Zwangsarbeiterinnen in Sibirien nach dem Zweiten Weltkrieg

Wir haben doch nichts verbrochen

Foto: Anne Schönharting

Das habt ihr Hitler zu verdanken, hatte der Aufseher im Lager gesagt. Hunderttausende Frauen mussten nach dem Zweiten Weltkrieg in Sibirien Zwangsarbeit leisten. Nur wenige leben heute noch. Ein Besuch in Masuren
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Gertrud Moritz, klein und gebeugt und auf ihren Stock gestützt, steht reglos auf dem Friedhof in Stawiguda, früher Stabigotten, am Grab einer Freundin, in ihren sonst so wachen Augen diesen abwesenden Blick, der sich unvermittelt einstellt, wenn die Erinnerungen sie aus der Gegenwart reißen. „So war das“, seufzt sie dann. Die Heidrun und sie kannten sich seit Kindertagen. Zu Freundinnen fürs Leben waren sie in Sibirien geworden, im Arbeitslager, wohin die Rote Armee sie verschleppt hatte aus ihrem Dorf in Ostpreußen. In Viehwaggons standen sie zusammengepfercht, Dutzende Frauen und Mädchen in jedem Waggon, drei endlose Wochen lang. Der Winter war eisig, und nur einmal am Tag bekamen sie etwas zu essen. Viele Frauen hat sie da bereits sterben sehen, die Gertrud, 89 Jahre alt, die sich auf müden Beinen vom Grab der Freundin abwendet und nach dem Asthmaspray greift. Die Atemnot plagt sie seit Russland.

Januar 1945 bis September 1947, fast drei Jahre Schinderei und Demütigungen, Tod und Verderben. Sibirienfrauen nennt man Frauen wie Gertrud Moritz, seit über ihr Schicksal öffentlich gesprochen wird. Hunderttausende deutscher Zwangsarbeiterinnen aus den deutschen Ostgebieten hielt die Sowjetunion über den Zweiten Weltkrieg hinaus hinter dem Ural gefangen, Zehntausende allein aus Ostpreußen, Zehntausende bis in die 50er Jahre hinein. Viele sind nie zurückgekehrt, genaue Zahlen kennt niemand. Bis zur Wendezeit wollte man nichts von ihnen wissen, nicht in Westdeutschland, schon gar nicht in Polen. Das Tätervolk und die Opfervölker sollten klar getrennt bleiben, im Geiste der Versöhnung auch. „Warum tut ihr uns das an?“, hat Gertrud Moritz im Lager einen Aufseher gefragt, „wir haben doch nichts verbrochen.“ Er antwortete: „Das habt ihr Hitler zu verdanken.“

Sie hatte so gut wie nichts mitbekommen von diesem Krieg, der für sie begann, als er überall in Europa zu Ende ging. Sie hatte die polnischen Zwangsarbeiter auf den nahen Bauernhöfen und Fel­dern gesehen, das schon, immer mehr waren sie geworden, so wie überall hier im Ermland und in Masuren, aber sie hatte darüber nicht nachgedacht, niemand in ihrem Alter tat das. Sie war ja jung, geboren 1924 als Tochter des Sägewerksarbeiters Viktor Neumann in Stawiguda. Die Volksschule hatte sie bis zur achten Klasse besucht, dann arbeitete sie als Briefträgerin; manchmal musste sie einer Mutter die Nachricht übergeben, dass der Sohn gefallen war. Aber wenn ihr Vater und ihr Bruder auf Fronturlaub daheim waren, erzählten sie wenig, und der Ortsgruppenleiter glaubte bis zum Einmarsch der Roten Armee an den Sieg.

Heute verwittert Gertrud Moritz’ Elternhaus langsam am Waldrand, was ihr im Herzen wehtut. Die zwei Buchen von damals bewachen immer noch das Tor zum Garten, die Ahornbäume stehen noch da, auf die sie früher geklettert ist. An Sommertagen badete sie im See, und am Ufer hat sie ihre erste Liebe geküsst.

