Religion für Einsteiger: Sind die Wunder wirklich geschehen?

Wunderbare Geschichten
Jesus hat Tote zum Leben erweckt, Blinde geheilt. Wie soll das gehen? Solche Geschichten können Kopfzerbrechen bereiten

Foto: Michael Ondruch

„Wo ist denn nur das Liebesglück?“, fragt die Sängerin Katja Ebstein ­seit 1970 ihre Zuhörer. Als hätte sie es volkstümlichen Theologen abgeschaut, rät sie, sich auf positive Überraschungen gefasst zu machen: „Wunder gibt es ­immer wieder... heute oder morgen können sie gescheh’n.“ Ganz schön schnulzig und irgendwie auch merkwürdig. Was soll das überhaupt sein, ein Wunder? Sicher, manchmal sagt man: „Das ist ein wahres Wunder, dass die alte Kiste noch durch ­den TÜV gekommen ist“, oder: „Dass Nils das Abi geschafft hat, das ist echt ein Wunder.“ Aber damit will man oft nur ausdrücken, dass etwas der gewöhnlichen Erfahrung zuwidergelaufen ist, eben, dass man sich wundert – nicht, dass irgendwelche Naturgesetze außer Kraft ­gesetzt wurden.

In der Bibel, besonders im Neuen Testament, scheint das ganz anders zu sein: Dort erweckt Jesus Tote zum Leben, verwandelt Wasser in Wein und lässt von fünf Bro­ten und zwei Fischen 5000 Menschen satt werden. Heute würden viele Leute wahrscheinlich sagen: Solche Geschichten sind nicht zum Wundern, sie sind absurd und frei erfunden – eben, weil hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Henning Kiene ist norddeutscher Protestant und glaubt eigentlich nicht an Wunder - und doch hört er gerne zu, wenn ihm anderen von ihren ganz persönlichen, wunderbaren Erlebnissen erzählen.

Damit könnte das Thema erledigt sein, aber ganz so einfach ist es nicht: Die ­Wundererzählungen in der Bibel sind näm­lich nicht im leeren Raum entstanden, auch in anderer antiker Literatur ist davon die Rede. Der griechische Philosoph Philo­stratos erzählt zum Beispiel, wie der umherziehende Weise Apollonius von ­Tyana eine Tote auferweckte – ganz ähnlich wie Jesus in der Erzählung „Der Jüngling zu Nain“. Solche Ereignisse ­waren im Realitätsverständnis der damaligen Menschen also erstaunlich, aber durchaus im Bereich des Möglichen. Sie hatten gewissermaßen „Erfahrung“ mit solcher Art von Wundern.

Deshalb wurde die Frage nach der Plau­sibilität der Wunder auch erst in der Aufklärung so richtig problematisch: Carl Friedrich Bahrdt erklärte deshalb, Jesus sei auf Bauhölzern übers Wasser gegangen, die zufällig herumschwammen. Mitte des 19. Jahrhunderts vertrat David Friedrich Strauß die These, die Wundergeschichten seien teils als psychosomatische Heilungen zu verstehen, teils als Dichtungen der Menschen, die Wunder von Jesus erwarteten. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts kam Rudolf Bultmann zu dem Schluss, die Wunder seien über Jesus erzählt worden, um die Botschaft vom rettenden, helfenden Gott zum Ausdruck zu bringen.

Ist also nichts von dem, was damals stattgefunden haben soll, historisch nachweisbar? Dass die Wunder eins zu eins so passiert sind, wie es in der Bibel steht, schließen die meisten Theologen heute aus. Die Erzählungen sind nicht vom Einfluss anderer Geschichten zu trennen und auch nicht von dem, was die Gläubigen nach Jesu Tod als Ausschmückung dazuerzählten. Bis die Evangelien aufgeschrieben wurden, vergingen Jahrzehnte. Keiner der Evangelisten hat Jesus persönlich kennengelernt.

Auf der anderen Seite spricht einiges ­dafür, dass zumindest die Heilungsgeschichten und Dämonenaustreibungen ­einen historischen Kern haben: Sie kommen am häufigsten vor unter den Wundergeschichten. Außerdem sind von keiner anderen Person der Antike derart viele Wunder überliefert. Das ist wahrscheinlich kein Zufall und deutet daraufhin, dass ­Jesus tatsächlich Menschen geheilt hat.

Bewusst machen muss man sich dabei allerdings, dass die Namen, Symptome und Erklärungen für Krankheiten  immer gesellschaftlich bedingt sind: Wenn Jesus Blinde heilte, heißt dass nicht, dass die Hilfesuchenden zwingend in heutigem Sinne blind waren. Jede Art von Sehstörung kann gemeint sein. Genauso wird eine Gesellschaft, die mit Dämonen rechnet, auch dämonische Krankheiten hervorbringen.

