Mal kurz das Leben genießen

Foto: Tobias Kruse/Ostkreuz

„Sie sind die Elite von morgen“, haben sie euch vor­gestern bei der Abizeugnis-übergabe gesagt, „Sie ­werden inmal Führungs­positionen in der Gesellschaft übernehmen.“ Und die Realität? Ist etwas ­kühler als das Wasser hier am Balaton: befristete Arbeits­verträge, hohe ­Mieten. Rente mit 63 – für ­andere, nicht für euch. Und die Scheidungsrate!
Da kann man ja wohl mal kurz das Leben genießen. In einer Woche sagen die ­Eltern wieder: Mach doch eine Ausbildung in der Volksbank, was Sicheres. Oder ein BWL-Studium. Und beim Klassentreffen in zehn Jahren? Hat Carolin das Medizinstudium abgebrochen und ist Hebamme geworden. Ina arbeitet 70 Stunden in der Woche als  Unternehmensberaterin; sie hat nicht mal Zeit, ihr Geld auszugeben. Melanie ist auf ihrer Weltreise in Australien hängengeblieben und jobbt in einer Surfschule. Der gehtʼs prima. Kinder? Vielleicht. Die Zeiten sind doch so unsicher. Aber waren sie das nicht immer?

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