Klimapilgern nach Paris

Schöpfung bewahren
Klima-Pilgern

Foto: Philipp Guelland/Getty Images

Gemeinsam zum Klimagipfel nach Paris pilgern: Bischöfin Petra Bosse-Huber, Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD und Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit über die Bewahrung der Schöpfung und den Auftrag der Kirche.

Frau Bosse-Huber, bis zum November heißt es nun: Klimapilgern ­ von Flensburg nach Paris. Werden Sie auch mitwandern oder, richtiger: mitpilgern können?

Bosse-Huber: Ich hatte das ursprünglich geplant, doch leider ist mein Terminkalender einfach zu voll, was ich sehr bedaure. Ich wandere leidenschaftlich gern. Wandern, oder in diesem Fall eben pilgern, heißt für mich nicht einfach nur gesunde Bewegung, sondern es hat auch eine spirituelle Dimension: Wo bin ich jetzt mit meinem Körper, mit meiner Seele? Im Alltag hetzen wir oft durch den Tag, beim Laufen zu Fuß erleben wir uns ganzheitlich.

Und das gemeinsame Pilgern ist ein politisches Zeichen?

Bosse-Huber:
Ja, denn wir zeigen öffentlich und mit hoffentlich großer Breitenwirkung, dass der Klimawandel uns alle betrifft, Tag für Tag. Wir haben den Weg so gewählt, dass er an „Kraftorten“ vorbeiführt, also an Orten, die zeigen, es geht mit dem Klimaschutz ­ zum Beispiel einem Pfarrhaus im Passivhausstandard. Aber wir pilgern auch zu „Schmerzorten“, zum Beispiel zu Kohlekraftwerken, wo sich eben leider nichts bewegt hat.

Positive Beispiele?

Bosse-Huber: Wir haben ja in der evangelischen Kirche schon vor Jahren beschlossen, dass wir als Kirche unsere CO2–Emissionen bis 2015 um 25 Prozent reduzieren wollen, ausgehend vom Stand im Jahr 2005. Die Synode hat im November 2014 noch einmal zugelegt: Bis zum Jahr 2020 soll eine Verringerung von insgesamt 40 Prozent erreicht werden. Und das wirklich Tolle ist: Wir können beweisen, dass  es geht. Man kann so viel tun: für Gemeindefeste nur noch faire und regionale Produkte kaufen oder in kirchlichen Einrichtungen regelmäßig fleischlose Kost anbieten (z. B. „grüner Donnerstag“). Es geht, wenn man will: Das zeigen wir auch durch unseren Pilgerweg. Übrigens: Wir freuen uns auch über Radler, ich glaube, es gibt sogar Paddler, die sich angemeldet haben.

Sind Sie optimistisch, was den Klimagipfel in Paris angeht?

Bosse-Huber: Ganz vorsichtig optimistisch, ja. Der Druck ist einfach unglaublich groß. Die, nein, besser wir(!) müssen jetzt endlich handeln. Es kann nicht noch einmal so ein windelweicher Kompromiss herauskommen wie in Kyoto. Deshalb braucht es eine machtvolle politische Demonstration an die Welt. Und deshalb freue ich mich auch so, dass wir einen Ökumenischen Pilgerweg starten. Gemeinsam mit der katholischen und anderen Kirchen sind wir stärker. Ich hoffe auf wirklich viele Teilnehmende und eine große Wirkung in der Öffentlichkeit.

Passt das zusammen mit dem religiösen Auftrag der Kirche?

Bosse-Huber: Aber natürlich! Sie können fromm und politisch sein. Die Bewahrung der Schöpfung ist ein politisches und ein religiöses Ziel. Mir ist das neulich noch klarer geworden, als ich in Kambodscha unterwegs war: Ist das schön hier! Ich muss und will all meine Kraft dafür einsetzen, dass diese Schönheit trotz aller Bedrohungen erhalten bleibt, sie ist Teil der Schöpfung.

Petra Bosse-Huber

Petra Bosse-Huber, Jahrgang 1959, ist Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD und Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit.
Foto: epd-bild / Hans-Jürgen Vollrat

Information

Gemeinsam zum Gipfel pilgern:  Vom 30. November bis zum 11. Dezember treffen sich in Paris alle 195 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention zur 21. UN-Klimakonferenz, um ein neues Abkommen mit verbindlichen Klimazielen zu vereinbaren. In Nachfolge des Kyoto-Protokolls soll jetzt endlich eine neue verbindliche Klimaschutzvereinbarung getroffen werden. Die evangelische Kirche drängt auf dieses Abkommen und macht öffentlich Druck – zum Beispiel durch den Ökumenischen Pilgerweg von Flensburg nach Paris. Starttermin ist der 13. September.

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