Es hängt also ganz davon ab, was jeder Einzelne in seinem Realitätsverständnis unter einem Wunder versteht. So banal, wie es in dem Schlager klingt: „Wunder gibt es immer wieder, wenn sie dir be­gegnen, musst du sie auch seh’n.“

Lesermeinungen

Heute glaubt man oftmals lieber den Unsinn der Evolution, anstatt der Zuverlässigkeit der Bibel.
Selbstverständlich sind die Wunder damals so passiert wie es aufgeschrieben wurde. Nur weil es manchem "Vernunftsmenschen" schwerfällt daran zu glauben, besagt das nicht, dass es nicht so wahr.
Aber es ist zunehmends in der " modernen" Zeit so, dass vieles rationalisiert wird und an der Bibel solange "links und rechts gezupft wird" bis sie einem passt. Das fängt an, dass man dem Schöpfungsbericht nicht glaubt und geht weiter über die Wunder Jesu.
Wenn man die Wunder Jesu in Frage stellt könnte man auch seine Stellung als fleischgewordener Gott bzw. Sohn Gottes anzweifeln.
Dann ist imgrunde alles in der Bibel austauschbar und Interpretationssache.
Aber es läuft in unserer Zeit anscheinend immer mehr darauf hin, dass absolute Wahrheit aufgegeben wird zugunsten einem Selbstbedienungsglauben. Jesus Christus ist aber Wahrheit in Person und sein bzw. das Wort Gottes ist Wahrheit.
Die biblischen Berichte der Wunder sind keine Gleichnisse und sie handeln an konkreten Orten und im Rahmen konkreter Personen...es ist nicht " es war einmal"...
Es ist einfach zu verstehn, wenn Jesus Gleichnisse gebraucht, dass diese Dinge bilder und im übertragenen SInne gemeint sind. Das ist bei den Wundergeschichten definitiv nicht der Fall.

Jedesmal, wenn ein Mensch eine wesentliche Steigerung seiner Willenskraft und Liebe erreicht, kann er durch Beschäftigung mit Geistigem Heilen (zusätzliche) göttliche Kräfte aktivieren.
Es ist wichtig, dass der Mensch selber aktiv wird. Der Mensch muss in Zusammenarbeit mit Gott Wunder wirken. Siehe dazu u. a. die Werke C. G. Jungs, der sich auch intensiv mit Religion beschäftigt hat.

@ Leserin J.-S. Hildegard
Etwa im letzten Abschnitt steht: "Bewusst machen muss man sich dabei..." Aber, was ist "im heutigen Sinne blind", aha, "Jede Art von Sehstörung kann gemeint sein ", also auch die Blindheit der Psyche ? Und der zitierte Schlagertext im letzten Satz ? Zugegeben, auch mich stört der grausig verbanalisierte Stil, aber mit ein bisschen Phantasie findet man, was man sucht, und Übung macht den Meister. Wobei schon das gelbstrahlende Bild eine so starke Einbildungskraft erfordert, dass es mir die Schamesröte ins Angesicht treibt, doch bleibe ich hier standhaft.

@Iwan
Wenn Sie ihr Auto in der Garage lassen, lautet Ihre Weltanschauung, dass man zu Fuß besser unterwegs ist. Vielleicht haben Sie damit Recht. Eine Pascalsche Wette würde ich damit aber nicht eingehen wollen.

Im Übrigen scheint es mir nicht so, als ob Jesus eine neue Religion gegründet hätte. Dem christlichen (biblischen) Glauben nach, hat er die Religion vollendet, ähnlich wie die Poesie die Grammatik vollendet (ohne sie dabei überflüssig zu machen). „Da ist weder Jude noch Heide [noch Protestant, Kathole, Moslem oder Buddhist].“ Folglich sind Sie mit ihrer antireligiösen Haltung viel christlicher, als Ihnen vielleicht lieb ist.

Schreiben ist eine Art des Verweilens und Lao-tse sagte so schön: „Wer den Weg hat, weilt nicht dabei.“ Vielleicht hat Jesus deswegen keine Kommentare oder Bücher geschrieben, weil er den Weg hatte (oder der Weg ist?) und vielleicht muss ich es deswegen auch nicht tun.

Bei Ihrem Beitrag vermisse ich die tiefenpsychogische Deutung der Wunder als Heilsgeschichten, bei denen Menschen von seelischen Nöten und Defiziten befreit werden. Hier wird ein Blinder geheilt. Darunter stelle ich mir einen Menschen vor, der aus dem einen oder anderen Grund das Vertrauen in den Sinn des Lebens verloren hat und blind ist für Menschen und Dinge, die ihn umgeben, für ihren Reichtum und ihre Schönheit.
Die Erlösung von seelischen Leiden ist für mich mindestens ein ebenso großes, vielleicht sogar noch größeres Wunder, als die Heilung von körperlichen Krankheiten, aber dennoch leichter zu glauben.

Busking schrieb am 24. März 2014 um 21:43: "Ein Wunder, wie so ein Unwissender überhaupt in Oxford studieren und in Cambridge Professor werden konnte." Wenn jeder Prof, der systematisch Unfug redet und gerade dafür Reputation genießt, ein Wunder darstellt, dann gibt es noch viel mehr Wunder in der Welt als es mir meine schlimmsten Befürchtungen sagen. Das gilt nicht nur für Lehrende der Philosophie und englischen Sprache, die es zur christlichen Apologetik drängt. _____________________________ Zitat: "Sagen Sie bitte nicht, es geht auch ohne Religion, weil diese Behauptung wiederum eine Religion wäre". Wieso bin ich trotzdem mit dem Auto unterwegs, wenn ich es in der Garage stehen lasse? Sind Autos und Religionen so etwas wie Wurmbefall im Darm, den man trotz Bemühung nicht los wird? ________________________ Zitat: "Viel geholfen hat es anscheinend bisher nicht". Da liegen Sie ganz richtig. 2 000 Jahre Kritik am Christentum haben kein Ergebnis gezeitigt, das die fides triumphans jucken würde. Liegt das an der Vorzüglichkeit des christlichen Glaubens, der Mangelhaftigkeit der Kritik oder an ganz was anderem? ___________________ Zitat: "Was schlagen Sie vor?" Was mich betrifft, könnten wir gerne über die gottlosen Extremisten von links und rechts, die Brights, den Dawkins und sonstige unchristlichen Unholde diskutieren. Wir bekommen dann aber beide von der Redaktion den Bannstrahl: "Bleiben Sie bitte beim Thema!" Der Standardtrick, alle Topoi dann eben unter die Wunderthematik zu zwängen, ist mir zu albern. Deshalb schlage ich vor, dass wir an dieser Stelle in diesem Thread Schluss machen. Sie haben hoffentlich noch ein redaktionell erlaubtes Schlusswort frei. Gerne diskutiere ich wieder mit Ihnen, wenn Sie ein anderes der chrismon-Themen für lohnenswert erachten. Ich werde zur Stelle sein.

