Liebe Erde: Schule für morgen

Das kann Ihre Schule auch!

Foto: Patrice Kunte/Patrice Kunte

Die Evangelische Gesamtschule in Wunstorf bei Hannover macht vieles richtig. Sie lehrt ihre Schüler, über sich selbst hinaus zu gucken, umweltbewusst, erfinderisch, unternehmerisch und sozial zu denken. Sicher gibt es noch viel mehr tolle Schulen – aber die IGS Wunstorf überzeugte Publikum und Jury beim chrismon-Wettbewerb „liebe erde“. Weil sie eine Schule für morgen ist, mit Ideen zum Nachmachen. Oder? Hier sind schon mal drei, die woanders auch funktionieren

1. Die Schüler zu Chefs machen

Eines der Holzstücke ist mit einem pinkfarbenen Glitzerstein beklebt, in ein anderes sind Rillen gefräst als Verzierung. Es sind Wegwerfstücke, etwa sechs Zentimeter lang, aus Buche oder Eiche. „Deutsches Hartholz“, betont Justin Dombrowski, „wir verwenden keine Tropenhölzer.“ Die Holzteile sind Hüllen für den „Woodstick“, ein nachhaltig pro­duzier­ter USB-Stick, den die Schülerfirma der Wunstorfer Gesamtschule herstellt.

Liebe Erde

Chrismon stellt außergewöhnliche Ideen und viele Initiativen vor, die vormachen, wie unsere Welt von morgen aussehen kann.

Seit September 2013 gibt es das Unter­nehmen, entstanden ist es im Wahlpflichtkurs „NFTE“. Die Abkürzung steht für „Network For Teaching Entrepreneurship“, ein Netzwerk, um Unternehmertum zu unterrichten. Jeder der Achtklässler im Wahlpflichtkurs hat eine Produktidee präsentiert, durchgesetzt hat sich der Vorschlag von Justin: Ein USB-Stick mit einer Hülle aus Holz statt aus Plastik, entwickelt, produziert und vermarktet in der Schule. Die Schüler haben einen Businessplan geschrieben, sie haben herausgefunden, wie sie am besten den Schlitz für die Rohlinge in die Holzstücke fräsen, sie haben in Deutschland hergestellte
 USB-Rohlinge und den richtigen Kleber gefunden. Es gibt eine Firmenzentrale, eine gewählte Geschäftsführung, eine Pressestelle, eine Marketingabteilung. Maurice Kirsch, ­einer der drei Geschäftsführer, erklärt: „Ich möchte den Woodstick groß rausbringen.“ Dafür ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen – die Gruppe zu leiten, Aufgaben zu verteilen und Entscheidungen zu treffen, natürlich im Team. Und ­Pressesprecherin Kim Sievers ergänzt: „Wir wollen dazu beitragen, dass die Welt später auch noch schön ist.“

2. Klima-Detektive losschicken
Mehr Licht! Oder lieber weniger? Oliver Gladitz, 13 Jahre alt, und seine Mitschüler haben gemessen, wie hell es in den Klassenräumen ist. Daraufhin entwickelten sie die Lichtschalterampel: Auf den Schaltern kleben nun gelbe und rote Punkte, die anzeigen, wann am meisten Strom verbraucht wird. Das Ergebnis: Die IGS ist die einzige Schule in Wunstorf, deren Stromverbrauch im vergangenen Jahr gesunken ist.

 Mit dem Luxmessgerät sind die Schüler durch die Klassenräume gezogen

In der Pausenhalle haben die Klima­detektive einen großen Behälter für bunte Plastik-Flaschendeckel aufgestellt. „Die geben wir zum Recyceln ab. Den Erlös spenden wir, und demnächst wollen wir einen Wettbewerb daraus machen: Ob die Schüler oder die Lehrer mehr Deckel ­sammeln können,“ erklärt Oliver.

Lehrer André Hardekopf hat die AG ­gegründet. Elke Helma Rothämel, die Schulleiterin, sagt: „Uns ist wichtig, dass die Schüler Umweltprobleme wahrnehmen. Ihr Blick weitet sich, sie verändern ihre Grundhaltung, sie übernehmen Verantwortung.“ Das, was die Kinder in der AG Klima-Detektive lernen, nähmen sie mit: Denn auch zu Hause achten sie nun auf das Licht und den Stromverbrauch. Auch in ihre Umgebung versuchen die Schüler ihre Ideen zu übertragen: So ­haben sie mit der Stadt Wunstorf an einem „PrimaKlimaTag“ über den Klimaschutz informiert.Und bald gibt’s einen „Carrotmob“ in der Eisdiele. Alle Gewinne gehen dann als Spenden in den Klimaschutz.

3. Experten in die Schule holen

Paul Uplegger ist Rentner. Einmal in der Woche zeigt er den Schülern der IGS, wie sie Fahrradschläuche flicken, Bremsen reparieren, Ketten wechseln. Er weiß, wie es geht, früher hatte er eine Tankstelle in Wunstorf. Jetzt kommt er einmal in der Woche zur AG „Aus alt mach neu“: Die Schüler können ihre eigenen Räder bringen, oder sie reparieren Fundräder der Stadt Wunstorf.

Seit eineinhalb Jahren bietet Lehrerin Cornelia Stübban-Piefkowski die Bienen-AG an. Auch sie setzt auf Unterstützung von außen: Die IGS leiht sich ein kleines Bienenvolk von der nahe gelegenen Imkerei aus. Material und Wissen gibt es dazu: Der ehemalige Landschaftsgärtner Martin Koloff, 64, vom Imkerverein ist ­jede Woche dabei. Die Schüler lernen ­hier, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen. Und, so Martin Koloff: ­„Bienen liefern Honig und stechen – ­darauf beschränkt sich bei den meisten Menschen das Wissen über Bienen. Aber da ist so viel mehr!“ Gürkan Yüksel, 13 Jahre alt, sagt: „Mir war vorher nicht klar, wie schlimm das mit dem Bienensterben ist.

 

Information

Die Evangelische IGS Wunstorf war Juryfavorit in der Kategorie „Klima- und Umweltschutz“ – und machte beim Publikum den dritten Platz. Das Publikum wählte die „Europa-Miniköche“ mit ihren Kochkursen für Kinder auf Platz eins und die ­evangelischen Büchereifachstellen im Rheinland auf den zweiten Platz: ­
Sie bieten in Bibliotheken Energiemessgeräte an, um Stromfresser im Haushalt zu entdecken. In der Kategorie Ernährung entschied sich die Jury für die „Erste essbare Gemeinde in Übelbach“ (Österreich). Essbar? Bei uns erfahren Sie mehr darüber und finden zehn Tipps für Ihre „essbare“ eigene Umgebung. Im chrismonshop gibt es das Buch „Jedem sein Grün“, herausgegeben von engagierten Leuten aus Übelbach. In der Kategorie Wiederverwertung siegte der „Capbaumarkt – Secondhandmarkt“ aus Witten, da werden Waschbecken und Fensterrahmen verkauft – gebraucht natürlich.

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