Wo ist denn nun das Reich Gottes?

Wenigstens darin herrscht Konsens: Wir stehen schon fast im Ziel. Das neue Reich liegt direkt vor uns

Foto: Michael Ondruch

Voller Bewunderung sprachen Deutsche über Generationen von ihrem „Reich“, in der Kaiserzeit, dann in der Weimarer Republik, im „Dritten Reich“. Das Reich galt ihnen als machtvoll und un­verletzbar, als Garant für Wohlstand und Sicherheit, als verlässliche Klammer für die unterschiedlichsten Völker und Völkchen. Dass dieses Reich in Schutt und Asche fiel, war für die allermeisten ein Trauma sondergleichen. Heute klingt schon das Wort Reich schrecklich belastet – und politisch überholt.

Was mag in den Köpfen der Menschen vorgehen, wenn sie heute die Bitte aus ­dem Vaterunser sprechen: „Dein Reich komme“? Hierzulande schwebt ihnen wohl kaum eine ausgereifte Sozialutopie vor. Der Glauben an ein machtvolles Gemeinwesen, das alles aufs Beste richtet, ist den Deutschen gründlich vergangen. Das dürfte auch für das „Reich Gottes“ gelten, einer der Schlüsselbegriffe der Bibel.

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Vor allem im Leben und Reden Jesu ist die Ankündigung des Reiches Gottes ein Kerngedanke. Was damit gemeint ist? Frieden und Wohlstand sollen herrschen. Krankheit und Tod sind gebannt. Die neuen Lebensumstände setzen eine Menge an Sozialengagement frei. Und die Widerstände gegen Gott sind dahin: Es herrscht ein großes Einvernehmen mit ihm.

Das neue Reich ist keine Utopie

Dass dieses ersehnte Reich Gottes von selbst herbeikommt, daran wollten viele nicht glauben. Die Zeloten, eine religiöse Partei zur Zeit Jesu, wollten die neue Ordnung mit dem Schwert in der Hand und gegen die römische Besatzungsmacht durchsetzen. Einen anderen Weg wählten die Pharisäer: Sie mühten sich, das neue Reich durch peinlich genaue Erfüllung der vielen religiösen Gesetze herbeizu­locken. Die Apokalyptiker ihrerseits befürchteten einen gewaltigen Umbruch und suchten mit Droh- und Schreckgeschichten die Menschen auf die neue Zeit vorzubereiten. 

Die Reich-Gottes-Hoffnung ist keine reine Utopie, keine Zukunftsmusik. Gegen die strikte Verschiebung der Hoffnungen in die Zukunft bezieht Jesus sogar deutlich Position. „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“, sagte er. Auch wenn sich die großen politischen und sozialen Hoffnungen gegenwärtig noch nicht erfüllen lassen be­ziehungsweise von Gott erfüllt werden, gibt es vieles, was schon getan werden kann. Die Menschheit ist quasi schon mit einer Fußspitze im Ziel, und zwar immer dann, wenn sich Menschen für andere einsetzen, sie sich um Frieden bemühen. In der Sprache der Bibel heißt das: Das Reich Gottes ist schon angebrochen, die neue Zeit steht unmittelbar bevor. Diese Spannung zwischen „noch nicht“ und „schon jetzt“ ist sehr wichtig für das Christentum. Gerade Martin Luther, der Reformator, hat darauf gepocht und zum Beispiel der radikalen Täuferbewegung in Münster, die ihre Stadt als „Neues Jerusalem“ verstand, eine klare Absage erteilt.

Innere Macht und politische Realität

Seit Beginn der Reich-Gottes-Verkündigung gibt es diese beiden Vorstellungen: dass das ersehnte Reich als räumliche ­Größe entstehen wird, real sichtbar und politisch fassbar. Oder dass es eine innere, unsichtbare Macht im Menschen ist. Auch die Zeitdimension verändert sich: Je nach politischen Umständen zieht sich die zeitliche Erwartung der Menschen wie ein Gummiband auseinander oder zu­sammen. In Zeiten religiöser Verfolgung in den ersten drei Jahrhunderten war die politische Hoffnung groß, dass die römische Besatzungsmacht durch einen Messias bald besiegt und vetrieben werde. In Zeiten religiöser Toleranz wirkte die Reich-Gottes-Predigt mehr innerlich und eher zeitlos. Auch in der Ausprägung der evangelischen Konfessionen zeigt sich das: Manche kirchlichen Bewegungen, so zum Beispiel der Pietismus des 18. Jahrhunderts, betonte die Frömmigkeit, also das innere Reich Gottes, andere, wie zum Beispiel die Mennoniten, engagieren sich stark für das Thema Frieden.

Gegen jeden Versuch, das Reich Gottes auf Biegen und Brechen aufzurichten, bezog Jesus Position. Er setzte dagegen sein Gleichnis vom Wachsen der Saat (Markus-evangelium, Kapitel 4). Die Botschaft: Ver­änderungen geschehen langsam – aber sie lassen sich durch nichts aufhalten.