Mh, ja, vielleicht haben Sie Recht. Wir sollten nicht länger über solche Kleingeister wie Lewis sprechen. Er hat auch geschrieben „Warum ich kein Pazifist bin“, obwohl er doch im Krieg war; das muss ergo sicherlich ein ebenso großer Schmarren sein. Ein Wunder, wie so ein Unwissender überhaupt in Oxford studieren und in Cambridge Professor werden konnte.
Also Herr Iwan, ich kapituliere.
Wenn Sie eine neue Religion gründen, würde ich eventuell beitreten. Sagen Sie bitte nicht, es geht auch ohne Religion, weil diese Behauptung wiederum eine Religion wäre und so etwas wie eine „religionslose“ Nazi- oder Kommunistenreligion wie im letzen Jahrhundert brauchen wir ja nun wirklich nicht noch mal. Und bitte werden Sie nicht ganz so peinlich wie die Brights. Dann würde ich mir das wirklich überlegen.

Die Disziplin in der wir uns hier üben ist schon ein paar Tausend Jahre alt und die Liste der Christen-Skeptiker und -Spötter geht von C wie Celsus (150nChr.), der im Grunde ganz ähnliche Argumente hatte wie Sie, Herr Iwan, bis D wie Dawkins, über den wir ja sicherlich nicht mehr sprechen müssen. Viel geholfen hat es anscheinend bisher nicht, aber das Alphabet geht ja noch bis Z. Was schlagen Sie vor?

Busking schrieb am 22. März 2014 um 19:18: ""Qualität" meint im akademischen Sinne (Lewis war Akademiker) eine konkret definierte Eigenschaft einer Sache". Und worin besteht jetzt bitte die konkret definierte Vorzüglichkeit der Wunderheilungen Jesu gegenüber den abfallenden Wunderheilungen des römischen Kaisers? ______________________ Zitat: "Es gibt tatsächlich einige Milliarde Menschen im Jahre 2014, die an Wunder glauben". Da haben Sie vollkommen recht. Der Glaube marschiert weltweit. ____________________ Zitat: "aus jeder Gesellschafts- und Bildungsschicht." Auch uneingeschränkt richtig. Daraus lassen sich Schlüsse ziehen, worin Bildung besteht. ____________________ Zitat: "Dies als "peinlich" zu bezeichnen, hört sich etwas arrogant und weltfremd an." Ich entschuldige mich hiermit bei Ihnen in aller Form für meine Weltfremdheit, in Erwägung gezogen zu haben, Sie könnten vielleicht doch Zweifel an der Heilwirkung kaiserlicher Spucke haben. Ich freue mich, dank Ihrer Hilfe wieder dazugelernt zu haben. ____________________________ Zitat: "....nicht in Streitsucht sondern Liebe ...." Ja was ist denn jetzt bitte die Lewissche Feststellung von der qualitativen Überlegenheit der Wundertaten Jesu? Akademische Nüchternheit, Toleranz, Streitsucht, Liebe? Ich bitte um Aufklärung in dieser Angelegenheit. _____________________ Zitat: "Eine größere Aufforderung zur Toleranz als "Liebe deine Feinde" kenne ich übrigens nicht." Deswegen spielen auch die Heeresmusikkorps einer der größten Armeen dieser Welt am Ende großer Manöver im Rahmen eines Zapfenstreiches: "Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart; ich geb' mich hin dem freien Triebe, wodurch auch ich geliebet ward; ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken". Die Liebe ist offenbar das größte Wunder, das es gibt. Da ist sogar das Üben, wie man massenhaft Leute ins Jenseits befördert, ein Ausfluss von Toleranz. Dagegen ist die Wunderwirksamkeit kaiserlicher Körperflüssigkeiten matt. Es ist ein wundersam Ding mit den Wundern.

"Qualität" meint im akademischen Sinne (Lewis war Akademiker) eine konkret definierte Eigenschaft einer Sache und stellt nicht, wie im marktwirtschaftlichen Sinne eine Wertung dar. Eine Qualität von unreifen Tomaten ist z.B., dass sie grün sind.

Es gibt tatsächlich einige Milliarde Menschen im Jahre 2014, die an Wunder glauben; aus jeder Gesellschafts- und Bildungsschicht. Die Zahlen sind nicht rückläufig (glaubt man statistischen Erhebungen, dann steigen sie sogar). Dies als "peinlich" zu bezeichnen, hört sich etwas arrogant und weltfremd an. Ist es nicht viel wichtiger, gegenüber anderen Weltanschuung eine größtmöglichste Toleranz an den Tag zu legen und sich nicht in Streitsucht sondern Liebe zu üben? Eine größere Aufforderung zur Toleranz als "Liebe deine Feinde" kenne ich übrigens nicht.