Gertrud Moritz schämt sich ein wenig für ihr Haus. Grau ist es geworden, an allen Ecken und Enden müsste was getan werden, sagt sie, der Winter dringt durch die Ritzen. Der Schwiegersohn, Pole ist er, gehe arbeiten, das schon, aber der Alkohol – „schlimme Krankheit“. Ins Gesicht der Tochter hat der Alltag scharfe Falten geschnitten. Die Tochter schafft den Haushalt gerade gut genug für die Mutter, ordentlich ist es, „sie mag es perfekt“, sagt die Tochter. Sie arbeitet Teilzeit an der Kasse, ihr Jüngerer geht zur Sonderschule, er ist Epileptiker, der Ältere steckt in der Ausbildung.

Sie leben auch von der Witwenrente, die Gertrud Moritz erhält, 900 Euro immerhin, und noch liegen die Preise in Polen unter denen in Deutschland. Zwei-, dreimal im Jahr kommen Johanniter aus Dortmund mit Lastwagen voll Kleidung und Nahrungsmitteln für die Sibirienfrauen in Olsztyn und Umgebung. Den ­grünen Janker, den Gertrud Moritz trägt, wenn sie in die Kirche geht, haben sie ihr geschenkt. Eine Kriegsentschädigung vom Staat aber bekommt sie nicht, die Sibirienfrauen fallen aus dem Gesetzesrahmen. Sie hatte alle Unterlagen vorgelegt, ihre russische Entlassungsbescheinigung etwa, die eine Karte auch, die sie ihrer Familie aus dem Lager schicken durfte; nicht mehr als 25 Worte, hatten die Russen gesagt. „Es geht mir gut“, schrieb sie.


 Angestrengt aber ohne das kleinste Ächzen zieht sich Gertrud Wolkiewicz am Triangelgriff hoch. Von den Jahren im Lager spricht sie fast nie

In einem Pflegeheim am Rand von Olsztyn, dem früheren Allenstein, lebt Gertrud Wołkiewicz. Angestrengt, aber ohne das kleinste Ächzen zieht sie sich am Triangelgriff hoch, wenn sie sitzt, fallen ihr die deutschen Wörter eher ein. „Es ist besser, sich nicht zu erinnern, aber vergessen kann man’s nicht.“ Zwei Schlaganfälle hat sie erlitten, der erste lähmte die eine Körperseite, der zweite die andere. Ihre Wohnung hat sie einer Enkelin im Rheinland überschrieben; ihre beiden Töchter leben seit langem dort, die eine kommt nie, die andere zwei- oder dreimal im Jahr. Und täglich ruft sie an, dann sprechen sie polnisch miteinander, so wie jetzt, da Gertrud Wołkiewicz berichtet, dass sie Besuch aus Deutschland hat und das Mobiltelefon weiterreicht.
„Erzählt die Mutter vom Lager?“, fragt die Tochter.
„Nein.“
„Sie hat auch uns in all den Jahren selten was erzählt. Und sie konnte nie schlafen. Sie erträgt keine Dunkelheit. Es muss immer ein Licht brennen, heute noch.“

1926 kam Gertrud Wołkiewicz in Braunswalde, heute Braswałd, vor den Toren Allensteins zur Welt. Die Eltern hatten einen kleinen Bauernhof, dort packte sie mit an, bis sie 18 war, bis die Russen kamen. Ein aufgewecktes Kind war sie, eine wache Frau ist sie jetzt, liest gerne Zeitung, will wissen, was draußen geschieht. Nur das Deutsch will an diesem Nachmittag nicht zu ihr finden. Entmutigt sinkt sie aufs Kissen nieder und schüttelt bedauernd den Kopf.
         
Einmal hat sie doch von den zwei Jahren in der Region Kolyma tief im Osten erzählt, 2008 war das, als die polnische Journalistin Joanna Wa´nkowska-Sobiesiak ein Buch über die Sibirienfrauen schrieb. Dass ihr Vater ebenfalls in Kolyma war und dort gestorben ist, dass sie unentwegt mit Gewehrkolben geschlagen wurde, wovon heute noch Spuren auf ihrem Rücken zeugen. Dass die Beine erfroren waren und im Alter anschwollen und die Haut riss und sich eine Wunde nicht mehr schloss, aus der seither das Wasser fließt.