Lesermeinungen

Für mich und meine jugendlichen Kinder kommt keine Furcht aus dem Reich Gottes, sondern im Gegenteil Ermutigung und Hoffnung. Wer an einen Gott glauben kann, der hat eine Dimension in seinem Leben, die ihn trägt, auch wenn so viel schiefläuft in der Welt. Er ist nicht allem einfach ausgeliefert.
Mir kommt von den Kritikern so viel Spott und Bitterkeit rüber.
Wie wäre es denn im Moment in der Gesellschaft ohne die Kirchen und ohne Christen? Vielleicht wäre es ja noch viel düsterer. Denkt mal darüber nach.
Verneiner und Spötter gibt es viele. Das ist leicht. Aber etwas positives zu machen und Freude zu vermitteln, Lebenshoffnung, Mut, das ist viel wichtiger für ein Leben. Denn das baut auf, während die Kritiker und Nörgler nur abbauen. Ich glaube an einen guten Gott und auch daran, dass das Reich Gottes mitten unter uns ist und irgendwann offenbar wird.

G. Knopp definiert das "Reich Gottes" religiös-weltanschaulich, im Gegensatz dazu offenbaren alle Apostel, Evangelisten und Briefeverfasser des Neuen Testamentes eine gewaltige und lebendige, wenn auch für uns zwar unsichtbare, aber auf vielerlei Weise erfahrbare Dimension, die zuerst sichtbar im auferstandenen und realen Christus Jesus, der nach "den Frauen" , allen Aposteln, über 500 Zeugen und Paulus erschien war. Und bis heute haben ihn zahllose Menschen ganz real erlebt und wurden gläubig.

Erfreulich, dass es noch Christen mit einem gesunden Menschenverstand gibt, die dieser RADIKALEN BIBELAUSBEUTE, wie sie chrismon betreibt, Einhalt gebieten !

Ja, das Reich Goittes bleibt mal wieder denjenigen vorbehalten, die genügend Vitamin B intus haben! So ist das mit den Reichen dieser Welt! Und daran wird sich auch im ganzen Leben nie etwas ändern!
Aber der Hammer ist vor allem der: Die, welche eh schon wenig haben, sollen jetzt auch noch zahlen, damit sie ehrenamtlich arbeiten dürfen! Hammer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ja, das Reich Gottes. Da wünscht man sich ....besonders auch hier auf Erden. Man wünscht sich Gerechtigkeit und Ehrlichkeit und Frieden und Liebe. Aber das gibt es unter den Menschen nicht!
Hier gibt es nur Neid und Unfrieden und Ungerechtiglkeit......! Und wenn man nach Gerechtigkeit trachtet, muss man den Geldbeutel zücken und einen sündhaft teuren Rechtsverdreher einschalten! Wenn man keine Rechtsschutzversicherung und keine Freunde bei der Institution Kirche hat, bleibt einem nur noch der Ausstieg aus dem Reich Gottes auf Erden! Strick, Tablette, Sprung....der Kreativität sind in diesem Bezug keine Grenzen gesetzt. Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand! Das haben Sie wirklich schön geasagt, Frau Kässmann und Sie haben ja auch gesehen, wie das mit dem Reich Gottes auf Erden ist! Es gibt da so eine Gegenbewegung und die wird alles tun, damit unsere gute alte Kirche sich selbst zerfleischt, denn das ist ihre große Chance. Da warten die nur drauf und unsere Kirche tut alles dafür, damit es so weit kommt! Indem sie ihre eigenen Leute raus mobt! Hammer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Jede Generation (= Anzahl von Menschen, die eine gemeinsame Zeitspanne erlebt haben und von ähnlichen gesellschaftlichen, religiösen, politischen, und sozialen Ereignissen geprägt sind) jagt einem "Gott" hinterher. Im Dritten Reich war es der sogenannte "Führer" heute ist es der "Mammon" oder der "Individualismus", denn: Das was mir etwas Wert ist, dafür habe ich immer Zeit und immer auch Geld übrig. Sei es nun der Urlaub, das apple i-pad oder ein teures Hobby.

Aber: Damals wie Heute gibt es Menschen, die Jesus nachfolgen, und viel Zeit mit ihm verbringen und auch ohne viel Geld sehr zufrieden sind.

Zwischen den Generationen findet stets ein materieller Transfer statt, sei es nun das Erbe, das Grundstück oder das Haus und der Schmuck. Doch wie sieht es mit religiösen Werten aus?

Ich persönlich habe in meine Kinder den Samen gelegt = das Reich Gottes. Ob er irgendwann mal aufgeht? Ich habe keinen blassen Schimmer!