Busking schrieb am 21. März 2014 um 12:11 und früher: "In der erwähnten Lektüre stellt Lewis einen Qualitätsunterschied von überlieferten Wundern fest." Wenn die Stiftung Warentest Waren, z.B. Klopapier testet, gibt sie an und bespricht dies im Regelfall vorher mit den konkurrierenden Produzenten, welche Eigenschaften, z.B. Reinigungswirkung, Feuchtigkeitsaufnahme und Papierdicke, in das Qualitätsurteil einfließen. Herr C. S. Lewis konnte nun den Wundertaten des Herrn Jesus durchweg hervorragende Qualität bestätigen, wogegen die Wundertaten der Konkurrenz von Zeus über Wotan bis Obelix mit maximal ausreichend, wenn nicht mangelhaft vorlieb nehmen mussten. Habe ich Sie soweit richtig verstanden, lieber Herr Busking? Jesus ist somit der Lieblingswundertäter der Deutschen, ohne dass der ADAC an der Umfrage beteiligt gewesen wäre. _____________________________ Da stellt sich freilich die Frage nach den Qualitätsmaßstäben. Ein "Ausgezeichnet" für Jesus, weil er Kranke geheilt hat? Das wäre sehr ungerecht gegenüber Kaiser Titus Flavius Vespasianus. Der hat auch einen Blinden sehend gemacht und einen Gelähmten geheilt. Woher ich das so genau weiß? Es steht bei Tacitus und Sueton. Ob es sich dabei vielleicht um Propagandamärchen zur höheren Ehre des Kaisers handelt? Ist es nicht vielleicht einfach nur noch peinlich, im Jahre 2014 tatsächlich daran zu glauben, dass die auf das Augenlid des Blinden aufgebrachte kaiserliche Spucke das Augenlicht wiedergebracht hat? Darüber könnte man nachdenken. Und dann bitte nicht mit dem Nachdenken zu früh aufhören. ____________________________ Zitat: "Zauberringe schenken reich gedeckte Tische." Für dieses Wunder soll es nur das Testurteil Mangelhaft geben. Die Brot- und Fischvermehrung des Herrn Jesus fährt hingegen volle Punktzahl ein. Also mir wäre es völlig wurscht, ob der Wundertäter mit einem Zauberring hantiert oder ob er Fische und Brot als Zaubermaterialien benutzt. Hauptsache, es kommt was auf den Tisch und ich muss es nicht bezahlen. ___________________ Zitat: "Verzeihung für den "unsachlichen" Anklang". Bei mir müssen Sie sich nicht entschuldigen. Ich habe nichts dagegen, wenn Sie so schreiben, wie Sie möchten. Ich habe allerdings in dieser Frage nichts zu bestellen.

Schon längst gehört es wohl zu den vermeintlich guten Tönen vor allem von sogenannten liberalen Theologinnen und Theologen auch hierzulande, nicht zuletzt den Wundergeschichten der Bibel ihren Wahrheitsgehalt abzusprechen. Darum, um die Legitimität dieses Standpunktes als solchem also, darf es freilich in einem Land wie unserem niemals gehen, wohl aber um etwas anderes: Ich finde es schon traurig, wenn sich ein "christliches Magazin" daranmacht, das Thema in beinahe dramatischer Kürze, ja in einer Art Parforceritt, abzuhandeln. Da werden schnell einige der herkömmlichsten Argumente hervorgeholt, etwa jenes, wonach keiner der Evangelisten Jesus persönlich gekannt habe, und fertig soll der Lack sein. Wenigstens konsequent mutet es dann immerhin an, wenn auch die Bultmannsche Entmythologisierung in nur einem einzigen Satz dahergeschrieben kommt, obschon auch ihr damit zweifelsohne schlecht gedient sein dürfte. Was daher für mich, übrigens einen von der Wahrheit auch der Wunder überzeugten Christen, nach der Lektüre Ihres Artikels übrigbleibt, ist lediglich der Wunsch, Ihnen auf diesem Wege zu schreiben: Ich stoße mich nicht an dem Ob, wohl aber an dem Wie der von Ihnen aufgegriffenen Diskussion!

für den "unsachlichen" Anklang. Es war heiter und nicht böse gemeint.

In mitteleuropäischen Breitengraden will i.d.R. niemand missioniert werden - egal von welcher Partei; zumindest schafft das nur selten Sympathien. Man sollte auch nicht vergessen, dass man mit Sachargumenten keine Herzen erreichen kann.

Gerne noch mal für den schrecklichsüßen Iwan:)
In der erwähnten Lektüre stellt Lewis einen Qualitätsunterschied von überlieferten Wundern fest. Dadurch muss man sich nicht in seinem persönlichen Intellekt angegriffen fühlen.

Jede Weltanschauung, ob kirchlich, wissenschaftlich materialistisch-deterministisch, oder wie auch immer geprägt, ist potentiell religiös. Je mehr jemand das verneint, desto absolutistischer religiös. Und es scheint, als ob der missionarische Iwan hier einen Feldzug starten will.

//Anmerkung der Redaktion: Bitte bleiben Sie sachlich.