„Sie war sehr tapfer, sie ist sehr tapfer“, sagt die Tochter, „sie wollte immer nur, dass es uns gutgeht. Wir hatten eine unbeschwerte Kindheit.“

Gertrud Wołkiewicz bezieht Witwen­rente, 70 Prozent davon nimmt das Pflege­heim, vom Rest müssen die Medikamente bezahlt werden. Weil das nicht reicht, legt die Tochter aus Deutschland drauf, mehrere Hundert Euro im Jahr. Nun aber ist die Tochter geschieden und arbeitslos und weiß selbst bald nicht mehr weiter. „Wovon soll ich die Fahrten zur Mutter bezahlen?“

Als die Sibirienfrauen damals nach Hause kamen, standen sie vor dem Nichts. Kein Geld, keine Ausbildung, keine Kraft, zu wenige deutsche Männer. Bei den polnischen Männern galten sie als gute Hausfrauen, als fleißig, ordentlich, genügsam. Manche heirateten wohl eine billige Arbeitskraft. „Bei meinen Eltern war es Liebe“, sagt Gertrud Wołkiewicz’ Tochter, „meine Mutter hatte nie etwas gegen Polen, sie hat auch die Russen nie beschuldigt, sie hat das historisch gesehen. Und mein Vater hatte nichts gegen Deutsche.“

1958 war die Hochzeit. Die Fotos aus jener Zeit zeigen eine schöne Frau, schlank, groß, eine Frau mit einem warmen Lächeln. Jan Wołkiewicz war Präzisionsmechaniker, leitete eine Werkstatt in Olsztyn. Bald konnten sie sich die Wohnung mitten in der Stadt leisten. 2000 ist Jan Wołkiewicz gestorben. „Es war eine glückliche Ehe“, sagt die Tochter.

Gertrud Wołkiewicz sitzt auf der Bettkante, kaut angestrengt ihr Abendbrot, ringt abermals vergeblich um deutsche Wörter und faltet schließlich die Hände wie zum Gebet. Sie hat mal einen großen Satz gesagt: „Das mit dem Alter, das ist dem lieben Gott misslungen.“
Als sich die alten Ostpreußen wieder zu Herkunft und Tradition bekennen durften, gründeten sie in Olsztyn die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit. Zwei Frauen führen heute die Geschäfte, regeln Angelegenheiten zu Staatsbürgerschaften und Ausreisen, laden ein zu Seniorennachmittagen, organisieren Wallfahrten, der katholische Pfarrer hält die Sonntagsmesse auf Deutsch. Um vergessenes Brauchtum aufleben zu lassen, reisen Landsmannschaften aus der Bundesrepublik an. An die 80 Sibirienfrauen hat die Gesellschaft in der Region ausfindig gemacht, nur noch sechs leben. „Die Sache mit der Entschädigung hat sich bald von selbst erledigt“, sagen sie in der Gesellschaft mit Bitterkeit. Auch die Deutsche Botschaft in Warschau hat sich eingesetzt, erfolglos.

 Eine der letzten Sibirienfrauen, Martha Spiewak, in ihrem Haus in Patryki

Martha Spiewak hat ihre Unterlagen aus Sibirien verloren. Zwei Frauen, die bezeugen können, dass sie zwei Jahre und sieben Monate im Lager war, haben beim Notar eine eidesstattliche Versicherung unterschrieben, genutzt hat es nichts. Doch wer und was kann Martha Spiewak aus Patryki überhaupt noch helfen? Ihr und ihrem Mann und den drei ­Söhnen? In der Wohnküche im Bett liegt sie an diesem Mittag, die Knie an die Brust gedrückt, die Decke bis zum Kinn gezogen, bekleidet mit einer alten Stoffhose und einem Herrenhemd. „Ich habe alles vergessen, Sibirien, die russischen Männer, alles vergessen“, sagt sie und schaut über die Schulter aus dem ­Fens­ter, wie wenn sie sich vergewissern wollte, dass Tag ist, weil die Sonne kaum durch die Scheiben dringen kann. Die Töpfe, Teller und Tassen, der Tisch, die Betten: In alles hat sich der Schmutz gefressen. Die Kissen auf den Stühlen sind feucht, beißend ist der Geruch. Im Garten liegt Müll, mit dem sie im Winter den Ofen feuern, im Sommer wabert eine graue Wolke von Fliegen darüber. Die Nachbarn hinterm Zaun bedauern sich und Martha und verachten die Männer. Dem jüngsten Sohn, Ende vierzig ist er, mussten die Zehen amputiert werden, weil er im Winter ­draußen volltrunken eingeschlafen war; die Socken streift er ab und zeigt mit einem erbarmungswürdigen Gesicht den Fuß her. Sein älterer Bruder kommt aus dem einzigen Nebenzimmer, ­bettelt darum, ihm Bier zu kaufen; der Vater erhebt sich vom Sofa und droht ihm mit dem Gehstock. Martha Spiewak im Bett sieht es und wendet sich ab.

