Wie läuft’s mit dem Betreuungsgeld?

Seit einem Jahr gibt es das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder nicht in die Kita geben. Eine Studie des Deutschen ­Jugendinstituts will herausgefunden haben: Gerade „bildungsferne“ Eltern betreuen ihre Kinder lieber selbst und das ­Betreuungsgeld ist dafür ein Anreiz.

Foto: Georg Wendt/dpa/Picture-Alliance

chrismon: Die Diakonie hat das Betreuungsgeld immer wieder als Integrationshindernis bezeichnet. Haben Sie jetzt andere Erfahrungen gemacht?

Maria Loheide: Wir befürchten weiter, dass möglicherweise die Kinder nicht in die Kita kommen, die von einer frühen ­Förderung erheblich profitieren würden. Das bestätigt ja auch die Studie, auch wenn nicht ganz klar ist, wie verlässlich diese Zahlen sind. Allerdings sehen wir in unseren Kitas nur die ­Kinder, die kommen – und nicht die, die wegbleiben.

Ist es von Bedeutung, aus welcher Kultur Familien kommen?

Nein, die Inanspruchnahme und Integration ist inzwischen recht groß. Wir sehen das ja in den Kindergärten. Ich glaube, es wird in den nächsten Jahren noch selbstverständlicher ­werden, Kinder auch schon unter drei Jahren in eine Kinder­tageseinrichtung zu bringen.

Ändert die Kritik an der Studie für Sie etwas am Ergebnis?

Nein. Es ist eine sehr private Entscheidung, ob man sein Kind in die Kita gibt oder zu Hause betreut. Eltern tun das auch ohne 150 Euro vom Staat. Ich finde es falsch, staatliche ­Anreize setzen zu wollen.

Welche Pläne haben Sie für die Kitas der Diakonie?

Uns ist vor allem die Qualität in unseren 8600 Einrichtungen ein großes Anliegen: In der Anfangsphase ging es den ­Kommunen vor allem darum, möglichst viele Plätze für Kinder zu schaffen. Jetzt müssen der Schlüssel Erzieherinnen/­Kinder, die Gruppengrößen und auch die Räumlichkeiten ­verbessert werden.

Das kostet alles Geld.

Genau. Manche Finanzverantwortliche rechnen  damit, dass Kindergartenplätze aufgrund des demografischen Wandels  perspektivisch wegfallen – und dieses Geld wird erst dann für die verbleibenden Einrichtungen frei. Das ist meines Erachtens der falsche Weg. Wir müssen jetzt in die Qualität der Kitas, in Bildung, Erziehung und Betreuung investieren. Gute, bedarfsgerechte und flexible Kitas können dazu bei­tragen, dass junge Menschen sich eher für Kinder entscheiden und sind ein wichtiger Beitrag in die Zukunft unserer Gesellschaft.

Information

Maria Loheide ist sozialpoltischer Vorstand des Diakonischen Werkes der EKD. Sie ist unter anderem zuständig für Fragen der Armut, der Lage junger Menschen, der Pflege und Inklusion

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