Glaube hat tatsächlich etwas mit glauben zu tun. Allerdings ist Glaube mehr als ein für möglich halten, oder ein für nicht möglich halten und trotzdem glauben.
Wer an den Gott der Bibel glaubt und versucht diesen Glauben zu leben, der erlebt auch heute in unserer aufgeklärten Zeit Wunder. Dies geht von ganz einfachen Erlebnissen des täglichen Lebens bis Heilungen von Kankheiten die von Ärzten diagnostiziert wurden und an deren Vorhandensein kein Zweifel bestand.
Daneben darf man sicherlich alle Aussagen der Bibel in Frage stellen. Man darf dann nur für sich selbst nicht in Anspruch nehmen ein gläubiger Christ zu sein. Selbst dann nicht, wenn man Theologe ist.
Die Frage ist, wollen wir glauben, dass Gott diese Welt erschaffen hat. Kraft seiner Gedanken? Wenn wir das glauben, wäre es eher unwahrscheinlich, dass Jesus Christus Menschen nicht geheilt haben könnte.
Herzliche Grüße und Gottes Segen

Busking schrieb am 19. März 2014 um 15:50: "ist der rezitierter Gedanke von C.S.Lewis -denke ich- gut nachzuvollziehen" Das ist zutreffend. Und der Nachvollzug des Gedankens ergibt seine Irrigkeit. Nicht wegen meines bösartig widerstrebenden Herzens, sondern wegen des Inhalts der Lewis-Busking-Koproduktion. _________________________ Zitat: "hat Jesus also lediglich Naturgesetze beschleunigt oder verstärkt". Ohne dem Gottessohn zu nahe treten zu wollen, ein Naturgesetz lässt sich weder beschleunigen noch verstärken. Was man über Oberflächenspannung weiß, schließt aus, dass der Mann aus Nazareth, auch nicht gegen 3 Uhr morgens, zur vierten Nachtwache also, über das Meer zu den Jüngern geht. Da muss der Retter der Welt sich schon tüchtig über die Naturgesetze hinwegsetzen. Naturgesetze kann man im Gegensatz zu den Gesetzen des Bundestages eben nicht dehnen, eigenartig interpretieren oder trickreich unterlaufen. Das Hinwegsetzen über Naturgesetze gelingt nur Asterix, Gott, Dagobert Duck und ähnlichen respektheischenden Persönlichkeiten.

"Sollte also heißen, es handelt sich um etwas Natürliches."
(In meiner Unverfrorenheit, zitiere ich mich selber.)

Auch wenn man gegorenen Traubensaft nicht als Wein bezeichnen möchte, ist der rezitierter Gedanke von C.S.Lewis -denke ich- gut nachzuvollziehen, wenn man denn will. Wenn man nicht will, dann natürlich nicht. Was dem Herzen widerstrebt, lässt bekanntermaßen der Kopf nicht ein, wie ein schopiger deutscher Philosoph sagte.

Busking schrieb am 19. März 2014 um 11:13: "Gärung ist tatsächlich etwas, das auch ohne dem Hinzutun von Winzern passiert." Das ist unbestritten. Auf der Schale der Beeren sitzen wilde Hefen, die bei einer Verletzung der Beere ins Innere gelangen und eine Gärung in Gang setzen können. Dann hängt am Rebstock eine Beere, die von manchen Vögeln bevorzugt, von anderen überhaupt nicht gefressen wird. Ihr Super-Rebstock hinter Ihrem Haus, zu dem ich Sie selbstverständlich beglückwünsche, erzeugt jedoch Wein aus Grundwasser. Weinerzeugung ist etwas anderes als den Inhalt einiger angeschrumpelter Weinbeeren irrtümlich als Wein zu deklarieren. Nur weil der Vorgang ein natürlicher ist, sind die paar Milliliter angegorener Saft noch kein Wein.

@ Iwan der Schreckliche
Ich habe solche Rebstöcke hinter meinem Haus stehen. ;)
Gärung ist tatsächlich etwas, das auch ohne dem Hinzutun von Winzern passiert. Sollte also heißen, es handelt sich um etwas Natürliches.

Der sarkastische Unterton kommt mir allerdings so vor, als geht es hier mehr um Befindlichkeiten als um konstruktives Beitragen.

Busking schrieb am 18. März 2014 um 12:10: "Aber verwandelt der Rebstock nicht ganz alleine jedes Jahr Grundwasser in Traubensaft und diesen durch Gärung in Wein?" _______________________ Wer einen solchen schönen Rebstock kennt, kann den sofort für ein paar Millionen Euro einem Winzerverband verkaufen. Rebstock in Grundwasser stellen und schon fließt der Wein aus dem Rebstock. Und da verkünsteln sich die Winzer mit Anbau, Lese, Kelterung und Weinausbau statt sich von Jesu Wundertaten inspirieren zu lassen.

"Ich kann nur das tun, was ich Gott tun sehe.", sagte Jesus.
"Wenn man so will, findet man Gott in den Naturgesetzen.", sagte Stephen Hawking.

Die Wunder Jesu weisen eine verblüffende Qualität auf, die zu einem krassen Kontrast zu den Wundern in heidnischen Sagen stehen. Bei Ovid oder in Grimms Märchen fangen Bäume an zu sprechen, Menschen verwandeln sich in Schlangen, Zauberringe schenken reich gedeckte Tische etc.

Jesus verwandelt aber den Stein eben nicht in ein Brot (Matth. 4,3); das wäre zwar übernatürlich, aber widernatürlich.

Stattdessen berichten die Evangelien, dass Jesus Kranke heilte. - Aber werden nicht jede Woche kranke Menschen von ganz alleine wieder gesund? Abwehrkräfte mobilisieren sich, Wunden schließen sich, Zellen erneuern sich. Ein Wunder!

