Viele Gaben, ein Geist

Wie bringt man ein Team nach vorne? Margot Käßmann und Philipp Lahm über Verantwortung, Engagement und zeitgemäße Vorbilder.

Sebastian Arlt

Philipp Lahm

Philipp Lahm, ist Kapitän der Nationalmannschaft sowie des FC Bayern München, mit dem er in der vergangenen Saison das Triple gewonnen hat: den DFB-Pokal, die Meisterschaft und die Champions League. 2007 gründete er die Philipp Lahm-Stiftung, die Kinder und Jugendliche unterstützt. Philipp Lahm lebt mit Ehefrau Claudia und dem gemeinsamen Sohn Julian in München.

Margot Käßmann

chrismon-Herausgeberin Dr. Margot Käßmann ist "Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017", kurz "Reformationsbotschafterin". Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) lehrte zuvor als Gastprofessorin an der Ruhruniversität in Bochum Sozialethik und Ökumene. Margot Käßmann ist Autorin mehrerer Bücher in der edition chrismon.

chrismon: Was ist ein gutes Team?

Margot Käßmann: In einem guten Team bringen die Einzelnen ihre Stärken für ein gemeinsames Ziel ein. Respekt ist wichtig, auch in Form von Verständnis, wenn Teamkollegen etwas nicht so hinbekommen, wie es geplant war.

Philipp Lahm: Das sehe ich genauso. Es braucht unterschiedliche Typen für verschiedene Positionen und Aufgaben. Wobei im Falle einer Fußballmannschaft alle Spieler auch eine große Gemeinsamkeit haben: Wir mussten ein Raster durchleben. Jeder musste sich in jedem Spiel wieder neu durchsetzen. Von der Jugend bis zu den Profis. Der eine beim großen FC Bayern, der andere bei kleineren Vereinen, der nächste im Ausland. Immer ging es darum, eine Stufe weiterzukommen. Aber natürlich kann man unseren Torwart Manuel Neuer nicht mit einem Stürmer vergleichen.

Philipp Lahm und Margot Käßmann zu ihrer Begegnung im chrismon spezial 2013

Käßmann: Das ist ja gut biblisch, 1. Korintherbrief, Kapitel 12: „Viele Gaben – ein Geist.“ Das finde ich auch an der Reformationsgeschichte interessant. Martin Luther wird immer als die eine zentrale Figur dargestellt, aber es waren ganz viele Menschen, die auf unterschiedlichen Ebenen zusammengewirkt haben. Das fängt schon bei Jan Hus an. Melanchthon war neben Luther ein Schlüsselspieler der Reformation, Zwingli und Calvin haben die Reformation zu einer weltweiten Bewegung gemacht. Auch die Frauen in der Reformation waren wichtig, denken wir an Argula von Grumbach.

Lothar Matthäus mit dem WM-Pokal in Rom – das war ein Traum


Warum verkürzen wir Geschichten gern auf den einen Star?

Käßmann: Die Medien brauchen ein Gesicht, an dem sich etwas ablesen lässt. Im Grunde ist das auch bei der Reformation so: Die Reformation in Deutschland hätte sich sicher nicht so stark entwickelt, wenn sie nicht so pointiert auf Luther ausgerichtet gewesen wäre.

Lahm: Ich denke, die Zeit, in der wir leben, ist sehr ungewiss. Und die Themen sind sehr kompliziert. Also brauchen wir Helden, zu denen man aufschauen kann, weil sie Mut bewiesen haben und ihre Erfolge Mut machen.

Hatten Sie in Ihrer Kindheit auch eine Heldin, einen Helden?

Käßmann: Als Kind? Daran erinnere ich mich nicht. In meiner Jugend war das ganz klar Martin Luther King. Der war fromm – und politisch. Gegen Rassismus, für Frieden und Gerechtigkeit.

Lahm: Ich hatte natürlich Fußballhelden. Ich hab mit fünf Jahren angefangen zu spielen. Die erste Weltmeisterschaft, die ich mitbekommen habe, war 1990. Lothar Matthäus mit dem WM-Pokal in Rom – das war ein Traum. Auch ich wollte später einmal viele Pokale gewinnen!

Käßmann: Ist ja in Erfüllung gegangen!

Lahm: Der WM-Titel fehlt leider noch. Helden außerhalb des Sports waren auch meine Großeltern. Meine Eltern und wir ­Kinder lebten mit ihnen in einem Haus. Ich war oft bei ihnen. Sie haben eine Traumehe geführt, haben sich immer umeinander gekümmert und um uns Enkelkinder. Bis heute ist die Familie etwas Großartiges für mich, meine Großeltern sind echte Vorbilder.

