Volker Jung auf der Frankfurter Buchmesse

Verlage sind keine Papierhändler
Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Jung ruft auf der Buchmesse zum Mitmachen in sozialen Medien auf.
Besucher auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr.

Foto: Hanno Gutmann

(epd) Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sieht in der Digitalisierung eine große Chance für die christliche Publizistik. Bei einem Rundgang auf der Frankfurter Buchmesse sagte Jung am Mittwoch, arrivierte Medien - auch die evangelischen - könnten mit ihren Angeboten ein "Orientierungs-Rettungsring" in einer Zeit sein, in der die Menschen über soziale Medien wie Facebook und Twitter einem Überangebot an Nachrichten "oft zweifelhafter Güte ausgesetzt" seien.

Evangelische Zeitschriften und Fachverlage stünden vor einer großen Herausforderung. "Was dabei für weltliche Zeitungshäuser gilt, sollte auch hier gelten: Verlage sind keine Papierhändler, sondern Informations-Aufbereiter", sagte Jung, der Mitglied im Aufsichtsrat des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) ist. Der Kirchenpräsident sprach auf der weltgrößten Buchmesse auf Einladung des Evangelischen Medienverbandes in Deutschland (EMVD) mit Vertretern konfessioneller Verlage und informierte sich über die Flüchtlingsinitiative "Bücher sagen Willkommen".

Jung ermunterte die evangelischen Christen, "für ihre Kirche und ihren Glauben in Facebook, Twitter und Co. einzustehen und dort im wahrsten Sinn des Wortes Profil zu zeigen". Die Entwicklung verlaufe stürmisch. "Wir beginnen gerade erst richtig zu begreifen, wie sehr die digitale Welt die Menschen prägt und wie dies für unsere Verkündigung und unsere Öffentlichkeitsarbeit auswirkt."

Es stellten sich Fragen wie: "Was bedeutet Gemeinde und Gemeinschaft im digitalen Raum? Kann man sich via Social Media segnen lassen?" Möglicherweise markierten sie für die Kirche und die gesamte Gesellschaft einen "neuen, tiefen Generationenbruch. Ich kann mir vorstellen, dass zum Beispiel in Zukunft interaktive Gottesdienste via Internet so selbstverständlich sein werden, wie heute die ARD- oder ZDF-Fernsehgottesdienste."

Der Kirchenpräsident betonte, das gedruckte Buch werde insbesondere in der Belletristik noch auf längere Sicht eine wichtige Rolle spielen. "Es ist einfach schöner und sinnlicher, einen Band aus Papier in die Hand zu nehmen als ein elektronisches Gerät", sagte Jung."Was Nachschlagewerke oder Zeitungen angeht, geht es aber sehr in Richtung Digitalisierung."Er lese Zeitungen inzwischen meistens auf dem iPad.

Der EMVD ist ein Zusammenschluss von derzeit 41 Verlagen, Medien- und Presseverbänden, Buchhandlungen, Büchereien sowie kirchlichen Trägern publizistischer Organe. Mit der Geschäftsführung ist das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) betraut. Die zentrale Medieneinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland trägt auch die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über Ihre Meinung. Bitte beachten Sie unsere Netiquette!