Jesus soll Brote und Fische vermehrt haben. - Aber vermehrt sich Korn und Fisch nicht jedes Jahr von ganz alleine auf den Feldern bzw. im Wasser? Noch ein Wunder!

Jesus soll Wasser in Wein verwandelt haben. - Aber verwandelt der Rebstock nicht ganz alleine jedes Jahr Grundwasser in Traubensaft und diesen durch Gärung in Wein?

Jesus soll auf dem Wasser gelaufen sein. – Nutzen nicht auch andere Lebewesen die Oberflächenspannung des Wassers um darauf zu laufen?

Wenn man so will, hat Jesus also lediglich Naturgesetze beschleunigt oder verstärkt. Natürlich bleiben es trotzdem Wunder, die Glauben abverlangen. Schließt unsere Weltanschauung das Übernatürliche allerdings a priori aus, werden wir die erstaunlichsten Dinge niemals Wunder nennen.

(s. "Miracles" von C.S. Lewis)

Thomas Jakob schrieb am 17. März 2014 um 15:38: "z. B. der Fischzug des Petrus". Jesus wird im NT zweimal in fischereiwirtschaftlicher Hinsicht auffällig. In Lukas 5, 1-11 beeindruckt er die erfolglosen Berufsfischer mit einem heißen Tipp. Dummerweise fragten weder der damalige Geschichtenerzähler noch fragen die heutigen Pfarrer, wie der Herr denn auf seinen schlauen Einfall gekommen war. Das war allerdings weder damals noch heute nötig. Die Leser und Hörer sollen nämlich weder jetzt noch sollten sie vor 2 000 Jahren ermuntert werden, zutreffende Gedanken zu Fischereitechniken zu entwickeln. Sie sollen jeweils in Erstaunen darüber gesetzt werden, was für ein toller Hecht Jesus doch sein muss. Wozu soll dieses Erstaunen dienen? Na klar, um dem Herrn nachzufolgen. Damals wie heute. Und worin besteht die Nachfolge? Darin, weitere Menschen im Netz des Glaubens einzufangen, bis die wie gefangene Fische nicht mehr entkommen können. Und das hat damals wie heute prächtig hingehauen. ________________________ In Johannes 21, 3-15 zieht Jesus noch einmal eine ähnliche Show ab. Diesmal geht es aber darum, dass Jesus zwischenzeitlich verstorben und auferstanden war. Es galt, Skeptiker von diesem wundersamen Lebens- und Sterbenswandel zu überzeugen. ___________________ Zitat: "als auch Gebiete wie Ethik, bei denen Naturwissenschaften kaum etwas beitragen können". Das ist allerdings keine Schwäche der Naturwirte. Ethik hat überhaupt nichts mit Erkenntnis zu tun. Ethik und Moral sind Bemühungen, die Zweibeiner bei der Stange zu halten und dabei so zu tun, als gäbe es hier etwas zu ergründen. Den Unterschied zwischen einem Naturgesetz, also dem Ergebnis gedanklicher Bemühungen und einem von der Herrschaft erlassenen Gesetz haben Sie sehr treffend in Ihrem Beitrag vom 14. März 2014 dargelegt. Das war mal eine Freude in diesem Umfeld so etwas zu lesen. __________________ Zitat: "Wir können nicht über Gott verfügen. Das heißt auch, dass wir ihn nicht einfach mal als Joker in unsere Argumentationen einbauen können." Wieso? Ich kann auch nicht über den Klapperstorch oder Frau Holle verfügen. Trotzdem kann ich, wenn ich selber davon überzeugt bin, das Kinderkriegen mit dem Klapperstorch und den Schneefall mit der Frau Holle erklären. __________________ Zitat: "Gott ist allmächtig in dem Sinne, dass er mächtig ist in allem, was ist." Was soll das heißen, dass Gott oder wer auch immer mächtig ist in allem, was ist? Die politische Macht beruht auf dem Gewehrlauf. Die Macht der Überzeugung beruht auf dem Argument. Die Macht der Musik ist keine Macht, sondern eine bildliche Ausdrucksweise dafür, dass Musik aufs Gemüt schlagen kann. Aber einfach mal so mächtig sein in allem, was ist? _______________________________ Zitat: "Menschen, die mir den Eindruck vermitteln, eine Ahnung von Gott zu haben, zeichnen sich durch große Zurückhaltung und Bescheidenheit in dem aus, was sie über Gott zu sagen wagen." Das ist eine reine Formsache des Vortrags. Davon kann es nicht abhängen, ob der Inhalt zutrifft oder nicht.

Ein Beispiel für ein Wunder, das nicht hart gegen naturwissenschaftliche Erkenntnisse verstößt, wäre z. B. der Fischzug des Petrus. Das war zwar unwahrscheinlich und widersprach der Alltagserfahrung der Fischer, aber damit sehe ich noch keine Notwendigkeit, es zu bezweifeln. Anders sieht es z. B. aus bei dem Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana. Da fehlt nicht nur der Ansatz irgendeines chemischen Prozesses, wie das gegangen sein könnte, da sind noch nicht einmal die Grundstoffe (insbesondere der Kohlenstoff für den Alkohol) im Wasser vorhanden. Daraus schließe ich, dass das so nicht passiert sein kann.

