Nachgefragt: Offene Kirche – mit oder ohne Wächter?

Immer mehr evangelische Kirchen öffnen die Türen auch außerhalb des Gottesdienstes, meist für einige Stunden in der Woche. In der Regel sind dann Ehrenamtliche drinnen präsent. Man könnte sie aber auch einfach offen lassen.

Foto: Jens Schulze/epd-bild

Andreas Isenburg

Andreas Isenburg ist Pfarrer und Ansprechpartner der Initiative „Offene Kirchen“ in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Er berät Gemeinden, die ihre Kirchen offen halten wollen.

chrismon: Einige Gemeinden verzichten ganz auf Kirchenhüter. Warum?

Andreas Isenburg: Entweder aus pragmatischen Gründen: wenn es keine oder zu wenige Freiwillige dafür gibt. Oder sie entscheiden sich bewusst dafür. Denn gerade in kleinen Kirchen können sich Besucher beobachtet fühlen, wenn jemand dabeisitzt. Vielleicht wollen sie beten oder meditieren, trauen sich aber nicht.

Ist es gefährlich, die Kirche ­unbewacht zu lassen?

Das hängt von zwei Faktoren ab.  Erstens die Lage: Auf dem Land läuft das oft ohne Probleme, in unserer Region stehen einige Dorfkirchen mittlerweile den ganzen Tag offen. Zweitens die Besucherfrequenz: In die große Dortmunder Kirche St. Reinoldi etwa kommen täglich um die 500 Leute, da sorgt allein die große Zahl dafür, dass nichts passiert. Außerhalb der großen Citykirchen rate ich in der Stadt aber immer zu Ehrenamtlichen.

Warum?

Bei den hiesigen katholischen Kirchen, die ja traditionell eher offen stehen, kam es immer wieder zu Vandalismus und Diebstahl. Daher wurden einige wieder abgeschlossen. Man muss das Umfeld genau anschauen. Im Ruhrgebiet liegt eine evangelische Kirche nahe einer U-Bahn-Station, wo immer wieder mit Drogen gehandelt wird. ­Wäre die Kirche unbewacht, würden sich Dealer und Konsumenten möglicherweise dorthin zurückziehen.

Können Ehrenamtliche so etwas denn auffangen?

Allein durch ihre Präsenz wirkt  der Kirchenraum belebt, das zeigt Wirkung. Aber ich würde sie ohnehin nicht nur als Aufpasser verstehen. Sie sind das Gesicht der Gemeinde, können etwas über die Kirche erzählen und ­Gesprächspartner sein – es gibt Besucher, die genau das suchen: jemanden zum Reden.

Und ansonsten gilt: Alles Kostbare wegschließen?

Kerzenständer, Abendmahlkelche – alle beweglichen Dinge sollte man am besten in der Sakristei aufbewahren, und auch die Bibel nicht auf dem Altar vergessen! Aber ebenso wichtig sind Hinweisschilder und Handzettel, die Besucher willkommen heißen.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über Ihre Meinung. Bitte beachten Sie unsere Netiquette!
VRK