Hans-Peter Friedrich beantwortet "Fragen an das Leben"

"Später, wenn du erwachsen bist, dann . . .“
Wenn die Sozis und Linken seinetwegen schreien, dann weiß der Minister: "Du hast es gut gemacht."

Dirk von Nayhauß

Hans-Peter Friedrich

Hans-Peter Friedrich, 1957 in Oberfranken geboren, ist seit März 2011 Bundesinnenminister. Als Jugendlicher erwog er kurzzeitig, Pfarrer oder Journalist zu werden, studierte dann aber Jura und ­promovierte über das Thema „Testamentsvollstreckung an Kommanditanteilen“. 1973 wurde Friedrich Mitglied der Jungen Union, 1974 der CSU. Er sitzt seit 1998 im Bundestag. Hans-Peter Friedrich ist Protes­tant und hat mit seiner Frau drei erwachsene Kinder.

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?

Vor einigen Jahren habe ich für einen Marathon trainiert. Das war ein intensives Gefühl – allein zu sein, in der Natur, und ein Ziel zu haben, das man sich selbst gesteckt hat. So ein Marathon ist ja vor allem eine Kopfsache: Wie in allen Situationen des Lebens ist man letzten Endes davon abhängig, dass man mental diese Kraft hat, konsequent sein Ziel zu verfolgen. Im Sommer hatte ich das erste Mal in meinem Leben eine Yogastunde. Ich musste eine Karte ziehen, auf der dann stand : „Sie haben nichts zu verlieren.“ Im Grunde war das immer mein Motto: Ich habe überhaupt  nichts zu verlieren. Das bringt die notwendige Gelassenheit.

Suchen Sie die Konfrontation?

Nein, aber ich gehe keiner Konfrontation aus dem Weg. Als Jugendlicher hatte ich viel Freude daran, mich in der Schule täglich mit meinem linkssozialistisch-kommunistischen Umfeld anzulegen und den Kampf zu suchen. Das hatte und hat aber nur mit Politik zu tun. Meine Freunde in der Jugendzeit waren zum Teil ultralinke Marxisten, wir haben nächtelang durchdiskutiert und getrunken und geraucht. Politisch war ich für die eine einzige Provokation. Wenn heute die Sozis und Linken meinetwegen schreien und keifen, dann weiß ich: Du hast es gut gemacht.

An welchen Gott glauben Sie?

An einen gütigen Gott – an einen, der akzeptiert, dass der sündige Mensch, den er geschaffen hat, auch Sünden begeht. Wenn ich zulasse, dass das Gewissen zu mir spricht, und es nicht ausschalte, dann bin ich Gott sehr nahe. Ich habe ein großes  Gottvertrauen. Ich glaube, dass Gott für alles und jeden einen Plan hat.

Hat das Leben einen Sinn?

Für mich heißt das, das, was man Glück nennt, zu verwirklichen. Ich hatte schon immer Angst vor der Eintönigkeit, ich wollte nie in einen Trott verfallen. Daher habe ich dafür gesorgt, dass es mir nie langweilig wird. Für mich war es immer wichtig, meine Optionen zu vermehren und eine breite Palette von Möglichkeiten zu haben.

Muss man den Tod fürchten?

Ja, ich habe schon als Kind Angst gehabt, dass meine Eltern oder meine Geschwister sterben könnten. Das war bedrückend, das hat mich mitgenommen. Auch heute fürchte ich, dass der Tod mir jemanden aus meiner Familie wegnimmt. Für mich selbst fürchte ich den Tod überhaupt nicht. Ich sage mir: Es ist vorherbestimmt, und wenn die Zeit abgelaufen ist, dann ist es so. Aber eigentlich habe ich das Gefühl, in meinem Leben noch vieles vor mir zu haben. Ich ertappe mich manchmal dabei zu denken: Später, wenn du erwachsen bist, dann... Ist ja eigentlich verrückt, dass ich mit Mitte 50 so denke, und oft meldet sich in mir eine mahnende Stimme: Sei doch realistisch! – Ich verdränge die Tatsache, dass ich älter werde. Verdrängen ist bei mir bisweilen ein Schutzmechanismus, der gut funktioniert.

Welche Liebe macht Sie glücklich?

Jemandem absolut nahe zu sein und das Gefühl zu haben, dass man in diesem Moment für den anderen und er für einen selbst ganz wichtig ist. Das sind Momente und Gefühle, für die das Leben sich lohnt.

Welchen Traum möchten Sie sich noch unbedingt erfüllen?

Eine Wohnung in Venedig mit Blick aufs Wasser. Ich bin ein großer Fan dieser Stadt. Viele können das nicht verstehen, aber das sind diejenigen, die Venedig nicht kennen. Sie fallen mit den Touristen ein, finden alles furchtbar überlaufen und nehmen sich selbst die Chance, dieser Stadt näherzukommen.

Wie gehen Sie mit Schuldgefühlen um?

Wenn andere Menschen meinetwegen unglücklich sind, ist das für mich fürchterlich, das quält mich. Ich nehme mal mein Büro: Wie viele Leute mögen unglücklich sein, wenn ich mal wieder grantig war! Man ist ja manchmal ungerecht, und dann denke ich mir hinterher: Bist du jetzt schuld, dass es dem schlecht geht? Oder ich laufe an einem Bettler vorbei und werfe ihm keinen Euro in den Hut. Danach frage ich mich: Menschenskind, warum hast du das nicht gemacht? Meistens versuche ich, es später ­wiedergutzumachen. Wenn das nicht geht, hoffe ich, möglichst schnell wieder auf andere Gedanken zu kommen.

Lesermeinungen

Meine Freunde in der Jugendzeit waren zum Teil ultralinke Marxisten, wir haben nächtelang durchdiskutiert und getrunken und geraucht. Politisch war ich für die eine einzige Provokation. Wenn heute die Sozis und Linken

Mit Abstand DAS chrismon-Interview (oder sollte ich »Befragung« sagen?) des Jahres! /..../
Ein wenig journalistische Neugier hätte ich mir dennoch gewünscht: Was soll man sich unter »ultralinken Marxisten« in BAYERN (!) vorstellen? Befürworter des Frauenwahlrechts?

Eine kindliche, unreife Äußerung, in der Tat.
Ebenso die ÄUßerung über das Älterwerden.
Scheint so, dass er den Moment des Lernens, verpasst hat.

Wenn die Sozis und Linken seinetwegen schreien, dann weiß der Minister: "Du hast es gut gemacht." - welch eine unreife und der Demokratie unwürdige Aussage

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