Zitat aus dem Artikel: "Der Glauben an ein machtvolles Gemeinwesen, das alles aufs Beste richtet, ist den Deutschen gründlich vergangen." Das glatte Gegenteil ist der Fall. Die soziale Marktwirtschaft, betreut vom demokratischen Rechtsstaat, ist der anerkannte Glaube. Er herrscht dermaßen vor, dass alle Abweichung davon unzulässigen Extremismus darstellt. Die Abweichung nach rechts wird mit dem kläglich scheiternden Versuch der gesellschaftlichen Ächtung und Ausgrenzung bekämpft. Die Abweichung nach links kommt sowieso nicht mehr vor, also genügt dort das Strafgesetzbuch. ______________________________ Zitat: "Diese Spannung zwischen "noch nicht" und "schon jetzt" ist sehr wichtig für das Christentum." Eine Spannung ist das zwar nicht, aber der gemeinte Taschenspielertrick ist in der Tat sehr wichtig für das Christentum und geht so: Erweist sich eine Glaubenshoffnung als falsch, dann wird das geleugnet durch den Verweis darauf, dass sie sich eben noch nicht erfüllt habe. Andererseits kann man, "wenn sich Menschen für andere einsetzen" oder "sie sich um Frieden bemühen", einen Beleg für das ankommende Reich Gottes sehen. Muss man sich halt nur noch darum streiten, wie man sich für andere einsetzt oder um Frieden bemüht. Der Arbeitgeber, der seine Arbeiternehmer rausschmeißt, setzt sich bekanntlich für diejenigen ein, die in der gesundgeschrumpften Firma weiter malochen dürfen. Das größte Friedensbündnis aller Zeiten ist sowieso die NATO. Das Reich Gottes ist somit in der Tat schon mitten unter uns.

Wer die Vorstellung vom Begriff "Reich Gottes" verstehen will, muss sich auf die Suche begeben in genau die Zeit, in der dieses Wort aufkam.

Offenbar waren die Begründer des Begriffes mit den damaligen Zuständen nicht zufrieden. Und so stellten sie sich eine Welt vor, in der maßgebliche Widersprüche ihrer Zeit aufgelöst waren - heute hat man es Kommunismus genannt, damals eben Reich Gottes. Ein Idealbild einer menschlichen Gesellschaft. Wer in diese Welt gelangen sollte und wer nicht, steht auch in der Bibel. So kommt eher ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel. Damit ist schon die Grundrichtung vorgegeben, dass es sich wohl um eine Gesellschaft ohne Ausbeutung handeln sollte - und eben nicht um eine persönliche Seelenverfasstheit.

„Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. “(Luk 6:20),
„Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin “(Luk 6:24)
„Reiche müssen darben und hungern “ (aus Ps 34:10)

Die Urchristen versuchten es in verschwindend geringer Zahl, sich auf den Weg zu machen:
"Alle aber, die gläubig waren geworden, waren beieinander und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und Habe verkauften sie und teilten sie aus unter alle, nach dem jedermann not war." (Apg. 2:44-45)

Auch die allgemeinen Verhältnisse werden in der Bibel beschrieben, so z. B. hier:

„Warum lässt du mich Ungerechtigkeit sehen, und ich muss bezeugen Belästigung, und gewalttätige Unterdrückung und Plünderung, vor meinen Augen? Zank und Streit kommen auf; weil das Gesetz verschwindet
und Recht nicht erscheint. Der ungerechte Mann bedrängt und treibt den Gerechten in die Enge, gerade heraus, dies ist eine verdrehte Gerechtigkeit!“ (HAB 1:3-4)
„Die ihr verwandelt Gesetz in Bitternis, und das Recht in den Staub werft... „
….
„Darum, weil ihr niedertretet den armen Mann, und abpresst Portionen von seinem Weizen, baut ihr Häuser aus behauenen Steinen aber ihr werdet nicht wohnen in ihnen, ihr habt gepflanzt erlesene Weingärten, aber ihr werdet deren Wein nicht trinken„ (Am 5: 7, 11)

Erstaunlicherweise, hat auch Thomas Münzter seine Zeit mit ähnlichen Worten beschrieben:

"Die Grundsuppe der Dieberei sind unsere Fürsten und Herren, nehmen alle Creaturen zu ihrem Eigenthum, die Fisch im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden muß alles ihre seyn. Aber den Armen sagen sie: Gott hat geboten, du sollst nicht stehlen. Sie selber schinden und schaben alles, was da lebt; so aber ein Armer sich vergreift am Allergeringsten, muß er henken. Dazu sagt denn der Doctor Lügner Amen."

Abschließend kann ich nur den Kopf schütteln über so viel Ignoranz des Pfarrers Kiehne zu seiner eigenen Religionsgeschichte.
Er verkündet keine Religion für Einsteiger hier, sondern Religion für Volltrottel.

Völlige Absurdität, wer mit diesem Gedanken als Kind aufwächst kann nicht gesund leben. Die Ergebenheit an eine Macht ist der Grundgedanke dieser Krankheit, was kann nur daraus anderes erwachsen, außer Furcht ?! Kann jemand etwas positives dagegen setzen ?

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