 In diesem Haus wurde Martha Spiewak und ihre fünf Geschwister geboren, sie lebt dort heute noch, mit ihrem Mann und ihren Söhnen. Die Nachbarn hinterm Zaun bedauern Martha und verachten die Männer
In diesem Haus wurden Martha und ihre fünf Geschwister geboren. Arm waren sie, der Vater schneiderte, die Mutter kümmerte sich um die Kinder. „Schöne Zeit“, sagt sie, „das Haus war gut.“ 1954 hat Martha Tommerdich, geboren 1928, den vier Jahre jüngeren Deutschen Rudolf Spiewak geheiratet. Schneidern hatte sie beim Vater gelernt, aber fortan war sie Hausfrau. Irgendwann brachte ihr Mann immer weniger Geld nach Hause und immer mehr Unglück. Er trank, er verlor seine Arbeit, er scherte sich nicht um seine Rentenansprüche. Ihre älteren Schwestern schickten Geld aus Deutschland, nach ihrem Tod schickten die Nichten und Neffen nichts mehr. Ihre Brüder sind vor langer Zeit schon gestorben. Das Notwendigste bringen die Johanniter nach ­Patryki, und umgerechnet 100 Euro Sozialhilfe übergibt die Ortsvorsteherin jeden Monat an Martha Spiewak. Sie muss das Geld verteidigen, sonst würden ihr Mann und die Söhne womöglich alles zum Lebensmittelgeschäft tragen, wo man ihnen nur noch widerwillig Bier verkauft. Ihre Wangen sind eingefallen, die Augen trüb, die Haut entzündet, fest zugeschnürte Gürtel halten staubige Hosen an dürren Leibern.

„Martha hätte rausfahren sollen zu ihren Schwestern“, sagen die Frauen in der Gesellschaft Deutscher Minderheit. Rausfahren: So nennen sie es, wenn jemand in die Bundesrepublik zieht. Martha Spiewak wollte nicht rausfahren, sie will nicht mal raus aus diesem Haus: „Ich war schon einmal von meiner Familie getrennt, das reicht.“

Gertrud Moritz will auch nicht raus. Sie will an Sonnentagen auf der Terrasse sitzen, ein Butterbrot mit den Kräutern aus ihrem Garten essen und die Störche beobachten. Ihr Bruder war 1977 rausgefahren, ins West­fälische. Am Ende, als Witwer, lebte der Bruder im Heim, „abgeschoben von den eigenen Kindern“, sagt sie.

Ihr Bernhard wollte auch so gern rausfahren, schon in den 70ern, vielleicht auch ihretwegen, damit sie mal loslässt. „Der Papa lebte mit ihren Erinnerungen“, sagt die Tochter, „sie hat früher mehr geweint als heute.“ Und oft saßen die anderen Sibirienfrauen bei ihnen auf der Terrasse und erzählten von ihrem Leid. „Ich bin ja nur einmal vergewaltigt worden“, sagt Gertrud ­Moritz, „aber die anderen... um Gottes willen.“

Es hat Zeit gebraucht, bis Gertrud Moritz den Gedanken zulassen konnte, dass in Ostpreußen Gleiches mit Gleichem vergolten worden war, dass sie am eigenen Leibe erfahren musste, was deutsche Soldaten russischen Frauen und Mädchen angetan hatten. Und es brauchte eine Wahrheit, eine über den Tod ihres Vaters. Er sei bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen, so teilte es die Wehrmacht im Oktober 1944 mit, und so glaubte es Gertrud Moritz bis 1950. Da erfuhr sie, dass ihr Vater von der Wehrmacht hingerichtet worden war, weil er sich wegen einer Krankheit einen Tag zu spät bei seiner Einheit zurückgemeldet hatte. Da begann sie dann langsam zu glauben, was die Polen von diesem Krieg erzählten, von dem Unrecht, das ihnen widerfahren war, und von den Konzentra­tionslagern, in denen auch die Juden aus Allenstein ermordet wurden. „So war das.“

Auf dem Friedhof von Stawiguda ist Gertrud Moritz von Heid­runs Grab zum Grab ihres Mannes gegangen. Da steht sie, auf ihren Stock gestützt, abwesend der Blick, und murmelt etwas vor sich hin. Irgendwann hatte sie seinem Drängen doch noch nachgegeben und ließ ihn die Ausreise beantragen. Als die Bewilligung kam, war er nicht zu Hause. Sie legte sie auf den Esszimmertisch und überlegte. Dann versteckte sie das Kuvert ganz unten in einer Schublade. Dort liegt es heute noch. Sie hat sich nie getraut, ihm das zu sagen, und irgendwann hörte er zu warten auf.