Erkenntnisgrenzen: Mir geht es nicht darum, Erkenntnisgrenzen philosophisch und allgemeingültig vorzuformulieren, sondern um den ganz praktischen Sachverhalt, dass sich in den Naturwissenschaften das Wissen an den Rändern weiterentwickelt, dass gute Theorien durch bessere abgelöst werden und dass es sowohl Dinge gibt, die man verstehen oder wissen kann, z. B. wie Supraleitung genau funktioniert, die man aber noch nicht weiß, als auch Dinge, die man nicht wissen kann, z. B. in der Zukunftsforschung, als auch Gebiete wie Ethik, bei denen Naturwissenschaften kaum etwas beitragen können.

Menschen, die mir den Eindruck vermitteln, eine Ahnung von Gott zu haben, zeichnen sich durch große Zurückhaltung und Bescheidenheit in dem aus, was sie über Gott zu sagen wagen. Ich denke dabei an Maimonides und Meister Eckhart, aber auch an Karl Barth, der Gott einmal als den ganz Anderen bezeichnet hat. Wir können nicht über Gott verfügen. Das heißt auch, dass wir ihn nicht einfach mal als Joker in unsere Argumentationen einbauen können. Brauchbare Allmachtsdefininition: Gott ist allmächtig in dem Sinne, dass er mächtig ist in allem, was ist. (Nach Peter Knauer, der von dieser sog. realen Allmacht eine nur hypothetische Allmacht unterscheidet).

Ist es "einfacher" zu glauben wenn man davon ausgeht, der Blinde (Hilfesuchende) war gar nicht "richtig" blind, sondern er könnte eine Art von Sehstörung gehabt haben? Wasser zu Wein, Jesus geht auf dem Wasser, die Speisung der fünftausend usw. alles Dinge die unseren Naturgesetzen widersprechen. Gott der Schöpfer dieser Erde, der nach jedem Schöpfungstag sah: Es war gut, hat seinen Sohn Jesus Christus mit unglaublichen Vollmachten ausgestattet, die es ihm ermöglichten Dinge zu tun, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Was ist daran so ungewöhnlich?
Wunder schaffen keinen Glauben, wäre es so, so hätte Jesus größeren Zulauf gehabt. Insofern macht es doch der Glaube erst möglich derartige Wunder im Glauben zu erfassen und nur zu staunen.

Richard F.Grabinski

Thomas Jakob schrieb am 14. März 2014 um 18:56: "dass ich die Wunder, die hart gegen gut gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse verstoßen, als real so nicht geschehen ansehe" Und wenn ein Wunder weich (was soll das bitte sein?) gegen gewöhnliche Erkenntnisse verstößt? Ist es dann zwar geschehen, aber nicht real? Gibt es irreales Geschehen? Meine Fragen zielen nicht darauf, Sie durch den Kakao zu ziehen. Ich bin interessiert an dem, was Sie denken. _______________________ Zitat: "...wie die von niemandem bestrittenen Erkenntnisgrenzen der Naturwissenschaften..." Ich bestreite, dass niemand bestreitet, dass es diese vielbemühten Erkenntnisgrenzen der Naturwissenschaften gibt. Wie soll man eine Erkenntnisgrenze erkennen können, wenn das Wesen einer Erkenntnisgrenze darin besteht, jenseits der Grenze keine Erkenntnis haben zu können? Handelt es sich bei der modernen Rede von Erkenntnisgrenzen vielleicht um den Versuch, die Erkenntnis als solche grundlos schlecht zu reden, weil Erkenntnisse für manche angesehene Zwecke sehr gefährlich werden könnten? ____________________ Zitat: "hat meiner Meinung nach weder eine Ahnung von Gott noch eine brauchbare Definition seiner Allmacht" Wie schaut denn eine zutreffende Gottesahnung mit brauchbarer Allmachtsdefinition aus?

Charles Darwin hat es verstanden, Glauben und Evolution zu verbinden, indem er, als junger Mensch, seinem Leben, einen Sinn und eine spirituelle Ausrichtung auf Gott hin, gab, und sich damit für die Gründung einer Familie entschied. Die heutigen Kirchen verbannen den Menschen weg von Gott, und in den Dienst einer Maschinerie Weltmarktwirtschaft. das s.g.n. Sozialwort beinhaltet diese Forderung in sich, so mein Eindruck, der Mensch als Last und quasi "Nutztier" verstanden! Kein Platz für Wunder! Glauben heißt aber, nicht zu wissen. Wer alles zu wissen vorgibt, wird langweilig, oder das Leben beginnt ihn anzuöden, "Kopfzerbrechen" inbegriffen. Kein schöner Gedanke. Das "Sozialwort" ist eine öde Geschichte, die zu Recht herbe Kritik erfährt. Man fühlt sich an Zeiten erinnert, als protestantische Pfarrhäuser engstirnig und grau waren, und die Welt der Brontes, notgedrungen, voller Phantasie erblühte. Diese scheint bei dem Ernst der Grauen Herren und Damen vom "Sozialwort" wieder bitter nötig! --------------
Die Frage "Sind die Wunder wirklich geschehen ? " scheint auf dem von mir erwähnten Hintergrund völlig verständlich, aber wie schon gesagt...
Und die wichtigste Frage, die man sich als Journalist stellen sollte, bevor man schreibt, will ich Menschen für die Bibel interessieren, oder will ich sie langweilen ?!

Viel Spaß an die Redaktion !