Käßmann: Übrigens, meine älteste Tochter ist nur wenig älter als Sie und hat ein Kind, das fast so alt wie Ihr Kind ist. Ich bin ganz zuversichtlich: Auch Ihre Generation wird wieder Vorbild für Kinder und Enkel sein.

Lesermeinungen

Hallo Chrismon - Team,

echt cooler Artikel, krass, dass ihr Philipp Lahm für ein Interview gewinnen konntet.

Schade finde ich, dass Jesus Christus kein einziges Mal vorkommt.

Ich finde es toll wie eingebunden meine Evangelische Kirche in die Gesellschaft ist, aber dass sie keine wirkliche Botschaft vom Glauben mehr vermittelt macht mich sehr traurig.
Die Frohe Botschaft ist doch, dass Jesus Christus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist und wir dadurch frei sind....Und Jesus ist lebendig, er ist heute hier erfahrbar, jetzt und bis ans Ende der Zeit. Gibt es denn überhaupt etwas cooleres?

Ich habe es selbst erfahren, wie er in mein Leben gekommen ist und wie er mich auf eine so tolle Art und Weise verändert hat. Ich weiß, das ist eine unbequeme Botschaft, aber wir sind alle Sünder und brauchen Vergebung. Das ist natürlich provozierend für unsere "ich bin ja so stark und frei" Gesellschaft. Jesus nimmt meine Last von mir. Er gibt mir Kraft, er ist meine Kraft. Und ich kann jederzeit durch das Gebet mit ihm reden und er hört jedes Wort, den kleinsten Seufzer...
Jesus Christus kann Licht in unsere Dunkheit bringen. Denn ER ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Amen.

an die beiden Kommentare vor mir..../.../:
LIeber Nachtwächter: Bitte bleiben Sie sachlich. Mit frdl. Grüßen, ihre chrismon.de-Redaktion

Liebe Frau Käßmann,Sie sagen was Sie immer so sagen ,viele gute Dinge
aber auch viel (sorry) Kirchen "gesülze"Zu P.Lahm ,er ist doch der Traum
aller Mütter und Schwiegermütter,sauber, ehrlich ,sozial ,lieb,nett,ohne
Fehler.drei mal durchgewaschen und geföhnt ,gepudert und gecremt !!!!
Ohne Ecken und Kanten gibt es überhaubt einen besseren Menschen in
Bayern/Deutschland ? Der steht ja schon auf einer Stufe mit Gandi muß
man ja schon über eine Heiligsprechung nachdenken.
Ich find das zum Kotzen ,so perfekt ist doch kein Mensch ,da wird denn
Menschen ein Bild verkauft ,was einfach nicht stimmt,jeder Mensch hat
Fehler und die macht denn Menschen auch aus.Aber ist ja so schön in
einer Traumwelt zu leben.

Das ist ev. Kirche! Die Gaben auf den Thron, den Geist zur Rechten, die Dummheit zur Linken! Der Törichte mag sich freuen, er hat die Freiheit gewonnen, der Erfolgreiche darf sich abmühen, er als Vorbild dem Geringen dient, sein Lohn auf Erden ist ihm sicher. Die Kirche, das Fundament der Zukunft. Aber, glaube mir, wen interessiert das? Wir alle sind die Zukunft, nicht nur "die Auserwählten", die so gern sich selber feiern, loben und lobpreisen! Bescheidenheit, Zurückhaltung sind wohl nichts gegen die strahlende Rüstung der Rose. Wir glauben nicht mehr, heißt es, wir leben unsere Gaben, wir geizen nicht mit unseren Reizen. Wir halten den hoch, der uns gemacht, wir knechten diejenigen, die uns gering zu halten bedacht, weil wir sind was wir sind, nicht mehr Kinder Gottes heißen wir, sondern die Kirche, die Gemeinden, der Mainstream. die Kraft der Massen. Ich aber vermisse Gott, und Liebe, die alle erfasst, ohne Ausnahme, ohne Vorbilder, ohne Geister und Geistesgaben . Insofern, Rot und Grün sind modern, aber das reicht nicht. Was hier vor allem gemeint ist, sind Privilegien, Vorteile, und Soziales. "Sie sind eben nicht nur ein Jungmillionär, der ein heiteres Leben hat." König Fussball. Nein, Frau Kässmann, der Gott na den Sie glauben, heißt Martin Luther und Soziales, aber Transparenz ist ebenso wertvoll, wie Toleranz. Mehr kann man hier kaum erwarten. Eine selbstvergessene, selbstverliebte Welt. Eine Beleidigung für den Geist, und Deutschland nach Hitler und Holocaust sollte man nicht geringschätzen. Ein Land mit einer so harten Vergangenheit, hat mehr Größe verdient , als ihm diese tumbe Kirche, samt ihrer Geldelite, zubilligt. Und ich bitte, diese Kritik ernst zu nehmen.

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