Wie kann man Whistle­blower schützen?

David Von Blohn/dpa Picture-Alliance

Dem Amerikaner Edward Snowden drohen hohe Strafen, weil er Abhöraktionen des US-Geheimdienstes offengelegt hat; an­dere haben wegen Whistleblowing ihren Job verloren. Johannes Ludwig fordert Standards im Umgang mit Whistleblowern.

chrismon: Martin Luther sei der bedeutendste deutsche Whistleblower, sagen Sie. Was genau versteht man eigentlich unter dem englischen Begriff?

Johannes Ludwig: Whistleblowing heißt nichts anderes, als dass jemand auf einen Missstand hinweist. Auf welche Art er das tut, ist unerheblich.

Luther bekam freies Geleit vom Kurfürsten von Sachsen. Welchen rechtlichen Schutz haben Whistleblower heute in Deutschland?

Wenn sich Whistleblower an Medien wenden, muss der Journalist niemandem sagen, von wem er die Informationen hat. Ansonsten gibt es nur einen Paragrafen, der besagt, dass Beamte auf Korruption hinweisen dürfen, ohne ihren Arbeitsplatz zu ver­lieren. Deutschland ist absolutes Schlusslicht – selbst die USA ­haben Whistleblowerschutzgesetze. Allerdings gelten die nicht für den Verteidigungsbereich. Es ist schiere Doppelmoral, wenn deutsche Politiker über Spionage jammern und gleichzeitig jemandem wie Edward Snowden Asyl verwehren wollen.

Die Altenpflegerin Brigitte Heinisch hat ausgepackt und ihre Arbeit verloren, beim Eschede-Unglück wurden Warnungen erst gar nicht gehört. Wie kann man Missstände melden?

Einige Firmen haben inzwischen Ombudsleute oder anonyme Hot­lines. Wenn es die nicht gibt und man wegen Whistleblowing entlassen wird, sollte man vor Gericht gehen. Es ist noch nicht überall bekannt, aber der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat geurteilt: Whistleblowing ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das öffentliche Interesse an Missständen wiegt stärker als Unternehmensinteressen. Trotzdem muss man mögliche Folgen immer mitbedenken: Mobbing, Verlust des Arbeitsplatzes, die Beziehung kann in die Brüche gehen, und man kann gesundheitliche Probleme bekommen. Wir müssen Whistleblower davor schützen. Dafür brauchen wir internationale Standards.

Wie sollen die aussehen?

Neben dem Kündigungsschutz  sollten Whistleblower vor allem  wählen können, ob sie sich an
ihre Chefs wenden, an dafür zuständige Stellen oder gleich an die Öffentlichkeit.

Prof. Dr. Johannes Ludwig

Johannes Ludwig ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Whistleblower Netzwerk“ und Professor für Medienmanagement an der HAW Hamburg. Foto: PR

Neue Lesermeinung schreiben

Lesermeinungen

Es gibt eine Fairness - Stiftung...
und ... ich finde das Buch gut: "Mistakes were made but not by me..."