„Ich habe nie etwas Besseres gesucht. Hier bin ich geboren, ­hier will ich sterben und an der Seite meines Mannes liegen.“

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Lesermeinungen

Gast schrieb am 1. Februar 2014 um 22:59: "Wer, zum Teufel, wird JE zu Recht verschleppt ??? !!!!!!!!!!" Das passiert laufend. Wenn die Verschleppung zu Recht erfolgt, wird sie eben nicht mehr Verschleppung genannt. Wer Pech hat und dort lebt, wo der Staat einen Stausee oder eine weitere Landebahn eines Flughafens bauen will, wird verschleppt. Weil der Staat sich nur verglimpfen und nicht verunglimpfen lässt, darf man jetzt nicht mehr von Verschleppung reden, sondern von der nach Ausschöpfung des Rechtsweges erfolgten Umsiedelung. Wer Pech hat und dort lebt, wo der eine Staat einen Angriffskrieg mit Pauken und Trompeten verloren hat, wird nach dem Recht des Siegerstaates im Rahmen der zu erbringenden Reparationsleistungen zu Recht andernorts zur Arbeit verpflichtet. _______________ Das Recht ist nicht dazu da, das Elend der normalen Menschen zu verhindern. Das Recht ist im Gegenteil dazu da, den Staat ins Recht zu setzen, wenn er mit seinem eigenem Menschenmaterial oder dem des besiegten Kriegsgegners so umspringt, wie er es will. Das ist der Witz des Rechts und des Rechtsstaates. Dagegen helfen auch viele Satzzeichen wie "??? !!!!!!!!!!" nichts. Das Recht ist für Otto und Anna NormalverbraucherIn ein ziemlich gefährlich und ungemütlich Ding.

Wer, zum Teufel, wird JE zu Recht verschleppt ??? !!!!!!!!!! Wie wäre es, mit Selbstsreflexion, liebe chrismon- Redaktion ?! Mir scheint, auch die Leser - Endlosdiskussion zum Thema "Was glaubt ihr denn?", sei allein der journalistischen Nachlässigkeit geschuldet ! Ärgerlich, das Ganze, wobei ich aber den Artikel "Wir haben doch nichts verbrochen", als, bei weitem, einen der besten Artikel dieser Zeitschrift halte. Die vorgestellten Frauen verdienen Achtung und Respekt, weil sie sich ihrem Leben gestellt haben, ohne dem Trend zur Flucht, zu folgen. Ich sehe sie nicht als Opfer, sondern als Individuen, die sich dem Trend der Zeit, widersetzt haben. Sie allein machen mir Hoffnung.

Anna Sigorska schrieb am 23. Januar 2014 um 10:24: "Es gibt nun einmal Dinge, die sind gleichzeitig wahr" Zweifelsohne. Man kann aber auch zwei Aussagen machen, die beide erheblich an der Sache vorbei gehen. Solche zwei beliebten Aussagen sind: "Nazi-Deutschland war böse und schuldig." "Die Sowjetunion war aber auch böse und schuldig." Wer zur Zwangsarbeit gezwungen wird, hat immer ein erbärmliches Leben. Zwangsarbeit wird nicht dadurch ein mieses Schicksal, dass ein oder mehrere Schuldige ausgemacht werden und die Zwangsarbeiter selbst sich als unschuldig zu erweisen haben. Auch eine Frau, die den Hitler für großartig gehalten hat, ist elend dran, wenn sie Zwangsarbeit verrichten muss. Also kann man auf das ganze elende Schuldzuweisungswesen mal verzichten und statt dessen nach den Ursachen für Zwangsarbeit fragen. Die Antwort im vorliegenden Fall ist nicht schwer. Der faschistische deutsche Staat hat die Sowjetunion mit Krieg überzogen. Der sowjetische Staat hat sich als Siegermacht Zwangsarbeiter geholt. Wenn man also schon Gleichheiten oder Ähnlichkeiten zwischen einem Angreifer und einem Überfallenen finden will, dann wohl die, dass es sich in beiden Fällen um Staaten gehandelt hat. Die Insassen eines Staates haben in den meisten Fällen nicht viel zu lachen. Schon in Friedenszeiten nicht und wenn dann einer der Staaten einen anderen angreift, schon zweimal nicht. Spricht das jetzt speziell gegen die Sowjetunion? Oder ist nicht der Einfall mit den Staaten eine lebensgefährliche Angelegenheit? ______________________ Und wenn man am Nachdenken ist, könnte man sich auch fragen, ob nur Zwangsarbeit widerlich ist oder nicht auch der gewöhnliche Zwang zur Arbeit für die, die nicht ihr Geld für sich arbeiten lassen können, eine höchst ungemütliche Angelegenheit darstellt.

