn der Vorgänger mir erklärt hatte, wie das geht, dann wuchs ich da rein. Wir haben nun mal das Motto: "Jugend leitet Jugend." Also im Prinzip ­ohne Erwachsene.

"Ich glaube, ich bin strapazierfähiger als andere junge Frauen"

Du darfst total viel ausprobieren bei den Pfadfindern. Zum Beispiel ein Floß bauen aus Baumstämmen. Mit Feuer rumkokeln. Oder rauskriegen, was der dickste Baumstamm ist, den du mit der Axt noch durchkriegst. Natürlich zeigen dir Ältere, wie es geht, und passen auf dich auf. ­

"Wir brauchen ihre Stimme"

Heirnich Bedford-Strohm wünscht sich, dass die Jugend in der Kirche mehr mitbestimmen kann.

Man lernt spielerisch seine Stärken und Schwächen kennen, nicht unter Zwang wie in der Schule. Wie viele Kinder kann man beschäftigen als Gruppenleiterin? ­Bei mir waren es mal zwölf.

Und ganz wichtig: Was kann man für große Gruppen kochen? Es gibt ein klassisches Pfadfindergericht – Reis mit Ge­müse –, wir nennen es "Reis-Scheiß". Mochte ich überhaupt nicht als Kind. Als ich dann in das Alter kam, dass ich das Essen organisieren durfte, habe ich das Rezept modifiziert – keine roten Bohnen mehr, sondern nur leckere Gemüsesorten wie Mais und Paprika, dazu Sahnekäse und Streuselkäse.

Manchmal vergleiche ich mich mit anderen jungen Frauen: Was haben die nicht, was ich vielleicht durch die Pfadfinderei habe? Ich glaube, ich bin strapazierfähi­ger.

Ich gehe zur Not auch auf dreckige Toi­letten. Als ich nach dem Abi ein paar Monate in Südostasien war, hatte ich zum Teil Unterkünfte, da hätten andere nicht geschlafen. Ich brauche nicht so viel Luxus. Natürlich freue ich mich nach einem mehrtägigen Pfadfinderlager, mal nicht auf dem Boden sitzen zu müssen, sondern auf einer Couch.  

"Einmal Pfadi, immer Pfadi"

Pfadfinden heißt aber nicht nur, einen Weg durchs Gelände zu finden, sondern auch seinen eigenen Weg durchs Leben. Ohne die Pfadfinderei wäre ich bestimmt nicht so selbstständig. Ich habe immer ein Ziel vor Augen – jetzt das Studium bei der Polizei und danach das Ziel, als Kriminalkommissarin einen Einsatzbereich zu finden, der mir Spaß macht. Ich habe ­natürlich auch kleine Nebenziele, ich spiele ja Klavier und Fußball.

Pfadfinder

Pfadfinder sind toll ‒ aber was machen ­die eigentlich? Wie finde ich eine Gruppe, wo kann ich mitmachen?

Dieses Jahr, mit 21, habe ich ein neues Halstuch bekommen, das "Rentnerhalstuch". Wir Älteren dürfen dem Stamm helfen, aber wir haben nichts mehr zu sagen. Die Jüngeren entscheiden auch, ob ich auf Fahrten mitkommen darf, zum Beispiel zum Kirchentag. Wir sind jetzt die Erwachsenen.

Aber einmal Pfadi, immer Pfadi. Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, dass Leute im Park ihren Müll liegen lassen. Manchmal räume ich sogar den Müll von anderen weg. Und ich gehe weiterhin zu den Pfadfinderandachten, zum Beispiel im Advent, wenn das Friedenslicht weiterverteilt wird. Die meisten Erwachsenengottesdienste finde ich nicht so interessant. Da bin ich nur an Weihnachten.

Birthe Bröcker

Birthe Bröcker, 21, ist bei den Christlichen Pfadfindern (VCP), seit sie fünf ist. Da hat sie auch gern mal mit Feuer rumgekokelt. Jetzt wird sie Kriminalkommissarin.

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