Den gordischen Knoten zwischen biblischen Wundern und Naturwissenschaften habe ich irgendwann für mich so durchschnitten, dass ich die Wunder, die hart gegen gut gesicherte naturwissenschaftliche Erkenntnisse verstoßen, als real so nicht geschehen ansehe. Für mich selbst komme ich damit zurecht, aber unter Christen habe ich mir damit bisher kaum Freunde gemacht, jedenfalls nicht, solange ich mich selbst als Christen bezeichne.

Ich bin es wirklich leid, mir anzuhören, wie die von niemandem bestrittenen Erkenntnisgrenzen der Naturwissenschaften dazu genutzt werden, alle möglichen Wunder durchzuwinken, selbst wenn sie gegen relativ einfach und unumstrittene naturwissenschaftliche Zusammenhänge verstoßen.

Und ich halte es für vollkommen unzulässig, wenn jemand Gott als Joker zieht mit der Behauptung, Gott könne dank seiner Allmacht ohne weiteres Ausnahmen von den Naturgesetzen machen. Das ist nichts als ein Sprachspiel. Wer so redet, hat meiner Meinung nach weder eine Ahnung von Gott noch eine brauchbare Definition seiner Allmacht noch Verständnis dafür, was eigentlich ein Naturgesetz ist.

Die sog. Naturgesetze sind eben nicht von einem Souverän erlassene Regelungen, für die dieser im Einzelfall Ausnahmen erlassen kann. Es sind vielmehr nach bestem menschlichem Wissen formulierte Beschreibungen für universelle, nachvollziehbare und reproduzierbare Zusammenhänge in einer Natur, die lange vor den ersten Menschen so funkioniert hat. Daran kommt man nicht mit einem Sprachspiel vorbei.

Trotzdem wird es immer wieder versucht, auch von intelligenten Menschen. Wunder sind eben der Gläubigen liebstes Kind.

Sehr geehrte Damen und Herren,

die letzte Chrismon-Ausgabe (Auslieferung mit der SZ vom 10.03.2014) hat mich etwas überrascht.

Einerseits geben Sie dem Islam-Professor Khorchide breiten Raum, um im sehr interessanten Interview seine Auffassung des Islam darzulegen. Dabei werden auch gewisse Parallelen zum traditionellen Verständnis des Christentums sichtbar. Der Professor betont die Barmherzigkeit Allahs, sagt aber leider nicht, worin diese besteht. Nun, man kann seine Auffassungen glauben oder nicht; wenn es sich mit dem Islam so verhielte, wir er das meint, dann wäre das sicher eine gute Sache. Wie der Professor aber selber sagt, teilen bei weitem nicht alle Muslime seine Sicht der Dinge. Insofern hat er viel Arbeit vor sich.

Andererseits besprechen Sie in derselben Ausgabe die Wunder, speziell die Wunder Jesu (Heilungen, Brotvermehrung usw.). Festzuhalten ist, dass in der Bibel von Wundern nicht durchgehend berichtet wird; auch im AT findet man sie nur zu bestimmten Zeiten bzw. nur mit gewissen Personen verbunden (z.B. Elia und Elisa). Mit der Aussage, dass die meisten Theologen die Wundererzählungen nicht für wahr halten bzw. dass die Wunder so nicht geschehen wären, macht man es sich wirklich zu leicht, da doch Jesu selbst sowohl den Pharisäern als auch seinen eigenen Jüngern gegenüber auf die Aufgabe und den Wert der Wunder (auch Zeichen oder Werke genannt) hingewiesen hat (s. Johannes 10,38 und 14,10+11, auch Matthäus 16,8-10). Auch Jesus hat nicht immer Wunder gewirkt (s. Matthäus 16,4). Dazu wird von den Wundern noch mit einer solchen Selbstverständlichkeit erzählt (auch und gerade vom Arzt Lukas!), dass der Versuch, sie dem "Einfluss anderer Geschichten" (welcher?) oder späteren "Ausschmückungen" zuzuschreiben, entweder hilflos oder dreist anmutet, da es den Evangelisten pauschal Unehrlichkeit unterstellt. Auch die Aussage "keiner der Evangelisten hat Jesus persönlich kennengelernt" ist eine unbewiesene Behauptung.

Die Frage ist daher nicht, ob die Wunder wirklich geschehen sind, sondern ob Gott wirklich der Allmächtige und Jesus Gott in Menschengestalt ist oder nicht. Wenn ja, dann sind die NT-Wunder wirklich kein Problem – warum sollte nicht der, der die Naturgesetze geschaffen hat, sie zu bestimmten Zeiten außer Kraft setzen können, um sich (wieder) ins Gespräch zu bringen? Das ist auch die Auffassung z.B. des Hebräerbriefs (Kap. 2,1-4). Und wären das Kommen des Sohnes Gottes und die Anfänge der Gemeinde nicht eine solche wichtige Zeit? Wenn man die Wunder leugnet, dann spricht man Gott praktisch das Recht ab zu entscheiden, ob, wie, wann und wo er Wunder tun will. Und dann ist er nicht mehr allmächtig und souverän. Was bleibt dann noch übrig?

Auf Wunder bin ich als Christ nicht angewiesen, und in der heutigen Zeit erwarte ich sie auch nicht unbedingt – es genügt, zu wissen, dass sie möglich sind.

Es stimmt jedoch nachdenklich, wie hier wesentliche Inhalte des eigenen Glaubens ausgehöhlt werden, während gleichzeitig eine andere Religion– mit oder ohne Absicht – den Lesern schmackhaft gemacht wird.

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