Ein wichtiger Artikel. Es gibt nun einmal Dinge, die sind gleichzeitig wahr, auch wenn es manchem nicht in den Kram passt. Es stimmt, dass viele Deutsche schwere persönliche Schuld auf sich geladen haben. Ich glaube, diese Frauen aber nicht. Daher ist ihnen schweres Unrecht geschehen. Nicht abstrakt, sondern es hat Ihnen damals jemand ganz konkret zugefügt. Dieses Unrecht wurde von der damaligen Sowjetunion begannen. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung. Eine offene Diskussion darüber findet im Reich von Putin nicht statt. Da pflegt man die Legende, dass die Sowjetunion ausschließlich Opfer war und nichts Unrechtes getan hat. Das ist eine Lüge.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem sehr lesenswerten Artikel "Wir haben doch nichts verbrochen" zeigen Sie u.a. eine Karte von Polen mit einigen Ortsnamen. Was mich irritiert: wieso wird für die Landeshauptstadt der deutsche Name genommen? Ist inkonsequent.

Wenn Sie italienische Städte zeigen oder im Text erwähnen, dann sicherlich auch stets mit den italienischen Namen, also z.B. Roma oder Milano. Die tschechische Hauptstadt heisst sicherlich stets Praha, die dänische Köbenhavn (oder so ähnlich).

Nur dann verhalten Sie sich so richtig politisch korrekt!

Ok - bei Städten wie Zarizyn/Stalingrad/Wolgograd wird das kompliziert.

Viele Gruesse!
Helmut Hullen

Das Schicksal dieser Frauen berührt mich sehr. Sie mussten büßen für einen Krieg, einen Völkermord, für den die allermeisten derjenigen, die ihn angezettelt und befehligt haben, nie zur Rechenschaft gezogen worden sind. Während Gertrud Moritz und ihre Leidengenossinnen nach Lagerhaft und Zwangsarbeit versuchten , wieder ein halbwegs normales Leben zu führen, hatten sich die Täter, viele davon Schreibtischtäter, längst in die verdrängungssüchtige deutsche Nachkriegsgesellschaft integriert.

Uwe Tünnermann

Sehr geehrter Herr Fischer, ich kann nicht verstehen, wie man das bittere Leid des Einzelnen mit dem Leid Anderer aufwiegen kann.

...Anmerkung der Redaktion: Bitte bleiben Sie sachlich und am Artikel. Ihre chrismon.de Redaktion.

Mark, in Ihrem Artikel schicken Sie die Damen ein zweites mal nach Sibirien, diesmal endgültig.
....Anmerkung der Redaktion: Bitte bleiben Sie sachlich und schreiben Sie konkret, was Sie kritisieren. Ihre chrismon.de Redaktion

Mich wundert, wenn im Schlusssatz die Sowjets die Frauen "verschleppten", während die Deutschen die Menschen aus Osteuropa zur Zwangsarbeit "verpflichteten". Was für eine Verharmlosung bzw. unterschwellige Bösartigkeit, denn ein großer Teil der osteuropäischen Bevölkerung wurde von den Deutschen schlicht ausgerottet. Da dem zuständigen Redakteur hier offensichtlich ein Stück Bildung fehlt, könnte er/ sie vielleicht sich mal den Artikel aus der aktuellen "Die Zeit" von Seite 3: "Russland sei Dank" zu Gemüte führen.

Mit freundlichen Grüßen